Nationaler Lehrerstreik in Lesotho und seine Folgen


Leider mussten wir die Eröffnungsfeier des 2. Bischof-Manfred-Müller-Jungeninternats am 9. März 2019 absagen. Ob es möglich sein wird, den 12. Hilfstransport von Yes we care! e.V. nach Pitseng in Lesotho am 6. März 2019 durchzuführen sowie die Patenkinder zu besuchen, ist momentan völlig unklar. Eine Verbesserung der akademischen Ergebnisse an der Pitseng High School im Jahr 2019 scheint jetzt völlig ausgeschlossen. Der Unterricht an allen Schulen in Lesotho für das Jahr 2019 ist in Frage gestellt. Der Grund?

 

 

In Lesotho haben LehrerInnen-Gewerkschaften zu einem landesweiten Streik aufgerufen, der sehr langfristig geplant ist, siehe Zeitplan des Streiks gültig für alle LehrerInnen.

 

 

 

Das Thema sind die seit bis zu zehn Jahren ausstehende Gehaltszahlungen durch die Regierung, die z. T. menschenunwürdigen und schwierigen Arbeitsbedingungen für LehrerInnen sowie erwünschte Gehaltserhöhungen. Seit vielen Monaten ziehen sich die Verhandlung zwischen Regierung und LehrerInnen-Gewerkschaften hin. Letztes Jahr konnte ein längerer Streik nur dadurch abgewandt werden, dass die Regierung Zahlungen an die LehrerInnen zugesagt hatte.

 

 

Diese Zahlungen sind nicht erfolgt, das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Regierung ist in Enttäuschung und Wut umgeschlagen. Bereits seit Jahresbeginn demonstrieren LehrerInnen. Jetzt sollen sich alle Schulen und LehrerInnen an dem landesweiten Streik beteiligen.

 

 

LehrerInnen und Schulen, die sich nicht an dem Streik beteiligen, riskieren Angriffe, wie z.B. Brandanschläge. Es darf nur eine Woche pro Monat unterrichtet werden. Dies ist natürlich angesichts der Tatsache, dass die meisten SchülerInnen im Internat leben, da sie aus sehr weit entfernt gelegenen Dörfern kommen, unmöglich.

In einem langen Telefonat mit Makabelo Tenane, der Schulleiterin der Pitseng High School und Betreuerin unserer Patenkinder, machte sie deutlich, dass für Sicherheit während eines Besuchs an der Schule - wie im März 2019 geplant - nicht garantiert werden kann. Wir haben daraufhin die Eröffnungsfeier schweren Herzens absagen müssen. Wir wollen auf keinen Fall, dass jemandem etwas geschieht oder dass sich unsere BetreuerInnen an der Pitseng High School bei dem Versuch, den Unterricht für unsere Patenkinder aufrechtzuhalten, selbst in Gefahr bringen.

 

Die Schulleitung hat am Sonntag eine Notfallsitzung einberufen, in dem alle LehrerInnen, die Schulleitung sowie die Nonnen des Ordens, der der Träger der Schule ist, zusammen entschieden haben, wie sie mit der Situation umgehen werden. Jede/r LehrerIn hat das Recht, selbst zu entscheiden, ob er/sie sich am Streik beteiligt. Grundsätzlich sollen alle SchülerInnen an der Schule/in den Internaten bleiben, um jederzeit für Unterricht zur Verfügung zu stehen, sollte dieser stattfinden. Ob das verwirklichbar sein wird, ist äußerst fraglich. Die Nonnen, die das Mädcheninternat leiten, sehen sich aktuell nicht in der Lage, die Schülerinnen im Mädcheninternat bei Abwesenheit der LehrerInnen zu betreuen und wollen sie deshalb während der unterrichtsfreien Zeiten nach Hause schicken. Viele der Mädchen können aber wegen der hohen Transportkosten in ihre entlegenen Dörfer nicht jeden Monat hin- und herpendeln, andere haben gar keine Angehörigen mehr, bei denen sie unterkommen könnten (ganz abgesehen davon, dass die Unterbringungsgebühren für das aktuelle Schulhalbjahr bereits an die Nonnen gezahlt wurden …)… hier muss also dringend eine andere Lösung gefunden werden!

 

Der 12. Hilfstransport nach Pitseng ist so gut wie fertig vorbereitet:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Hilfsgüter sind eingekauft, Kleiderpakete für 350 Kinder gepackt, 4.000 Äpfel bestellt, nur die Süßigkeiten warten noch auf Verpackung. Die Dokumente für die Grenzüberschreitung sollten wir kommende Woche in den Händen halten. Wenn es irgend möglich sein sollte, werden wir diese Hilfsgüter nach Pitseng fahren. Ob wir dann Kinder antreffen werden, ist unklar. Falls es zu gefährlich sein sollte, fällt auch der Hilfstransport und der Besuch der Patenkinder aus und wir werden die Güter in Südafrika einlagern müssen und abwarten.

 

 

Dieser Streik wird schlimme Folgen für die Kinder in Lesotho haben. Falls der Streik wie geplant umgesetzt wird, wird das Jahr 2019 ein verlorenes Jahr für alle SchülerInnen! Viele werden endgültig die Schule verlassen. Junge Mädchen sind einer erhöhten Gefahr ausgesetzt, schwanger zu werden. In einer Situation, in der nur eine Woche pro Monat unterrichtet wird, wird es keinem/r SchülerIn möglich sein, erfolgreich ein Abschluss-Examen zu schreiben. Viele Verwandte werden nicht in der Lage sein, ein zusätzliches Schuljahr für ihre Kinder zu finanzieren. 

 

Dies wird natürlich auch Konsequenzen für unser Patenschafts-Programm haben. Es besteht die große Gefahr, dass viele Patenkinder „verloren“ gehen, wenn kein regelmäßiger Unterricht stattfinden wird. Falls sich dieser Streik tatsächlich über das Jahr hinziehen sollte, werden die verbleibenden SchülerInnen das Jahr wiederholen müssen.

 

Mrs. Makabelo Tenane setzt ihre Hoffnung darauf, dass nun doch eine schnelle Lösung zwischen den Gewerkschaften und der Regierung gefunden wird, um eine Katastrophe zu verhindern. Aber es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiter entwickeln wird.

 

Wir sind sehr beunruhigt über diese unerwartete Wendung in Lesotho, die das wichtigste Yes we care! e.-V.-Programm zur Hilfe von bedürftigen Kindern in Lesotho - das Patenschafts-Programm - zutiefst betrifft. Wir machen uns Sorgen um die nahe und ferne Zukunft der Patenkinder! Im Moment können wir nur schwer abschätzen, wie es mit der Schule und dem Patenschafts-Programm konkret weitergehen wird. Auch wenn unser Einfluss auf die aktuelle Lage nur sehr begrenzt ist, werden wir alles uns Mögliche unternehmen, dass die Kinder in dieser Zeit so gut wie nur irgend möglich betreut bleiben.

 

Wir sind sehr, sehr traurig, dass wir Menschen, die bereits ihre Flüge, Mietwägen und Unterbringungen gebucht und bezahlt haben und die sich sehr auf den Besuch der Patenkinder Anfang März freuten, absagen mussten.

 

Wir danken allen, die Verständnis für diese schwere Zeit aufbringen können und sich mit uns weiter für eine Zukunft dieser Kinder einsetzen!

 

Mit herzlichen Grüßen

Irina André-Lang, Peter Lang, Ulrike Völkmann

Vorstand von Yes we care! e.V.