Selbstbewusste Patenjungen im Bischof-Manfred-Müller-Jungeninternat

Nur drei Tage nach unserer Rückkehr aus Deutschland sind wir schon wieder nach Lesotho unterwegs. Zum ersten Mal sind wir auch ohne unsere großen Anhänger in offizieller Mission erkennbar: Magnetische Schilder an den Autotüren machen auf Yes we care! e.V. (YWC) aufmerksam und wir werden darauf auch oft angesprochen. Vielen Dank an Ulrich und Elke Karpinski aus Essen für die schönen Schilder!!!

Wir können die Grenze nach Lesotho ohne Schwierigkeiten passieren, was angesichts unseres bis zur Kapazitätsgrenze mit Mitbringseln für die Patenkinder beladenen Allradwagens nicht selbstverständlich ist.

Die Folgen der Jahrhundert-Dürre sind deutlich, aber es hat begonnen zu regnen und zartes Grün grüßt uns überall. Auf dem Weg nach Pitseng sehen wir viele Menschen am Pflügen und Beackern ihrer Felder. Hoffnung auf ein Ende der Hungersnot liegt in der Luft!

November 2015: der Bauplatz des Internats                           November 2016: jetzt leben hier die Patenjungen

Schon von der Straße aus können wir den Bau des Bischof-Manfred-Müller-Jungeninternats erspähen: Der erhöhte 10.000 Liter Wassertank ist von Weitem zu sehen. Das Haus hat einen schönen Anstrich bekommen. Und wir bringen ein wunderschönes Schild mit:

Peter, Mpho, Sister Alice und Makabelo                           Hier soll das Schild angebracht werden!          

Als Erstes treffen wir Mr. Thabiso Paku, den Betreuer der momentan 37 Patenjungen im Internat. Er hatte keinen leichten Start, da das Haus bei Schulbeginn am 01.08.2016 noch nicht ganz fertig und nur notdürftig möbliert war. Inzwischen ist es gut bewohnbar, auch wenn immer noch die Solarthermie-Anlage installiert werden muss, die bereits fünf Monate zuvor angezahlt und versprochen war.

Mangels der Solarthermie-Anlage wird jetzt noch hier das Wasser erwärmt.

Es stehen auch Reparaturen aus: Wenn es regnet, leckt das Dach, einige der Fenster schließen nicht ganz dicht, die Bettgestelle sind gefährlich instabil und manche der Matratzen zu dünn und weich.

Von 40 Betten waren 37 sofort belegt. Jeden Abend wird an den Tischen in den Schlafräumen fleißig gelernt.

Leider wurde auch der Kaminofen unsachgemäß eingebaut und kann nur bei geöffneter Tür benutzt werden. 

Im Wohnzimmer ist viel Platz für Fußballtische und weitere Möbel.

Mr. Paku macht einen sehr guten Eindruck auf uns und hat zusätzlich einige Verbesserungsvorschläge und Wünsche:

-          einen Zaun um das Haus zur Sicherung des Gebäudes

-          Pflasterung um aus Haus, um es besser sauber halten zu können

-          zusätzliche Batterien, um den Solarstrom besser ausnutzen zu können

-          Wäscheleinen und -Klammern (die wir mitbrachten)

-          weitere Möbel für die wachsende Zahl an Bewohnern

-          1 Anschlagtafel für Nachrichten und die Hausregeln

Im Studierzimmer muss es immer ruhig sein!

-          5 Schwarze Bretter für die allabendlichen Gruppenarbeiten

-          Gewichte, Springseile und andere Sportgeräte zum Fithalten

-          viele Bücher, 1 Fernseher, 1 DVD-Gerät, Spiele, z.B. Schach und Scrabble

-          2 Tischfußballtische

Alle diese Dinge werden hoffentlich in den nächsten Monaten verwirklicht werden können!

Während unseres Besuchs findet auch ein Treffen mit Vertretern der Baufirma Tsiamo Contsructions, Mr. Thabo Sebele und Alex, statt. Wir sind der Firma sehr dankbar für die unerwartet schnelle Durchführung des Baus. Die baulichen Mängel und Extra-Wünsche müssen natürlich dennoch klar angesprochen und diskutiert werden.

Mrs. Makabelo, Alex, Mr. Paku, Peter Lang und Mr. Thabo Sebele

Auch ein eigener Brunnen zur Sicherung des Zugangs zu Wasser in Dürre-Zeiten in der Nähe des Internats ist geplant, aber vor der Durchführung der Bohrung muss noch die richtige Stelle identifiziert werden.

Die Jungen im Internat können jedenfalls ihr Glück gar nicht fassen und sind wesentlich fröhlicher und selbstbewusster als früher, als sie noch in den „Ställen“ gewohnt haben.

2017 werden alle Patenjungen (mindestens 47) im Internat wohnen, das sind bereits 7 mehr als die momentan zur Verfügung stehende Kapazität, und extra Betten und Spinde werden in die Schlafzimmer gestellt werden.

Mr. Anadola Tsiu, Peter, Mrs. Makabelo und Mpho, mit 4 Abiturienten

Anschließend treffen wir Mr. Anadola Tsiu, unseren Solarspezialisten. Er erklärt die Gründe für die Verzögerung der Installation der Solarthermie-Anlage. Das Mädchen-Internat hat bereits eine Solar-Heißwasser-Anlage erhalten, nun soll es endlich auch in unserem Jungeninternat soweit sein! Zu Beginn des nächsten Jahres wird Mr. Paku und eine zweite Person von der Schule auch ein Training im Management der zwei Solar-Projekte erhalten.

Die Solarthermie-Anlage im Mädcheninternat / Das schöne Badezimmer ohne heißes Wasser im Jungeninternat

 

 

Danach treffen wir alle 132 Patenkinder:

Makabelo, Irina, 132 fröhliche Patenkinder und Mpho vor dem Jungeninternat

2016 unterstützen PatInnen 96 Patenkinder, 23 davon in der Abitur-Klasse, 36 sind auf unserer Warteliste. Die Gruppe wird jedes Jahr größer und wir freuen uns, dass immer mehr bedürftigen Kindern geholfen werden kann. Alle tragen stolz ihre Yes we care-T-Shirts! Auch dieses Jahr gibt es wieder Weihnachts-Süßigkeiten, die extra von PatInnen gespendet wurden; sowie viele bunte Armbänder, die erneut von einer jungen mongoloiden Frau aus Österreich mit großer Liebe und viel Arbeit angefertigt wurden und große Freude auslösen!! Vielen Dank an alle SpenderInnen!

Mrs. Makabelo beim Checken der Anwesenheitsliste

Die 23 AbiturientInnen sind bereits mit allen Prüfungen fertig und haben nur noch auf unseren Besuch gewartet, bevor sie sich endgültig von uns und der Pitseng High School (PHS) verabschieden. Wir werden ihren Werdegang so gut wie möglich weiterverfolgen.

Die 23 Yes we care! e.V.-AbiturientInnen des Schuljahres 2016

Auch dieses Jahr wurden alle Patenkinder, die über Augenprobleme klagten, entweder mit Augentropfen und Sonnenbrillen behandelt oder in die Hauptstadt Maseru transportiert, und 13 von ihnen wurden nach einer Untersuchung durch einen Optiker mit richtigen Brillen versorgt. Leider hat eines der Mädchen sofort seine nagelneue Brille verloren …

Die Patenkinder mit ihren Brillen

Makabelo und Mpho, oder M&M wie wir sie liebevoll nennen, kümmern sich ausgezeichnet um diese große Zahl von bedürftigen Kindern. Sie hatten und haben ein sehr hartes Jahr, da sie nicht nur die wachsende Anzahl von Kindern bewältigen müssen, sondern auch Mr. Paku, der neu als Betreuer im Jungeninternat begonnen hat, viel Unterstützung zukommen lassen. Wir sind ihnen sehr, sehr dankbar! Ohne sie wäre das Patenschafts-Programm bei Weitem nicht in dieser Weise durchführbar!! Sie übergeben hunderte von Briefen und Berichten der vielen Patenkinder an uns sowie alle Bestellungen für Schulkleidung, Schreibwaren, Toiletten-Artikel, Decken und Medikamente für den zehnten Hilfstransport im kommenden Jahr.

Am 15.11.2016 treffen wir uns mit der Schulleitung der Pitseng High School: mit der Schulleiterin Sister Alice sowie den Betreuerinnen des Patenschafts-Programms, Mrs. Makabelo Tenane und Mrs. Mpho Makhalanyane. Sister Helena, die zukünftig die Schulleitung der Pitseng High School übernehmen wird, ist auf einer Konferenz und kann diesmal nicht dabei sein.

Mrs. Makabelo Tenane, Sr. Alice Mputsoe, Mrs. Mpho Makhalanyane & Peter

In diesem Treffen wird viel über das neue Jungeninternat und wichtige Aspekte unseres Patenschaftsprogramms besprochen:

-          In unserem Beisein unterschreibt Mr. Paku seinen Vertrag mit der PHS (YWC ist nicht in Lesotho registriert und kann ihn deshalb nicht direkt anstellen).

-          Das wichtigste Gesprächs-Thema ist die geplante offizielle Eröffnung des Bischof-Manfred-Müller-Jungeninternats am 18. Februar 2017: Es wird das erste große, öffentliche, von YWC durchgeführte und finanzierte Fest in Pitseng. Es werden ca. 800 bis 1000 Gäste eingeladen. Der Chief (Bürgermeister) wird kommen, Vertreter von YWC, der Schule, aller beteiligten Bauunternehmen und der Polizei, alle SchülerInnen der PHS, alle YWC-Patenkinder, auch die Ehemaligen, Angehörige der Jungen im Jungeninternat sowie Gäste aus Deutschland und Österreich. Wir freuen uns besonders auf 12 VertreterInnen der Bischof-Manfred-Müller Schule aus Regensburg, der Schule, die ein Drittel der Finanzierung für diesen Bau gespendet hat und seit Jahren über 10 Patenkinder unterstützt!! Es wird ein kulturelles Fest mit landestypischer Unterhaltung und Essen (mehrere Kühe und Schweine werden frisch geschlachtet werden).

-          YWC ist freudig überrascht, als die Schulleitung bekannt gibt, dass für das erste Schulhalbjahr 2017 keine Erhöhungen der Schulgebühren zu erwarten sind. Die Examensgebühren könnten von der Regierung in Lesotho noch erhöht werden, aber grundsätzlich werden die Preise stabil bleiben. Das ist eine große Erleichterung für YWC, da die Erhöhungen des letzten Jahres nur halbwegs durch einen besonders günstigen Euro/Maloti-Umtausch abzufangen waren, der sich inzwischen weniger günstig für den Euro entwickelt hat … 

-          Ein YWC-Patenmädchen war während des Morgen Apells umgekippt und musste notfallmäßig in die nahe gelegene Ambulanz transportiert werden. Es besteht der Verdacht auf eine Tuberkulose-Infektion. Das Mädchen teilt sich das Schlafzimmer mit vielen anderen SchülerInnen, eine davon – ein weiteres YWC-Patenmädchen – wurde Anfang des Jahres mit TB diagnostiziert und befindet sich in entsprechender Behandlung. Wir hoffen sehr, dass sich nicht noch mehr Mädchen mit dieser gefährlichen Krankheit infiziert haben. Lesotho hat die höchste TB-Infektionsrate auf der ganzen Welt! Inzwischen ist uns auch bekannt, dass einige der Patenkinder in unserem Programm mit HIV infiziert sind. Sie werden jedoch alle regelmäßig mit den lebensnotwendigen antiretroviralen Medikamenten versorgt und haben gute Aussichten, ein langes und menschenwürdiges Leben zu leben.

-          Die Folgen der Dürre für unsere Farmtier-Projekte an der PHS bedeuteten, dass fast alle Farmtiere geschlachtet werden mussten. Es sollten jetzt neue Farmtiere angeschafft werden, damit den Kindern zumindest im Schuljahr 2017 wieder etwas Eiweiß mit der Ernährung angeboten werden kann. Sobald Kostenvoranschläge der Schule vorliegen werden, kann YWC diese Anschaffung finanziell unterstützen.

Beim anschließenden kurzen Rundgang über das Schulgelände können wir die Bepflanzung des Schulgartens beobachten: Hoffentlich wird es Anfang 2017 wieder Kohl und Mais aus eigenem Anbau geben!

Ein aufregendes Jahr liegt hinter uns: Der Bau des Jungeninternats war das bisher größte Projekt von Yes we care! e.V. und bedeutet einen guten Fortschritt in der Bereitstellung menschenwürdiger Lebensumstände für die Schüler, die sehr früh in ihrem Leben mit unvorstellbar schwierigen Lebensumständen fertig werden müssen. Das nächste Jahr wird mit der Feier der Eröffnung des Internats gleich wieder interessant weitergehen!

Es bleibt spannend und wir bedanken uns bei allen PatInnen für ihre Hilfe für bedürftige Kinder in Pitseng, Lesotho, und hoffen auf neue PatInnen für die vielen Kinder auf unserer Warteliste.

Einen guten Ausklang des Jahres 2016 und die besten Wünsche für das neue Jahr 2017!!

 

Zwei Patenkinder im Yes we care! e.V.-Patenschaftsprogramm

 

Geschrieben von Irina André-Lang
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"Geh voran: Erkenne, vermeide und melde sexuelle Gewalt!"

 

91 Patenkinder von Yes We Care! e.V. nahmen vom 23. bis 28. Juni 2016 an einem fünftägigen Feriencamp von Help Lesotho in Leribe teil.

Das Hauptziel des Camps war, diese gefährdeten Kinder mit lebensrettenden Informationen und Lebenskompetenzen bezüglich HIV / AIDS-Prävention und -Behandlung, sexueller Gesundheit, Geschlechtergerechtigkeit und gesunden Entscheidungsfähigkeiten auszustatten.

Das Thema des Camps war: "Geh voran: Erkenne, vermeide und melde sexuelle Gewalt!"

Sexuelle Gewalt in Lesotho

Mit der zweithöchsten Rate von HIV / AIDS weltweit sind Mädchen im ländlichen Lesotho besonders anfällig für Vernachlässigung, Vergewaltigung, Missbrauch, sexuelle Gewalt, frühe Heirat, Schwangerschaft und hohe Raten von HIV-Übertragung. Die traditionelle, patriarchalische Gesellschaft erschwert Bildung, Selbstwertgefühl und Gesundheit sowie Wissen über Sexualität.

Die Prävalenz von sexueller Gewalt:

• Im östlichen und südlichen Afrika berichtet eines von vier Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren, dass ihre erste sexuelle Erfahrung erzwungen war;

• Mädchen, die Gewalt erleben, sind bis zu 3-mal häufiger in Gefahr, sich mit HIV oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken;

• mindestens 60% der Frauen in Lesotho haben irgendeine Form von sexueller Gewalt erlebt.

Eine Generation von fähigen und sachkundigen Mädchen und Frauen zu schaffen, ist von entscheidender Bedeutung, um sexuelle Gewalt zu verhindern, indem mehr und mehr Mädchen und Frauen in der Lage sein werden, nein zu sagen, sich zu wehren und ihre Angreifer, wenn notwendig, zu melden. Eine Verringerung der sexuellen Übergriffe in Lesotho wird auch einen positiven Einfluss auf andere soziale Probleme haben: eine Reduzierung der HIV-Infektionsrate, die Verhinderung früher / ungewollter Schwangerschaften und die Reduktion der Belastung eines bereits angespannten Gesundheitssystems.

Mädchen und Frauen ihre Rechte zu erklären und Hilfen anzubieten, sich nach einem Angriff an das Rechtssystem zu wenden, wird dazu beitragen, die Zahl der Angriffe zu reduzieren.

Die Jugendlichen sollten nicht nur sexuelle Rechte diskutieren, sondern auch lernen, wie diese Rechte in das größere Bild ihres sozialen, physischen und emotionalen Wohlbefindens passen. Sie brauchen Hilfe, die Zusammenhänge zwischen Armut, Selbstwertgefühl, Ungleichgewicht der Geschlechter und sexueller Gewalt zu verstehen. Wenn sexuelle Gewalt in Bezug auf diese Lebenskompetenzen und Themen diskutiert wird, sind die Jugendlichen in der Lage, eine Verbindung zu ihrem eigenen Leben herzustellen und ihre eigenen persönlichen Risikofaktoren zu analysieren.

Erkenne, vermeide und melde sexuelle Gewalt!

Erkennen: Die TeilnehmerInnen lernten, dass sexuelle Gewalt viele Formen annehmen kann - dass Vergewaltigung nicht die einzige Definition von sexueller Gewalt ist. Ein wichtiger Faktor, der während der gesamten Zeit des Camps immer wieder bekräftigt wurde, ist das Alter der Menschen in einer intimen Beziehung und die Tatsache, dass intime Beziehungen zwischen Jugendlichen (männlich oder weiblich) und Erwachsenen immer eine Form von sexueller Gewalt darstellen.

Vermeiden: Die TeilnehmenrInnen lernten in Rollenspiel-Szenarien, wie Gruppendruck und unausgewogene Machtverhältnisse in einer Beziehung stark dazu beitragen können, Jugendliche zu riskantem Verhalten zu bringen.

 

Melden: Durch eine sichere Umgebung wurde den TeilnehmerInnen ermöglicht, persönliche Erfahrungen zu teilen und Hilfe und Unterstützung zur Überwindung ihrer Traumata zu suchen. Die TeilnehmerInnen wurden über rechtliche und medizinische Ressourcen informiert, die ihnen zur Verfügung stehen.

Beispiele

1. Während einer Sitzung über Gruppendruck hob eines der Mädchen die Hand und sagte: "Ich bin Opfer einer Beziehung mit einer älteren Person und habe eine Freundin, die in einer ähnlichen Situation schwanger wurde. Ich wusste einfach nicht, wie ich die Beziehung beenden soll, aber jetzt weiß ich, was ich tun muss. " Jeder im Raum konnte deutlich sehen, wie tief betroffen diese junge Frau wegen ihrer zerstörerischen Beziehung war. Sie zeigte ihre Hoffnung für die Zukunft, indem sie hinzufügte: "Mädchen, lasst uns alle aufstehen und unnütze Menschen vermeiden, die unsere Zukunft zerstören! Lasst uns sofort damit anfangen!"

2. In einer Diskussion nur für Jungen fühlten sich viele der Jungen sicher genug, um ihre Frustration über den Druck von ihren Familien zum Ausdruck zu bringen, eine "Initiation School" zu besuchen. Es gibt einen traditionellen Glauben in Lesotho, dass ein Junge nur durch den Besuch einer Initiations-Schule ein "richtiger Mann" wird. (Dieser Besuch ist ein Ausschlusskriterium an der Pitseng High School, weil die Jungen als Männer zurückkommen und sich anschließend nichts mehr von Lehrerinnen sagen lassen). Viele Jungen machten deutlich, dass sie lieber in der Schule bleiben wollten. Die Teilnehmer arbeiteten zusammen, um Wege und Strategien zu entwickeln, wie sie diesen Druck, den sie von ihren Familien fühlen, reduzieren können.

3. Die täglichen Frage & Antwort-Sitzungen zeigten, wie wenig Zugang die meisten TeilnehmerInnen zu Informationen im Zusammenhang mit sexueller Gewalt und reproduktiver Gesundheit[1] haben. Noch schlimmer ist, dass viele Mädchen von ihren Eltern / Erziehungsberechtigten, Kollegen und Jungen absichtlich falsch über sexuelle und reproduktive Gesundheit informiert werden, vermutlich um es den Mädchen zu erschweren, Entscheidungen in ihrem eigenen Interesse zu treffen. Die Mädchen konnten ihr Wissen klären und präzise Antworten auf wichtige Fragen erhalten (zum Beispiel: "Kann ich mich beim ersten Mal, wenn ich Sex habe, mit HIV anstecken?“).

 

4. Eine der lebendigsten Diskussionen beschäftigte sich mit der Verbindung zwischen "Liebe" und "Sex". Die TeilnehmerInnen wurden aufgefordert, eine Liste von Möglichkeiten zu nennen, wie jemand Liebe zeigen kann, ohne Geschlechtsverkehr zu haben. Am Ende der Gespräche hatten die SchülerInnen Folgendes verstanden und akzeptiert:

a. Geschlechtsverkehr ist nicht der einzige Weg, Liebe zwischen zwei Menschen zum Ausdruck zu bringen.

b. Auch in Beziehungen, in denen zwei Menschen sich gegenseitig lieben (oder es glauben), kann sexuelle Gewalt auftreten.

c. Es gibt "gesunde" und "ungesunde" Wege, Liebe zum Ausdruck zu bringen.

d. Geschlechtsverkehr zu haben, bedeutet nicht notwendigerweise, dass zwei Menschen sich gegenseitig lieben.

Camp Aktivitäten – Überblick

Die SchülerInnen nahmen an Diskussionen zu folgenden Themen teil:

• Gute Entscheidungen

• Selbstachtung

• Umgang mit Gefühlen

• Bin ich bereit für Sex?

• HIV / AIDS

• Folgen von Sex mit älteren Männern und Frauen

• "Ich will keinen Sex haben" (Nein-Sagen zu Sex)

• Folgen von Alkohol und Drogen

• Gleichberechtigung

• Die Möglichkeit, sich durch Kommunikation zu schützen

• [nur Jungen] Initiations-Schule und Freiwillige Beschneidung

• [nur Mädchen] Frühe Schwangerschaft und Zwangsheirat

Tägliche Aktivitäten:

Talente-Show: Alle TeilnehmerInnen wurden aufgefordert, sich mindestens einmal durch eine Kunstform wie Theater, Gesang oder die Lesung eines Gedichts auszudrücken.

 

Frage & Antwort-Sitzungen: Die TeilnehmerInnen konnten im Laufe jeden Tages anonym Fragen vorlegen; alle Fragen wurden beantwortet und während der täglichen eineinhalbstündigen Frage & Antwort-Sitzungen diskutiert.

• Frühstück, Mittagessen und Abendessen: Essenszeit ist immer ein Highlight!

 

Teambuilding-Aktivitäten: Durch Spiele, Sport, Kunst und Handwerk praktizierten die TeilnehmerInnen ihre Kommunikationsfähigkeiten und hatten viel Spaß dabei!

 

 

Fazit

Das Feriencamp 2016 war eine sehr positive Erfahrung für alle 91 TeilnehmerInnen. Jeder Junge und jedes Mädchen hatte während des Camps Möglichkeiten zu lernen, Fragen zu stellen, sich mit den anderen zu vernetzen und die wichtige Rolle zu verstehen, die sie bei der Verhinderung von sexueller Gewalt in ihren Schulen und Gemeinden spielen können.

 

Bei der Abschlussfeier hatten alle SchülerInnen gemischte Gefühle: Einerseits freuten sie sich über ihre Abschluss-Zertifikate und gratulierten sich gegenseitig für ihre großartige Beteiligung, während sie auch Tränen in den Augen hatten, als sie ihre Sachen zusammenpackten und den Weg nach Hause antraten.

 

Vielen Dank an alle, die das Feriencamp für 91 Patenkinder von YWC ermöglicht haben!



[1] Reproduktive Gesundheit (und reproduktive Rechte) steht für einen Rechtsansatz, Familienplanung als Menschenrecht zu verankern. Sie gehört seit der Weltbevölkerungskonferenz in Kairo 1994 offiziell zur internationalen Bevölkerungspolitik. Reproduktive Gesundheit wurde damals definiert als „Zustand des vollständigen seelischen, körperlichen und sozialen Wohlbefindens im Hinblick auf Sexualität und Fortpflanzung“.