Besuch der Yes we care! e.V.-Patenkinder in Pitseng, Lesotho,
am 12. November 2019

 

 

Am Vorabend unserer Einreise nach Lesotho übernachten wir im kleinen Grenzort Clarens in Südafrika. Plötzlich verdunkelt sich der Himmel durch eine riesige Staubwolke, die die völlig ausgetrocknete Erde aufwirbelt. Die ganze Nacht über tobt ein starker Sturm mit heftigem Regen und Donner und Blitz.

 

 

Dunkle Wolken hängen über den Bergen Lesothos, als wir am 12. November 2019 früh morgens Richtung Pitseng fahren. Fast sinnbildlich für dieses Schuljahr 2019, das in wenigen Tagen zu Ende gehen wird: Es gab einen nationalen LehrerInnenstreik, der wochenlang den Unterricht der Kinder in Lesotho vereitelte. Als Folge dieses Streiks mussten wir die geplante Eröffnungsfeier des zweiten Jungeninternats stornieren. Dann das Problem mit der Leiterin des Mädcheninternats, in dem unsere Patenmädchen untergebracht sind, die Kinder misshandelt hatte. Ein misslungener Versuch, den 12. Hilfstransport nach Pitseng durchzuführen. Und jetzt junge Schüler, die so frustriert sind, dass sie Drogen nehmen oder sich nicht an die Regeln des gemeinsamen Lebens im Internat und an der Schule halten und deshalb aus unserem Patenschaftsprogramm ausgeschlossen werden müssen.

 

 

Beim morgendlichen Schulappell/Morgenandacht sind nicht mehr alle SchülerInnen der Pitseng High School anwesend: Die SchülerInnen der zehnten und zwölften Klassen fehlen größtenteils, weil sie fast alle Prüfungen bereits hinter sich gebracht haben und nur noch für eine Prüfung zur Schule kommen werden.

 

 

Wie jedes Jahr bringen wir Geschenke und Briefe der PatInnen mit, sowie einige Weihnachts-Süßigkeiten, Kekse, Schokolade, Lollipops und Chips und handgearbeitete Loombänder – die große Freude bei allen Patenkindern auslösen!

 

Anschließend werden von jedem Patenkind Fotos gemacht und dann Gruppenfotos, zuerst von allen 144 Patenkindern, die sich momentan im Patenschaftsprogramm befinden:

 

 

 

Die 30 Patenkinder der Abiturklasse 2019:

 

 

Alle 33 Patenkinder in der zehnten Klasse, die ihr JC-Examen (Realschulabschluss) schreiben:

 

 

Anschließend treffen wir uns mit unseren BetreuerInnen des Patenschaftsprogramms, Makabelo Tenane (Schulleiterin der Pitseng High School) und Mpho Makalanyane (stellvertretende Schulleiterin), sowie Thabiso Paku, der die fast 100 Jungen in den beiden Bischof-Manfred-Müller-Jungeninternaten betreut.

 

 

Mrs. Makabelo Tenane

 

Alle drei berichten, wie schwer dieses Schuljahr für sie war und ist.

 

Der nationale Schulstreik macht es für die SchülerInnen so gut wie unmöglich, erfolgreich ihr Examen zu schreiben. Ein großer Teil des ersten Schulhalbjahres 2019 ist ganz ausgefallen und während der zweiten Schuljahreshälfte war nur die Hälfte der LehrerInnen an der Pitseng High School anwesend. Wir beschließen, die Ergebnisse der Patenkinder abzuwarten, müssen uns aber darauf einstellen, dass fast alle eine Wiederholung dieses Schuljahres benötigen werden. Wir bitten alle PatInnen um Verständnis und hoffen, dass möglichst viele dieses Extra-Schuljahr für ihr Patenkind ermöglichen können.

 

62 Patenjungen, die alle in den Jungeninternaten untergebracht sind:

 

Wir erfahren, dass besonders Jungen der zwölften Klasse als Folge des Streiks zunehmend frustriert reagieren. Leider gehören auch zehn Patenjungen zu ihnen. Sie kämpfen miteinander, zerstören Eigentum der Schule und weigern sich, das Jungeninternat sauber zu halten. Sie respektieren auch Mr. Paku nicht mehr, im Gegenteil, sie haben angefangen, auch andere Jungen in den Internaten unter Druck zu setzen. Diesen zehn Jungen wird – auch wenn sie unverschuldet dieses Jahr kein gutes Abitur schreiben können – im nächsten Schuljahr keine Unterstützung durch ein Wiederholungsjahr durch Yes we care! e.V. mehr zukommen. Noch schlimmer ist die Nachricht, dass 6 Patenjungen, besonders aus der elften Klasse, Drogen nehmen und diese auch an der Schule verteilen. Die Patenkinder haben 2019 ungewöhnlich viel Zeit in ihren Herkunftsdörfern verbracht, in denen häufig Marihuana angebaut und geraucht wird. Die Polizei wurde von der Schulleitung eingeschaltet. Wir sind tief enttäuscht – nach so vielen Jahren der Unterstützung und so kurz vor einem Abschluss müssen wir alle diese Jungen aus den Internaten und unserem Patenschaftsprogramm ausschließen. Wir haben ein sehr ernstes Gespräch mit allen Jungen in den Internaten geführt und sie gewarnt, dass sie sich – auch und gerade in schwierigen Zeiten - an die Regeln der Schule und im Internat halten müssen.

 

 

 

Die 82 Patenmädchen hatten es besonders schwer: Fast das gesamte Schuljahr 2019 wurden sie im Mädcheninternat von Sr. Pascalina betreut, die vollkommen ungeeignet für ihre Position der Internatsleitung war. Sie misshandelte die Mädchen, erhob ständig neue Gebühren im laufenden Schuljahr und verwies die Mädchen bei Nicht-Zahlung dieser Gebühren des Internats. Yes we care! e.V. versuchte alles, um eine Änderung der Betreuungsperson zu erreichen. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz besonders bei der Bischof-Manfred-Müller-Schule in Regensburg, die die Hilfe durch den Bischof aus Regensburg vermittelt hat! Schließlich wurde der Druck auf Sr. Pascalina so groß, dass sie Ende September ihre Posten als Internatsleiterin und als Lehrerin an der Schule aufgab. Seit diesem Zeitpunkt haben zwei andere Nonnen der Sisters of Charity of Ottawa die Mädcheninternatsleitung übernommen. Die Mädchen, die von Sr. Pascalina herausgeworfen worden waren, wurden wiederaufgenommen. Leider werden diese beiden Nonnen, die ihre Aufgaben sehr gut erfüllen, im Jahr 2020 nicht mehr zur Verfügung stehen und es bleibt abzuwarten, welche Person/en diese wichtige Funktion übertragen bekommen werden.

 

Am Straßenrand auf dem Weg zur Pitseng High School grüßte uns dieses Schild


Ein Patenehepaar hatte uns bereits Anfang 2019 angeboten, Maßnahmen zur Verbesserung der Lernbedingungen im Mädcheninternat mit 20.000,00 Euro zu unterstützen. Wegen der großen Probleme mit der Internatsleitung mussten wir anfangs schweren Herzens dieses großzügige Angebot ablehnen. Falls aber die Internatsleitung im Jahr 2020 weise gewählt wird, haben wir den Sisters of Charity angekündigt, dass wir diesen Betrag dafür einsetzen werden, einen vorhandenen großen Raum im Mädcheninternat zu möblieren und eine geeignete Supervision für die Studierzeiten der Mädchen zu finanzieren. Wir hoffen, dass dies eine Motivation für sie sein wird und wir den Mädchen in Zukunft bessere Bedingungen ermöglichen können! Den Paten auf jeden Fall ein riesiges Dankeschön!!!

 

Da wir 2019 unseren letzten Hilfstransport persönlich durchgeführt haben, müssen die Hilfsgüter für unsere Patenkinder, wie z.B. Schreibwaren, Toilettenartikel und Schulkleidung, ab 2020 von unseren Betreuerinnen organisiert werden. Sie haben bereits Kostenvoranschläge von verschiedenen Geschäften in der Nachbarstadt Leribe eingeholt, die akzeptabel erscheinen. Sobald sie alle Waren eingekauft haben werden und das neue Schuljahr am 20. Januar 2020 wieder begonnen haben wird, werden wir nach Pitseng reisen und ihnen bei der Verteilung aller dieser Hilfsgüter an die Kinder helfen.

 

 

Nun zu den beiden Bischof-Manfred-Müller-Jungeninternaten. Das zweite Internat wurde an das nationale Stromnetz in Lesotho angeschlossen, als Folge können die Jungen jederzeit lesen und lernen. Leider stellt sich jetzt heraus, dass alle drei Solarprojekte, eines für die Stromerzeugung des ersten Internats und zwei für die Erwärmung des Wassers beider Internate, nicht mehr funktionieren. Die Firma, Technical Solutions aus Maseru, verspricht immer wieder, Reparaturen vorzunehmen, lässt sich aber nicht mehr blicken. Wir haben wenig Hoffnung darauf, dass die Firma die Projekte retten wird, werden aber natürlich dennoch weiter jeden Druck ausüben, der uns zur Verfügung steht.

 

 

Viel mehr Erfolg haben die neuen Ecosan-Toiletten! Seit August 2019 wird dieses wasserlose Toilettensystem täglich von fast 100 Jungen genutzt und – wir können es kaum glauben – funktioniert tadellos! Was uns darüber hinaus begeistert, ist, dass es durch die Belüftung von außen tatsächlich geruchlos ist!

 

 

Dies ist besonders wichtig, da sich die Toiletten in unmittelbarer Nähe der beiden Jungeninternate befinden. Die Investition in dieses Projekt hat sich wirklich gelohnt!

 

Eine weitere gute Nachricht ist, dass die Sisters of Charity eine Möglichkeit gefunden haben, die Schule, den Konvent und die Mädchen- sowie Jungeninternate an eine zuverlässige Wasserquelle anschließen zu lassen. Noch steht die Verwirklichung dieses Projektes aus, aber uns wurde versichert, dass Wasser in Zukunft kein Problem mehr darstellen sollte.

 

 

Im Jungeninternat wartet ein ehemaliges Patenkind, Tlotliso, bereits auf uns. Er interessiert sich sehr für Design und hatte uns bereits letztes Jahr von Hand hergestellte Armbänder verkauft. Auch dieses Mal konnte er uns 40 wunderschöne Armbänder verkaufen. Er hatte Ende 2018 erfolgreich sein Abitur geschrieben und konnte dank eines Stipendiums bereits dieses Jahr mit dem Studium in Informationstechnologie beginnen, ebenso wie seine Zwillingsschwester, die auch ein Yes we care! e.V.-Patenkind an der Pitseng High School gewesen ist. Wir freuen uns sehr mit ihnen! 50% unserer Patenkinder, die 2018 ihr Abitur geschrieben haben, haben bereits begonnen, an einer Universität in Lesotho zu studieren.


Die Schwierigkeiten, mit denen unsere Patenkinder in Lesotho konfrontiert sind, enden nicht mit einem guten Abitur. Viele von ihnen müssen einige Jahre warten, bis sie endlich ein begehrtes Stipendium für einen Studienplatz oder einen Ausbildungsplatz erhalten. Auch während ihrer weiteren Ausbildungszeit können erneut Probleme auftreten: Letzten Monat wurde zum Beispiel die Nationale Universität in Lesotho für zwei Wochen geschlossen, weil kein Geld mehr für die Auszahlung der Gehälter der Angestellten vorhanden war.

 

 

 

Seit Jahren wurde Yes we care! e.V. von einer südafrikanischen Optikerfirma mit Augenuntersuchungen und der Bereitstellung von Brillen für alle Patenkinder mit Augenproblemen unterstützt. Der Optiker, der diese Unterstützung organisierte, ist 2019 sehr schwer erkrankt und musste ganz unerwartet seine Filiale aufgeben. Alle Versuche, seinen Nachfolger oder einen anderen Optiker für weitere Hilfe zu gewinnen, sind bisher erfolglos. Dennoch werden alle Patenkinder, die eine Brille benötigen, mit einer solchen versorgt – auf dem Foto fehlen die Brillen noch, weil sie erst hergestellt und abgeholt werden müssen.

 

Wir konnten eine große Menge Sonnenbrillen aus Deutschland mitbringen, die an Yes we care! e.V. gespendet worden waren. Dies wird vielen Augenproblemen in der Zukunft vorbeugen!

 

 

Beim Gang über das Schulgelände sehen wir die vielen Schäden, die der schwere Sturm des Vorabends an den Schulgebäuden angerichtet hat: Das Dach des Computergebäudes wurde abgerissen, ebenso wie das Dach der Küche und der Garage des Schultraktors. Nur durch eine nächtliche Aktion konnten die Computer vor dem heftigen Regen gerettet werden!

 

 

Die Reparaturkosten dieser Schäden werden sich in den Schulgebühren für 2020 bemerkbar machen. Wir einigten uns mit der Schulleitung auf die regulären Gebühren für Unterricht, Ernährung, Mädcheninternat und Examen für 2020. Die Extra-Gebühren werden wir erst nach Einholung der Kostenvoranschläge für die Reparaturen erfahren.

 

 

Der Schulgarten ist bereits gepflügt und für eine Bepflanzung vorbereitet worden. Da sich die jahreszeitlich üblichen Regenfälle aber erneut verspätet haben, wurde noch nichts angepflanzt. Auch bei unserer Fahrt durch das Land stellen wir fest, dass viele Menschen aufgegeben haben und gar nicht erst pflügen und pflanzen, da sie in den letzten Jahren durch die Dürre gar keinen oder nur sehr geringen Ertrag auf ihren Feldern erzielen konnten.

 

 

Zwei Schüler der Pitseng High School morgens früh auf dem Weg zur Schule


Ein der wichtigsten Einnahmequellen der Regierung Lesothos, der Verkauf von Trinkwasser und durch Wasserkraft erzeugten Strom an Südafrika, ist durch die anhaltende Dürre gefährdet: Der Wasserspiegel im großen Katse Stausee ist auf unter 17 % zurückgegangen, siehe Foto unten rechts, Foto links von 2008.

 

 

Es sind schwierige Zeiten für die Menschen in Lesotho, an der Pitseng High School und für unseren Verein Yes we care! e.V.


Momentan konzentrieren wir uns darauf, die Patenkinder, die sich aktuell in unserem Programm befinden, zu einem guten Schulabschluss zu bringen. Dies bedeutet, dass wir alle PatInnen um ein Extra-Schuljahr für ihre Patenkinder bitten, die es ohne diese Hilfe unverschuldet sonst nicht schaffen können.

 

Wir bedanken uns von Herzen für die kontinuierliche Hilfe aller PatInnen, gerade in diesen extrem schwierigen Zeiten!

 

Geschrieben von Irina André-Lang
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Camp-Daten:                                     CAMP A:  21. Juni – 26. Juni 2019

                                                            CAMP B:  30. Juni –  5. Juli 2019

 

Einführung

Für alle 146 von Yes We Care! e.V. gesponserte Patenkinder wurden im Juni/Juli 2019 zwei fünftägige Ferien-Camps durch die kanadische Hilfsorganisation Help Lesotho in Leribe durchgeführt. Diese Camps bieten den SchülerInnen die Möglichkeit, Spaß zu haben, Fragen zu stellen, auf die sie anderswo keine Antworten bekommen, und Unterstützung für Herausforderungen zu erhalten, mit denen sie konfrontiert sind. Aufgrund des nationalen LehrerInnenstreiks ist 2019 ein besonders turbulentes Schuljahr für alle SchülerInnen in Lesotho und viele TeinehmerInnen zeigten sich erfreut darüber, dass die Camps nicht von den Streiks betroffen waren!

Ein Highlight der Camps ist die große Aufregung, mit der die TeilnehmerInnen teilnehmen. Während sie am Anfang oft nervös sind, hören sie am Ende des ersten Tages nicht auf zu singen, zu tanzen und zu lachen!

 

Aktivitäten während der Camps

 

• Selbstreflektion

Die Schülerinnen und Schüler beginnen die Camp-Sitzungen, indem sie ein Formular zur Selbstreflektion ausfüllen, um ihre persönlichen Charakteristika zu ermitteln und Ziele für die Bereiche zu setzen, die sie ändern oder verbessern möchten. Die TeilnehmerInnen fanden es hilfreich zu erfahren, dass Menschen unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale haben, die bestimmen, was sie mögen, wie sie mit anderen Menschen interagieren und wie sie Herausforderungen angehen.

Ein Teilnehmer, Molefi, der gerne Psychiater werden möchte, bezeichnete sich selbst als „Informationsperson“, weil er es liebt, zu lernen und neue Ideen zu entwickeln.

 

• Eigene Werte kennenlernen

Je wohler sich die TeilnehmerInnen im Camp fühlten, desto mehr öffneten sie sich und teilten ihre Wertvorstellungen miteinander. Einige SchülerInnen hatten Mühe, Werte von konkreten Objekten zu unterscheiden (z. B. „ein Auto zu besitzen“ ist kein Wert!), andere verstanden diesen Unterschied sehr schnell. Der Wert, der von der Mehrheit der TeilnehmerInnen als am wichtigsten eingestuft wurde, ist: Respekt.

 

• Eigene Entscheidungen

Zu Beginn dieser Sitzung gaben die meisten TeilnehmerInnen an, dass sie nicht die Möglichkeit haben, eigene Entscheidungen zu treffen. Sie haben das Gefühl, dass Entscheidungen von Eltern, Erziehungsberechtigten, Lehrern und anderen Erwachsenen für sie getroffen werden. Der Moderator ermutigte die TeilnehmerInnen, an Entscheidungen zu denken, z.B. wie sie sich jeden Tag anziehen, wie sie mit anderen Menschen interagieren, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit sie in Lernen investieren usw. Die TeilnehmerInnen verstanden schnell, wie viel Möglichkeiten sie haben, wenn es darum geht, eigene Entscheidungen zu treffen, und dass es wichtig ist, gute Entscheidungen zu treffen!

 

• Was bedeutet es, verantwortlich zu sein?

Die TeilnehmerInnen wurden in vier Gruppen aufgeteilt, um Freunde, Studenten, Eltern und romantische Beziehungen zu repräsentieren. Die Gruppen überlegten dann, wie sie üben können, verantwortlich zu sein. Ein Großteil der Diskussion drehte sich um Gruppenzwang und die Wichtigkeit, ein positives Vorbild für andere Menschen zu sein.

 

• Spiel zum Thema Gruppenzwang

Um das Gespräch über Gruppenzwang fortzusetzen, spielten die SchülerInnen ein Spiel, bei dem sie abwechselnd verschiedene Aussagen vorlasen, die häufig in Gruppenzwangs­situationen verwendet werden (z. B. „Trink etwas Alkohol, alle anderen tun es auch“) und übten, wie sie auf solche Aussagen reagieren können.

Eine Teilnehmerin, Thandi, sagte, sie schätze die Tatsache, dass die Sitzung ihr beigebracht habe, auf Gruppendruck zu reagieren, ohne sich schuldig zu fühlen. Sie sagte: "Nein bedeutet Nein - wenn jemand es sagt, heißt es das."

 

• Richtige Informationen verbreiten

Diese Sitzung gab den TeilnehmerInnen die Möglichkeit, ihr Wissen über HIV / AIDS zu teilen und etwaige Missverständnisse oder Ungenauigkeiten auszuräumen. Anschließend diskutierten sie den Schaden, den das Verbreiten falscher Informationen haben kann, und welche Strategien sie verwenden könnten, um gute Informationen mit anderen zu teilen. Es gab eine Reihe von Missverständnissen, die bei den TeilnehmerInnen weit verbreitet waren, einschließlich der Tatsache, dass HIV durch Mücken und Bettwanzen übertragen werden können (was nicht der Fall ist), und dass sie mit einem Blick erkennen können, ob eine Person HIV-positiv ist oder nicht (was nicht möglich ist). Den SchülerInnen wurde klar, dass sie noch viel über HIV lernen müssen und dass sie sicher sein müssen, dass sie über Fakten verfügen, um nicht Mythen zu verbreiten.

 

• Emotionen ausdrücken

Aus kultureller Sicht ist es für junge Menschen in Lesotho sehr schwierig, sich gegenüber ihren Familien offen zu zeigen. Im Allgemeinen werden Kinder aufgefordert, still zu sein und keine Fragen an ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten zu stellen. Viele Kinder sind verwirrt und voller Emotionen, die sie nicht verarbeiten können. In dieser Sitzung lernten die TeilnehmerInnen, dass ihre Emotionen normal und gesund sind. Sie lernten, wie wichtig es ist, jemanden zum Reden zu haben, der zuhört. Eine Reihe von SchülerInnen erzählte persönliche Geschichten und gab an, dass sie sich „geheilt“ fühlten, weil sie sich endlich offen mitteilen konnten.

 

• Einführung in gesunde Beziehungen

Die SchülerInnen besprachen verschiedene Arten von Beziehungen, nicht nur romantische Beziehungen, wie sie erwartet hatten. Die TeilnehmerInnen reflektierten ihre aktuellen und vergangenen Beziehungen und überlegten, ob diese gesund waren oder nicht.

Ein Schüler, Tota, erklärte, dass er eine gesunde Beziehung zu seiner Mutter habe, weil sie einander lieben, respektieren und miteinander kommunizieren.

 

• Geschlechtergleichheit und Menschenrechte

Diese Aktivität konzentrierte sich auf den Aufbau einer Verbindung zwischen Rechten und Pflichten. Die TeilnehmerInnen spielten ein Spiel, in dem es darum ging, bestimmte Rechte den entsprechenden Verantwortlichkeiten zuzuordnen. Die Aktivität gab den TeilnehmernInnen die Möglichkeit, das, was sie in der früheren Sitzung „Eigene Werte kennenlernen“ gelernt hatten, im Kontext von Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechten anzuwenden.

 

• Risiko-Verhalten

In dieser Sitzung diskutierten die TeilnehmerInnen, warum Menschen sich riskant verhalten. Sie diskutierten über Drogenkonsum, den Gebrauch von Kondomen, sexuelle Aktivitäten mit mehreren Partnern und körperliche Kämpfe. Viele SchülerInnen wollten darüber sprechen, wie Gruppenzwang junge Menschen dazu bringt, sich selbst einem Risiko für HIV auszusetzen.

Eine Schülerin, Falimehang, sagte, dass die Sitzung „Eigene Entscheidungen“ sie mutig genug gemacht hätte, sich in Zukunft nicht dem Risiko einer HIV-Infektion auszusetzen, um jemanden zu beeindrucken.

 

• Liebe verstehen

Unter den SchülerInnen herrschte große Verwirrung bezüglich des Unterschieds zwischen Liebe und Verliebtheit. In beiden Fällen sind starke Emotionen involviert und können dazu führen, dass Menschen ungesunde Entscheidungen treffen. Vor allem diskutierten die SchülerInnen, dass Sex nicht immer Liebe ausdrückt und keine gesunde Strategie zum Aufbau oder zur Aufrechterhaltung einer Beziehung ist.

 

• Ifo Lapeng

"Ifo Lapeng" ist ein Begriff für ein Familientreffen, bei dem sich Gemeinschaftsmitglieder zusammensetzen, um ein Gespräch am Feuer zu führen. Jeweils in der dritten Nacht eines jeden Camps fand abends ein Ifo Lapeng statt. Die TeilnehmerInnen wurden in drei Gruppen eingeteilt, damit jede SchülerIn die Gelegenheit zum Sprechen hatte. Jede Gruppe erhielt einen bequem eingerichteten Raum, der nur von Kerzen erleuchtet war. Die SchülerInnen wurden ermutigt, ihre Herausforderungen und Probleme zu diskutieren, und viele sprachen leidenschaftlich über ihre Probleme mit ihren Lehrern und der Internatsleitung im Mädcheninternat. Ein Problem ist, dass es LehrerInnen gibt, die bestimmte SchülerInnnen vorziehen und dadurch den anderen SchülerInnen keine Chance auf Erfolg geben. Besonderer Schwerpunkt lag auf der Leitung des Mädcheninternats: Die Mädchen nannten Beispiele für Demütigungen und Misshandlungen durch die Nonne. Sie berichteten auch davon, dass sie manchmal Essen bekamen, das verdorben und nicht genießbar war. Weitere Punkte waren die spät gelieferten Schuluniformen sowie ein Mangel an Schulbüchern. Obwohl diese Sitzung keine Probleme lösen konnte, half es den SchülerInnen, sich mitteilen zu können und sich mit ihren Frustrationen nicht allein zu fühlen.

 

Fazit

Die Organisation Help Lesotho schätzt die Partnerschaft mit Yes We Care! e.V. sehr! Es ist wunderbar, dass die Patenkinder die Gelegenheit haben, am Leadership Camp-Programm teilzunehmen, in der Hoffnung, dass sie anschließend in der Lage sein werden, gesündere Entscheidungen für sich zu treffen und eine bessere Zukunft für sich, ihre Familien und ihre Gemeinden zu schaffen.