Geschrieben von Irina André-Lang
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Am 04.01.2012 besuchten mein Mann Peter, unsere 90-jährige deutsche Freundin Lilo, die in Südafrika lebt, ihre Tochter Birgit aus den USA und ich die Pitseng High School (PHS) in Lesotho. Wir verbrachten nur wenige Stunden dort, die aber sehr beeeindruckend und motivierend für uns waren.

Zunächst hatten wir ein ausführliches Gespräch mit Sister Alice, der Schulleiterin, sowie mit Mrs. Makabelo, Mrs. Tau und Agnes, den Lehrerinnen vom Anti-Aids-Club an der PHS. Wir haben viele wichtige Dinge mit ihnen besprochen:

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Unsere überwiesenen Spenden sind gut in Lesotho angekommen.  Die Hälfte des Geldes ist sofort von Sister Alice für die Renovierung der Internats-Schlafräume an den Bauunternehmer überwiesen worden.

 

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Sister Alice hat eine sehr gute Idee in Bezug auf das neue Toiletten-System. Sie ist in Kontakt mit TED (Technologies for Economic Development) in Lesotho, siehe www.ted-biogas.org. Sie bieten eine Möglichkeit, die Abfallprodukte sinnvoll auszunutzen mit der Produktion von Biogas. Der Vorschlag wird wahrscheinlich ca. 70.000,00 Maluti kosten, umgerechnet ca. 7.000,00 Euro.

 

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Die drei Milchkühe, für die Yes we care! e.V. bereits bezahlt hat, konnten noch nicht angeschafft werden, da zurzeit eine Krankheit (Maul- und Klauenseuche) in Südafrika grassiert. Aber sobald diese Krankheit keine Gefahr mehr darstellt, werden sie in Südafrika gekauft. Auch die Kuh, die speziell für die Grundschule gespendet wurde, kann erst dann gekauft werden.

 

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Die Unterbringung für die 500 Hühner wird zurzeit renoviert, was ca. Ende Januar 2012 fertig sein sollte. Dann wird es endlich Eier für die Kinder geben!

 

- Der Zusammenhang zwischen dem Orden der Grauen Nonnen von Ottawa/Kanada und PHS wurde ausführlich besprochen. Die Schule gehört dem Orden,  wird aber völlig unabhängig vom lokalen Konvent betrieben. Die Regierung übt immer mehr Einfluss auf die Schulen aus, z.B. wird jetzt die Höhe des Schulgeldes durch die Regierung festgeschrieben. Auch der Unterrichtsplan wird durch die Regierung festgelegt. Die Nonnen vor Ort leben genauso arm wie alle Menschen um sie herum. Der Konvent hat 2011 Geld in die PHS investiert, da Spenden aus Kanada gekommen waren, die für den Neubau von Lehrer/innen-Unterkünften verwendet wurden.

 

Der Konvent betreibt ein Waisenhaus für ca. 70 Kinder in Pitseng sowie ein Haus für alleinstehende ältere Menschen, die Unterstützung benötigen. Der Konvent erhält Einkünfte durch eine Bäckerei, die allerdings Schwierigkeiten hat durch die regelmäßigen Stromausfälle! Außerdem wird durch einen Catering- und Dekorations-Service zusätzliches Geld verdient. An der Pitseng High School verdient der Konvent nichts!

 

Noch viele andere wichtige Dinge wurden besprochen. Das Hauptanliegen war wie seit fünf Jahren immer das Gleiche: STROM! Die Schule leidet sehr unter der sehr ungenügenden Stromversorgung. Sister Alice´ größter Wunsch ist eine Lösung mit Solar-Energie. Lesotho hat über 300 Sonnentage im Jahr! Wir würden uns sehr freuen, wenn wir die Schule dabei sinnvoll unterstützen könnten!

 

Nach unserem Gespräch wurden wir auf dem Schulgelände herumgeführt und konnten die neuesten Fortschritte und auch Problem sehen. Die frisch renovierten Schlafräume zeigen z.B. leider schon wieder Schimmelbefall und es muss eine dauerhafte Lösung gefunden werden!

 

Lilo hatte die Gelegenheit, ihre Patentochter Matseliso Tsilo zum zweiten Mal zu sehen, was für uns alle sehr anrührend war.

 

Anschließend fuhren wir zusammen mit Sister Alice und den Lehrerinnen in die Umgebung und besuchten Familien mit Kindern, die dringend eine Unterstützung für ihren Schulbesuch brauchen. Wir trafen Großmütter, die mit harter körperlicher Arbeit versuchen, ihre Enkel, deren Eltern an Aids gestorben sind, zu ernähren. Eine Großmutter holt z.B. Wasser von der weit entfernten Wasserstelle. Mit Hilfe eines Esels transportiert sie das Wasser in die Nachbarschaft und verkauft es. Dazu muss sie zwei 20-Liter-Kanister auf den Rücken des Esels heben, eine schwere Last! Sie hat kein Geld, um ihre Enkel auf das Gymnasium PHS zu schicken. Ein Mädchen, das gerne in die Schule gehen würde, machte uns mit ihrem schwer an Aids erkrankten Vater bekannt. Ihr kleiner Bruder, der hermwuselte, ist ebenfalls HIV positiv, die Mutter ist bereits verstorben. Diese Menschen mit ihrem Schicksal hinterließen einen tiefen Eindruck bei uns – und bekräftigten erneut unseren Wunsch, vor Ort so viel wie möglich zu helfen!

 

Und was uns immer wieder von Neuem motiviert: die fast unbeschreibliche Freude sowohl der Kinder als auch der Lehrerinnen in Pitseng, die wir jedes Mal erleben, wenn wir dort ankommen, und die aufrichtige und von Herzen kommende Bestätigung, wie wichtig unsere Unterstützung für diese Menschen ist!

 

 

Wir danken allen, die uns bei der Umsetzung dieses Wunsches bisher geholfen haben und freuen uns über jede weitere Unterstützung sehr!

Irina André-Lang

 

Mehr Bilder über den Besuch (inkl. Dokumentation der mit unserer finanziellen Hilfe bereits durchgeführten Verbesserungen an der Infrastruktur) gibt es hier.