Nationaler Lehrerstreik in Lesotho und seine Folgen

Geschrieben am 12.02.2019


Leider mussten wir die Eröffnungsfeier des 2. Bischof-Manfred-Müller-Jungeninternats am 9. März 2019 absagen. Ob es möglich sein wird, den 12. Hilfstransport von Yes we care! e.V. nach Pitseng in Lesotho am 6. März 2019 durchzuführen sowie die Patenkinder zu besuchen, ist momentan völlig unklar. Eine Verbesserung der akademischen Ergebnisse an der Pitseng High School im Jahr 2019 scheint jetzt völlig ausgeschlossen. Der Unterricht an allen Schulen in Lesotho für das Jahr 2019 ist in Frage gestellt. Der Grund?

 

 

In Lesotho haben LehrerInnen-Gewerkschaften zu einem landesweiten Streik aufgerufen, der sehr langfristig geplant ist, siehe Zeitplan des Streiks gültig für alle LehrerInnen.

 

 

 

Das Thema sind die seit bis zu zehn Jahren ausstehende Gehaltszahlungen durch die Regierung, die z. T. menschenunwürdigen und schwierigen Arbeitsbedingungen für LehrerInnen sowie erwünschte Gehaltserhöhungen. Seit vielen Monaten ziehen sich die Verhandlung zwischen Regierung und LehrerInnen-Gewerkschaften hin. Letztes Jahr konnte ein längerer Streik nur dadurch abgewandt werden, dass die Regierung Zahlungen an die LehrerInnen zugesagt hatte.

 

 

Diese Zahlungen sind nicht erfolgt, das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Regierung ist in Enttäuschung und Wut umgeschlagen. Bereits seit Jahresbeginn demonstrieren LehrerInnen. Jetzt sollen sich alle Schulen und LehrerInnen an dem landesweiten Streik beteiligen.

 

 

LehrerInnen und Schulen, die sich nicht an dem Streik beteiligen, riskieren Angriffe, wie z.B. Brandanschläge. Es darf nur eine Woche pro Monat unterrichtet werden. Dies ist natürlich angesichts der Tatsache, dass die meisten SchülerInnen im Internat leben, da sie aus sehr weit entfernt gelegenen Dörfern kommen, unmöglich.

In einem langen Telefonat mit Makabelo Tenane, der Schulleiterin der Pitseng High School und Betreuerin unserer Patenkinder, machte sie deutlich, dass für Sicherheit während eines Besuchs an der Schule - wie im März 2019 geplant - nicht garantiert werden kann. Wir haben daraufhin die Eröffnungsfeier schweren Herzens absagen müssen. Wir wollen auf keinen Fall, dass jemandem etwas geschieht oder dass sich unsere BetreuerInnen an der Pitseng High School bei dem Versuch, den Unterricht für unsere Patenkinder aufrechtzuhalten, selbst in Gefahr bringen.

 

Die Schulleitung hat am Sonntag eine Notfallsitzung einberufen, in dem alle LehrerInnen, die Schulleitung sowie die Nonnen des Ordens, der der Träger der Schule ist, zusammen entschieden haben, wie sie mit der Situation umgehen werden. Jede/r LehrerIn hat das Recht, selbst zu entscheiden, ob er/sie sich am Streik beteiligt. Grundsätzlich sollen alle SchülerInnen an der Schule/in den Internaten bleiben, um jederzeit für Unterricht zur Verfügung zu stehen, sollte dieser stattfinden. Ob das verwirklichbar sein wird, ist äußerst fraglich. Die Nonnen, die das Mädcheninternat leiten, sehen sich aktuell nicht in der Lage, die Schülerinnen im Mädcheninternat bei Abwesenheit der LehrerInnen zu betreuen und wollen sie deshalb während der unterrichtsfreien Zeiten nach Hause schicken. Viele der Mädchen können aber wegen der hohen Transportkosten in ihre entlegenen Dörfer nicht jeden Monat hin- und herpendeln, andere haben gar keine Angehörigen mehr, bei denen sie unterkommen könnten (ganz abgesehen davon, dass die Unterbringungsgebühren für das aktuelle Schulhalbjahr bereits an die Nonnen gezahlt wurden …)… hier muss also dringend eine andere Lösung gefunden werden!

 

Der 12. Hilfstransport nach Pitseng ist so gut wie fertig vorbereitet:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Hilfsgüter sind eingekauft, Kleiderpakete für 350 Kinder gepackt, 4.000 Äpfel bestellt, nur die Süßigkeiten warten noch auf Verpackung. Die Dokumente für die Grenzüberschreitung sollten wir kommende Woche in den Händen halten. Wenn es irgend möglich sein sollte, werden wir diese Hilfsgüter nach Pitseng fahren. Ob wir dann Kinder antreffen werden, ist unklar. Falls es zu gefährlich sein sollte, fällt auch der Hilfstransport und der Besuch der Patenkinder aus und wir werden die Güter in Südafrika einlagern müssen und abwarten.

 

 

Dieser Streik wird schlimme Folgen für die Kinder in Lesotho haben. Falls der Streik wie geplant umgesetzt wird, wird das Jahr 2019 ein verlorenes Jahr für alle SchülerInnen! Viele werden endgültig die Schule verlassen. Junge Mädchen sind einer erhöhten Gefahr ausgesetzt, schwanger zu werden. In einer Situation, in der nur eine Woche pro Monat unterrichtet wird, wird es keinem/r SchülerIn möglich sein, erfolgreich ein Abschluss-Examen zu schreiben. Viele Verwandte werden nicht in der Lage sein, ein zusätzliches Schuljahr für ihre Kinder zu finanzieren. 

 

Dies wird natürlich auch Konsequenzen für unser Patenschafts-Programm haben. Es besteht die große Gefahr, dass viele Patenkinder „verloren“ gehen, wenn kein regelmäßiger Unterricht stattfinden wird. Falls sich dieser Streik tatsächlich über das Jahr hinziehen sollte, werden die verbleibenden SchülerInnen das Jahr wiederholen müssen.

 

Mrs. Makabelo Tenane setzt ihre Hoffnung darauf, dass nun doch eine schnelle Lösung zwischen den Gewerkschaften und der Regierung gefunden wird, um eine Katastrophe zu verhindern. Aber es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiter entwickeln wird.

 

Wir sind sehr beunruhigt über diese unerwartete Wendung in Lesotho, die das wichtigste Yes we care! e.-V.-Programm zur Hilfe von bedürftigen Kindern in Lesotho - das Patenschafts-Programm - zutiefst betrifft. Wir machen uns Sorgen um die nahe und ferne Zukunft der Patenkinder! Im Moment können wir nur schwer abschätzen, wie es mit der Schule und dem Patenschafts-Programm konkret weitergehen wird. Auch wenn unser Einfluss auf die aktuelle Lage nur sehr begrenzt ist, werden wir alles uns Mögliche unternehmen, dass die Kinder in dieser Zeit so gut wie nur irgend möglich betreut bleiben.

 

Wir sind sehr, sehr traurig, dass wir Menschen, die bereits ihre Flüge, Mietwägen und Unterbringungen gebucht und bezahlt haben und die sich sehr auf den Besuch der Patenkinder Anfang März freuten, absagen mussten.

 

Wir danken allen, die Verständnis für diese schwere Zeit aufbringen können und sich mit uns weiter für eine Zukunft dieser Kinder einsetzen!

 

Mit herzlichen Grüßen

Irina André-Lang, Peter Lang, Ulrike Völkmann

Vorstand von Yes we care! e.V.

 

 

Besuch der Yes we care! e.V.-Patenkinder in Pitseng, Lesotho,
am 8. November 2018


Bei der Hinfahrt für unseren Besuch erlebten wir zum ersten Mal um diese Zeit eine Kaltfront, die zwar dabei war sich zurückzuziehen, aber in der Nacht vor unserer Ankunft noch einmal für Schneefall in Lesotho sorgte:


 

 

Dieser Schnee bedeutet Feuchtigkeit, die dringend benötigt wird! Leider kündigt sich eine neue Dürre-Periode im südlichen Afrika an, mit 70% bis 90% wird die Wahrscheinlichkeit eines erneuten El Niño für die Sommerzeit vorhergesagt, in der es eigentlich regnen sollte! Momentan gibt es jedoch Wasser an den öffentlichen Wasserhähnen. Bei der Hinfahrt sehen wir Menschen beim Bewässern ihrer Felder:


 

Am 8. November 2018 fahren wir bei 4 Grad Celsius früh morgens von unserer letzten Station in Clarens los, um rechtzeitig für die tägliche Schulandacht an der Pitseng High School zu sein.

 

 

Gleich anschließend treffen wir alle 157 Patenkinder, 144 Patenkinder, die bereits PatInnen haben, sowie 13 SchülerInnen, die erst ab 2019 offiziell im Yes we care! e.V.-Patenschaftsprogramm sein werden. Darüber hinaus werden noch weitere 20 bedürftige SchülerInnen von unseren Betreuerinnen an der Schule identifiziert werden.

 

 

 

20 Patenkinder sind am Ende ihres zwölften Schuljahres und schreiben gerade ihr Abitur. Sie werden schon sehr bald die Pitseng High School verlassen:

 

 

31 Patenkinder sind am Ende der zehnten Klasse und schreiben ihr sogenanntes Junior Certificate Examen, eine sehr wichtige Prüfung, die einem Realschulabschluss gleicht und die bestanden werden muss, um mit dem Gymnasium weitermachen zu können:

 

 

 

Die 13 neuen Patenkinder bekommen ihre Yes we care! e.V.-T-Shirts, die sie mit Stolz und Freude anziehen (drei fehlen auf diesem Foto):

 

 

Wir verteilen Briefumschläge mit Fotos, die wir von den SchülerInnen beim letzten Besuch gemacht hatten. Die Patenkinder, deren PatInnen einen Brief geschickt haben, finden diesen ebenfalls im Briefumschlag. Manche Patenkinder erhalten auch Geschenke. Leider haben es nicht alle Geschenke rechtzeitig vor unserer Abreise nach Lesotho geschafft, da die Post in Südafrika sehr langsam und unzuverlässig arbeitet.

 

 

 

 

Durch Extra-Spenden konnten wir auch wieder Weihnachts-Süßigkeiten mitbringen, die immer große Freude auslösen!

 

Anschließend ist diese schöne Zeit der Begegnung schon wieder zu Ende und die Kinder gehen zurück in ihre Klassenzimmer, während wir uns mit der Schulleitung und Yes we care! e.V.- BetreuerInnen zu diversen Sitzungen zusammensetzen.

 

Sitzung mit unseren BetreurInnen, Makabelo und Mpho sowie Mr Paku,

im Studierzimmer des neuen Jungeninternats


Unter anderem werden wie immer die Finanzen diskutiert. Nachdem 2018 die Gebühren für den Schulbesuch sowie die Unterbringung im Mädcheninternat stark erhöht worden waren, gibt es für 2019 Gott sei Dank nur eine leichte Erhöhung.

 

Die Sitzungen finden im neuen, zweiten Bischof-Manfred-Müller-Jungeninternat statt, das bereits im August 2018 bezogen werden konnte:

 

 

Mr. Paku hat extra Begrüßungsschilder angebracht! Sternstunden e.V. hat uns mit einer großen Spende beim Bau unterstützt und wir sind von Herzen dankbar!!

 

 

Alle Jungen im Patenschaftsprogramm wohnen jetzt in einem der beiden Jungeninternate. Das macht für sie einen riesigen Unterschied!

 

 

Da die Belegung des neuen Internats in der Schuljahresmitte erfolgte, wohnen momentan „nur“ Patenjungen darin. Aber mit Beginn des Schuljahres Ende Januar 2019 wird auch dieses zweite Jungeninternat voll belegt werden: Die Betten, die nicht für Yes we care! e.V.-Patenjungen benötigt werden, werden mit anderen bedürftigen Schülern der Pitseng High School – die meisten davon Waisen – belegt werden.

 

Wir sehen den Neubau zum ersten Mal, seit er fertig gestellt wurde, und sind begeistert von der guten Arbeit, die die Firma Tsiamo Constructions, unser Bauunternehmer aus Maseru in Lesotho, geleistet hat! Das Wohnzimmer ist noch größer gestaltet als im ersten Internat und hat ebenfalls einen Kaminofen, um die Jungen im Winter warm zu halten:

 

 

 

Die vier Schlafzimmer werden durch ein Krankenzimmer ergänzt:

 

 

Das Badezimmer schaut wunderschön aus, leider mangelt es aber an Wasser – ein Problem, mit dessen Lösung wir uns in den Sitzungen intensiv beschäftigt haben:

 

 

Zwischen den beiden Jungenhäusern versucht der Betreuer der Jungen, Mr. Thabiso Paku, etwas Gemüse anzubauen. Yes we care! e.V. wird dafür und für weitere Gartenarbeiten einige Gartengeräte anschaffen, die im Lagerraum des zweiten Internats sicher gelagert werden können:

 

 

 

Die Jungen waschen ihre Wäsche von Hand selbst. Es werden weitere Wäscheleinen benötigt, damit der Platz auf der Wäscheleine bei Vollbelegung der beiden Häuser für alle Jungen reicht. Auch eine eigene Toilettenanlage für beide Internate wird sobald wie möglich verwirklicht werden.

 

Es fehlen noch Bücher sowie Spiele und ein weiteres Fitnessgerät für die Jungen im zweiten Internat. Hoffentlich werden wir all dies zur Eröffnungsfeier, die am Samstag, den 9. März 2019 geplant ist, mitbringen können.

 

Das größte noch zu lösende Problem stellt neben der Wasserversorgung die Stromversorgung dar. Leider hat sich nach drei Jahren herausgestellt, dass die Solaranlage auf dem ersten Jungeninternat aus für Laien nicht zu klärenden Gründen nicht hält, was versprochen worden war. Die Jungen müssen leider sogar abends manchmal in die Klassenzimmer an der Schule gehen, um sich auf ihre Examen vorbereiten zu können!

 

 

Das Treffen mit dem Solarexperten, mit dem schon längst ein weiterer Vertrag für die PV- und Solarthermie-Anlage zur Versorgung des zweiten Hauses geplant war, war entsprechend angespannt. Falls es ihm nicht gelingen wird, in den nächsten drei Wochen alle Probleme im ersten Jungeninternat endgültig zu beseitigen, wird das zweite Haus an das Stromnetz in Lesotho angeschlossen werden. Damit dann auch das erste Haus ausreichend mit Strom versorgt wird, ist für diesen Fall geplant, es an die Stromversorgung des zweiten Internats anzuschließen.

 

Die Jungen lieben ihr „Zuhause“! Selbst die Jungen, die inzwischen nicht mehr an der Schule sind, kommen immer wieder zurück: manche für Besuche, andere, um Nachhilfe für die Jungen in unserem Patenschaftsprogramm anzubieten. Mr. Thabiso Paku, ihr Betreuer, hält guten Kontakt zu ihnen. Er hatte auch die Idee, an jedem Schuljahresende einen Jungen aus der Abiturklasse mit einem Geschenk zu belohnen. Dieser Junge wird von allen Jungen in den Internaten danach ausgewählt, dass er besonders fleißig, zuverlässig, verantwortungsvoll und beliebt ist. Dieses Jahr wurde Tlotliso gewählt:

 

 

Beim Gang über das Schulgelände besichtigen wir weitere Projekte von Yes we care! e.V.:

 

 

Auch im Mädcheninternat wird die Wäsche von Hand von den Mädchen gewaschen. Für das Aufhängen der wiederverwendbaren, waschbaren Monatsbinden gibt es jetzt einen blickgeschützten Wäscheleinenbereich, in dem die Mädchen diese ohne Scham aufhängen und trocknen können.

 

 

Der von Yes we care! e.V. gesponserte Erwerb zweier neuer Milchkühe zur Versorgung der fast 700 SchülerInnen der Pitseng High School mit Milch wurde leider durch zweifelhafte Prozesse (Korruption) zeitlich sehr verzögert und erheblich verteuert! Der Kauf musste über die Landwirtschaftsabteilung der Regierung abgewickelt werden. Zwei Kühe wurden schließlich vollkommen überteuert aus ca. 800 km Entfernung in Südafrika erstanden. Sie hatten bereits Kälbchen bekommen. Dabei entstanden völlig unnötige und nicht zu verantwortende Kosten, die nicht von Yes we care! e.V. getragen werden. Der Schaden muss von der Schule gedeckt werden – leider wird der Schule dieser Betrag anderweitig fehlen!

 

Dank Spenden werden demnächst noch weitere Schweine für die Versorgung der Schulkinder mit Fleischmahlzeiten erstanden.

 

 

In der Hoffnung, dass es regnen wird, ist der Schulgarten bepflanzt worden.

 

Nach zwei sehr intensiven Tagen bekommen wir zum Abschied ein selbstgemaltes Bild von zwei Abiturienten geschenkt, was uns sehr rührt:

 

 

 

Wir bedanken uns bei allen PatInnen für ihre wunderbare und so wichtige Hilfe für bedürftige Kinder in Pitseng, Lesotho!

 

Und wir hoffen auf neue PatInnen für die vielen Kinder auf unserer Warteliste!

 

Einen guten Ausklang des Jahres 2018 und die besten Wünsche für das neue Jahr 2019!