Dritte Hungerhilfe-Aktion, (Teil-)Schulöffnung Pitseng High School und Studierzimmer Mädcheninternat


 

 

Wie sieht es in Lesotho inzwischen angesichts der Corona-Pandemie aus? Es ist unglaublich schwierig, dazu genaue Aussagen zu machen. Einer der Gründe ist, dass es keine Zahlen gibt, die das Infektions-Geschehen dokumentieren. Nur private Labors bieten teure Corona-PCR-Tests an, das öffentliche Labor der Regierung hat vor einigen Wochen alle Testungen eingestellt, da es keinen Zugang zu den nötigen Testzutaten bekommen würde. Seit Anfang November 2020 gibt es die Möglichkeit, einen Antikörper-Schnelltest auf Corona machen zu lassen, aber auch dieser wird nicht von der Regierung finanziert und muss privat bezahlt werden.

 

Dazu kommt, dass im südlichen Afrika allgemein die dokumentierten Fälle nicht wirklich die Realität der Pandemie widerspiegeln: In Südafrika z.B. werden am 26.11.2020 laut Corona-Statistik 21.201 Tote durch/mit Corona angegeben. Seit März 2020 sind aber fast 50.000 mehr Tote registriert worden, als zu erwarten gewesen wäre (Übersterblichkeit). Wenn man die 21.000 Toten, die als Covid-Tote registriert wurden, abzieht, ergeben sich zusätzliche 29.000 Tote, von denen sehr wahrscheinlich die meisten ebenfalls an Covid verstorben sind. Entsprechend höher sind auch die Infektionszahlen: Bereits 40% der jungen Frauen, die für eine Studie in der Kap-Region in Schwangerschaftsberatungen untersucht wurden, wurden positiv auf Corona getestet!

 

Das wahre Ausmaß der Corona-Pandemie im südlichen Afrika ist deshalb wesentlich schwerwiegender als berichtet wird, und dies trifft ganz besonders auf Lesotho zu.

 

 

SchülerInnen beim Morgenappell mit Masken, Abstand und jeweils eigenen Handdesinfektionsfläschchen

 

Als Folge der Pandemie waren alle Schulen lange geschlossen. Aber seit dem 6. Oktober 2020 durften Schulen unter besonderen Auflagen für bestimmte Jahrgänge wieder öffnen. Die Pitseng High School kann durch die Unterstützung von Yes we care! e.V. (Anschaffung von mehreren tausend Masken, hunderten von Handdesinfektionsfläschchen, mehreren Thermoscanner sowie Oberflächendesinfektionsmitteln mit Sprühflaschen) diese Auflagen erfüllen, und alle zehnten und zwölften Klassen werden derzeit unterrichtet. Von 24. Dezember 2020 bis 3. Januar 2021 wird die Schule geschlossen sein, dann geht der Unterricht für die beiden Jahrgänge weiter. Die Schule wird regelmäßig von RepräsentantInnen des Erziehungs- und/oder Gesundheitsministeriums besucht, die überwachen, dass alle Maßnahmen eingehalten werden. Ein Wust von Formalien muss zusätzlich ausgefüllt und an die Ministerien geschickt werden. Bis heute ist Gott sei Dank kein/e Schüler/in an Corona erkrankt!

 

Mädchen mit Masken vor den renovierten Studierzimmern

 

Auch die der Schule angeschlossenen Internate werden von YWC mit Corona-Hilfen unterstützt.

 

 

Jungen mit Masken und Desinfektionsmitteln vor dem Bischof-Manfred-Müller Internat 2

 

Herr Thabiso Paku stellt in den beiden Jungeninternaten sicher, dass alle Regeln eingehalten werden. Da nur die Jungen der 10. und 12. Klassen anwesend sein können und dadurch viele der Zimmer freistanden, konnten zusätzliche 10 Jungen vorrübergehend in den Internaten aufgenommen werden, was die Infektionsgefahr dadurch reduziert, dass diese nicht zwischen ihrem Zuhause und der Schule hin- und herpendeln müssen.

 

Beim Temperaturmessen und Versprühen der Oberflächendesinfektionsmittel im Jungeninternat

 

Im Mädcheninternat sind die Renovierungen der Studierzimmer trotz der Corona-Einschränkungen noch vor dem Eintreffen der Mädchen fertiggestellt worden. Die Lernsituation ist dadurch wesentlich verbessert. Dazu kommt die Tatsache, dass weniger Schülerinnen anwesend sind und sich Sr. Germina sehr um die Mädchen bemüht.

 

Die Mädchen in den neu renovierten Studierzimmern


Dies gibt uns die Hoffnung, dass unsere Patenkinder trotz des in 2020 massiven Unterrichtsausfalls im März 2021, wenn die wichtigen Abschlussexamen anstehen, doch noch akademischen Erfolg haben werden!


Alle Patenkinder der 8., 9. und 11. Klassen müssen weiter zu Hause ausharren, bis hoffentlich im März 2021 auch für sie der Unterricht wieder beginnen darf.

 

 

 

Aus diesem Grund wurde Ende Oktober/Anfang November 2020 eine dritte Hungerhilfe-Aktion durch unsere Betreuerinnen durchgeführt. Sie dauerte länger als gewöhnlich, da die Patenkinder während der Nahrungsmittelverteilung gebeten wurden, Briefe und Berichte an ihre PatInnen zu schreiben. Auch wurden Fotos von jedem einzelnen Patenkind gemacht, diesmal häufig mit ihren Angehörigen. Was an den Fotos besonders auffällt, ist die Tatsache, dass alle unsere Patenkinder längere Haare haben. Während der Schulzeit werden allen Schulkindern die Köpfe rasiert, um der Übertragung von Kopfläusen oder Pilzinfektionen der Kopfhaut vorzubeugen. Sobald alle Dokumente bei YWC eingetroffen sein werden, werden die Fotos, Briefe und Berichte an alle PatInnen verschickt werden.

 

 


Es freut uns, berichten zu können, dass es allen Patenkindern gut geht und sie diese schulfreie Zeit bisher zumindest gesundheitlich gut überstehen.


Dank der Spenden von PatInnen und anderen SpenderInnen können dieses Mal auch bedürftige SchülerInnen aus der Pontmain Primary School (Grundschule) und ihre Angehörigen Grundnahrungsmittelhilfe erhalten. Fotos dieses Projektes werden im nächsten Bericht folgen.

 

Eine weitere gute Nachricht zum Schluss: In Lesotho herrscht Frühling und dieses Jahr gibt es nach Jahren der Dürre endlich wieder einmal ausgezeichneten Regen! Dies ist wunderbar, da es den Menschen ermöglicht, ihre Felder zu bestellen und auf eine gute Ernte zu hoffen! Nichtsdestotrotz wird Ende dieses Jahrs eine vierte Hungerhilfe-Aktion durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass alle Patenkinder und ihre Familien um Weihnachten keinen Hunger leiden werden.

 

 

Wir sind unendlich dankbar und stolz auf unsere BetreuerInnen, Makabelo und Mpho und Thabiso Paku, die sich unermüdlich und nicht ohne Risiko für ihre eigene Unversehrtheit für die Kinder einsetzen und ohne die Yes we care! e.V. nicht existieren würde! Wir hoffen und beten, dass sie weiter durchhalten und gesund bleiben!

 

Wir von Yes we care! e.V. bedanken uns bei allen PatInnen und SpenderInnen, die die oben beschrieben Hilfen erst möglich machen, und wünschen allen gute Gesundheit und eine schöne Adventszeit!