Geschrieben von Irina André-Lang
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Camp-Daten:                                     CAMP A:  21. Juni – 26. Juni 2019

                                                            CAMP B:  30. Juni –  5. Juli 2019

 

Einführung

Für alle 146 von Yes We Care! e.V. gesponserte Patenkinder wurden im Juni/Juli 2019 zwei fünftägige Ferien-Camps durch die kanadische Hilfsorganisation Help Lesotho in Leribe durchgeführt. Diese Camps bieten den SchülerInnen die Möglichkeit, Spaß zu haben, Fragen zu stellen, auf die sie anderswo keine Antworten bekommen, und Unterstützung für Herausforderungen zu erhalten, mit denen sie konfrontiert sind. Aufgrund des nationalen LehrerInnenstreiks ist 2019 ein besonders turbulentes Schuljahr für alle SchülerInnen in Lesotho und viele TeinehmerInnen zeigten sich erfreut darüber, dass die Camps nicht von den Streiks betroffen waren!

Ein Highlight der Camps ist die große Aufregung, mit der die TeilnehmerInnen teilnehmen. Während sie am Anfang oft nervös sind, hören sie am Ende des ersten Tages nicht auf zu singen, zu tanzen und zu lachen!

 

Aktivitäten während der Camps

 

• Selbstreflektion

Die Schülerinnen und Schüler beginnen die Camp-Sitzungen, indem sie ein Formular zur Selbstreflektion ausfüllen, um ihre persönlichen Charakteristika zu ermitteln und Ziele für die Bereiche zu setzen, die sie ändern oder verbessern möchten. Die TeilnehmerInnen fanden es hilfreich zu erfahren, dass Menschen unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale haben, die bestimmen, was sie mögen, wie sie mit anderen Menschen interagieren und wie sie Herausforderungen angehen.

Ein Teilnehmer, Molefi, der gerne Psychiater werden möchte, bezeichnete sich selbst als „Informationsperson“, weil er es liebt, zu lernen und neue Ideen zu entwickeln.

 

• Eigene Werte kennenlernen

Je wohler sich die TeilnehmerInnen im Camp fühlten, desto mehr öffneten sie sich und teilten ihre Wertvorstellungen miteinander. Einige SchülerInnen hatten Mühe, Werte von konkreten Objekten zu unterscheiden (z. B. „ein Auto zu besitzen“ ist kein Wert!), andere verstanden diesen Unterschied sehr schnell. Der Wert, der von der Mehrheit der TeilnehmerInnen als am wichtigsten eingestuft wurde, ist: Respekt.

 

• Eigene Entscheidungen

Zu Beginn dieser Sitzung gaben die meisten TeilnehmerInnen an, dass sie nicht die Möglichkeit haben, eigene Entscheidungen zu treffen. Sie haben das Gefühl, dass Entscheidungen von Eltern, Erziehungsberechtigten, Lehrern und anderen Erwachsenen für sie getroffen werden. Der Moderator ermutigte die TeilnehmerInnen, an Entscheidungen zu denken, z.B. wie sie sich jeden Tag anziehen, wie sie mit anderen Menschen interagieren, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit sie in Lernen investieren usw. Die TeilnehmerInnen verstanden schnell, wie viel Möglichkeiten sie haben, wenn es darum geht, eigene Entscheidungen zu treffen, und dass es wichtig ist, gute Entscheidungen zu treffen!

 

• Was bedeutet es, verantwortlich zu sein?

Die TeilnehmerInnen wurden in vier Gruppen aufgeteilt, um Freunde, Studenten, Eltern und romantische Beziehungen zu repräsentieren. Die Gruppen überlegten dann, wie sie üben können, verantwortlich zu sein. Ein Großteil der Diskussion drehte sich um Gruppenzwang und die Wichtigkeit, ein positives Vorbild für andere Menschen zu sein.

 

• Spiel zum Thema Gruppenzwang

Um das Gespräch über Gruppenzwang fortzusetzen, spielten die SchülerInnen ein Spiel, bei dem sie abwechselnd verschiedene Aussagen vorlasen, die häufig in Gruppenzwangs­situationen verwendet werden (z. B. „Trink etwas Alkohol, alle anderen tun es auch“) und übten, wie sie auf solche Aussagen reagieren können.

Eine Teilnehmerin, Thandi, sagte, sie schätze die Tatsache, dass die Sitzung ihr beigebracht habe, auf Gruppendruck zu reagieren, ohne sich schuldig zu fühlen. Sie sagte: "Nein bedeutet Nein - wenn jemand es sagt, heißt es das."

 

• Richtige Informationen verbreiten

Diese Sitzung gab den TeilnehmerInnen die Möglichkeit, ihr Wissen über HIV / AIDS zu teilen und etwaige Missverständnisse oder Ungenauigkeiten auszuräumen. Anschließend diskutierten sie den Schaden, den das Verbreiten falscher Informationen haben kann, und welche Strategien sie verwenden könnten, um gute Informationen mit anderen zu teilen. Es gab eine Reihe von Missverständnissen, die bei den TeilnehmerInnen weit verbreitet waren, einschließlich der Tatsache, dass HIV durch Mücken und Bettwanzen übertragen werden können (was nicht der Fall ist), und dass sie mit einem Blick erkennen können, ob eine Person HIV-positiv ist oder nicht (was nicht möglich ist). Den SchülerInnen wurde klar, dass sie noch viel über HIV lernen müssen und dass sie sicher sein müssen, dass sie über Fakten verfügen, um nicht Mythen zu verbreiten.

 

• Emotionen ausdrücken

Aus kultureller Sicht ist es für junge Menschen in Lesotho sehr schwierig, sich gegenüber ihren Familien offen zu zeigen. Im Allgemeinen werden Kinder aufgefordert, still zu sein und keine Fragen an ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten zu stellen. Viele Kinder sind verwirrt und voller Emotionen, die sie nicht verarbeiten können. In dieser Sitzung lernten die TeilnehmerInnen, dass ihre Emotionen normal und gesund sind. Sie lernten, wie wichtig es ist, jemanden zum Reden zu haben, der zuhört. Eine Reihe von SchülerInnen erzählte persönliche Geschichten und gab an, dass sie sich „geheilt“ fühlten, weil sie sich endlich offen mitteilen konnten.

 

• Einführung in gesunde Beziehungen

Die SchülerInnen besprachen verschiedene Arten von Beziehungen, nicht nur romantische Beziehungen, wie sie erwartet hatten. Die TeilnehmerInnen reflektierten ihre aktuellen und vergangenen Beziehungen und überlegten, ob diese gesund waren oder nicht.

Ein Schüler, Tota, erklärte, dass er eine gesunde Beziehung zu seiner Mutter habe, weil sie einander lieben, respektieren und miteinander kommunizieren.

 

• Geschlechtergleichheit und Menschenrechte

Diese Aktivität konzentrierte sich auf den Aufbau einer Verbindung zwischen Rechten und Pflichten. Die TeilnehmerInnen spielten ein Spiel, in dem es darum ging, bestimmte Rechte den entsprechenden Verantwortlichkeiten zuzuordnen. Die Aktivität gab den TeilnehmernInnen die Möglichkeit, das, was sie in der früheren Sitzung „Eigene Werte kennenlernen“ gelernt hatten, im Kontext von Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechten anzuwenden.

 

• Risiko-Verhalten

In dieser Sitzung diskutierten die TeilnehmerInnen, warum Menschen sich riskant verhalten. Sie diskutierten über Drogenkonsum, den Gebrauch von Kondomen, sexuelle Aktivitäten mit mehreren Partnern und körperliche Kämpfe. Viele SchülerInnen wollten darüber sprechen, wie Gruppenzwang junge Menschen dazu bringt, sich selbst einem Risiko für HIV auszusetzen.

Eine Schülerin, Falimehang, sagte, dass die Sitzung „Eigene Entscheidungen“ sie mutig genug gemacht hätte, sich in Zukunft nicht dem Risiko einer HIV-Infektion auszusetzen, um jemanden zu beeindrucken.

 

• Liebe verstehen

Unter den SchülerInnen herrschte große Verwirrung bezüglich des Unterschieds zwischen Liebe und Verliebtheit. In beiden Fällen sind starke Emotionen involviert und können dazu führen, dass Menschen ungesunde Entscheidungen treffen. Vor allem diskutierten die SchülerInnen, dass Sex nicht immer Liebe ausdrückt und keine gesunde Strategie zum Aufbau oder zur Aufrechterhaltung einer Beziehung ist.

 

• Ifo Lapeng

"Ifo Lapeng" ist ein Begriff für ein Familientreffen, bei dem sich Gemeinschaftsmitglieder zusammensetzen, um ein Gespräch am Feuer zu führen. Jeweils in der dritten Nacht eines jeden Camps fand abends ein Ifo Lapeng statt. Die TeilnehmerInnen wurden in drei Gruppen eingeteilt, damit jede SchülerIn die Gelegenheit zum Sprechen hatte. Jede Gruppe erhielt einen bequem eingerichteten Raum, der nur von Kerzen erleuchtet war. Die SchülerInnen wurden ermutigt, ihre Herausforderungen und Probleme zu diskutieren, und viele sprachen leidenschaftlich über ihre Probleme mit ihren Lehrern und der Internatsleitung im Mädcheninternat. Ein Problem ist, dass es LehrerInnen gibt, die bestimmte SchülerInnnen vorziehen und dadurch den anderen SchülerInnen keine Chance auf Erfolg geben. Besonderer Schwerpunkt lag auf der Leitung des Mädcheninternats: Die Mädchen nannten Beispiele für Demütigungen und Misshandlungen durch die Nonne. Sie berichteten auch davon, dass sie manchmal Essen bekamen, das verdorben und nicht genießbar war. Weitere Punkte waren die spät gelieferten Schuluniformen sowie ein Mangel an Schulbüchern. Obwohl diese Sitzung keine Probleme lösen konnte, half es den SchülerInnen, sich mitteilen zu können und sich mit ihren Frustrationen nicht allein zu fühlen.

 

Fazit

Die Organisation Help Lesotho schätzt die Partnerschaft mit Yes We Care! e.V. sehr! Es ist wunderbar, dass die Patenkinder die Gelegenheit haben, am Leadership Camp-Programm teilzunehmen, in der Hoffnung, dass sie anschließend in der Lage sein werden, gesündere Entscheidungen für sich zu treffen und eine bessere Zukunft für sich, ihre Familien und ihre Gemeinden zu schaffen.