Geschrieben von Maria Aumüller und Felix Gläser
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Felix Gläser und Maria Aumüller

 

Wir sind Maria und Felix, beide 20 Jahre alt, und leben in Regensburg. Felix studiert im 4. Semester Politikwissenschaft und Maria bereitet sich auf ihr Studium in Hamburg vor, das im Oktober beginnen soll. Zusammen verbringen wir sechs Wochen in Südafrika, drei davon mit Irina und Peter. Irina ist eine alte Freundin von Marias Familie und so sind wir auf die Idee gekommen, bei diesem Transport mitzukommen.

Wir haben in diesem Bericht versucht, unsere Eindrücke zu ordnen und nicht nur das chronologisch niederzuschreiben, was wir gemacht haben, sondern das gesamte Bild eines Hilfstransports von Yes we care! einzufangen.

 

Abfahrt und Anhänger

Irinas und Peters Haus war gesteckt voll mit Kisten und die extra angefertigten Anhänger schienen vergleichsweise klein. Das Packen zog sich über zwei Tage, aber dank der tatkräftigen Hilfe der Mitarbeiter der Lagerhalle, in der wir die Waren abholten, passte (fast) alles in zwei Autos mit zwei Anhängern. Nachdem die Planen von Yes we care! über die Anhänger gezogen waren, ging es früh am nächsten Morgen los nach Lesotho.

 

 

Boarder Control

 

Vor der Grenzkontrolle waren wir ausdrücklich gewarnt worden, die langen Wartezeiten der vorherigen Jahre waren kein gutes Omen. Aber nachdem die vielleicht langsamste Grenzbeamtin der Welt unsere Pässe gründlichst inspiziert hatte und die großartige organisatorische Vorarbeit von Irina selbst dem sonst sehr skeptischen Grenzarbeiter keinen Anlass gab, uns weiter aufzuhalten, überquerten wir die Grenze kurz nach Sonnenaufgang.

 

Clarens

 

Clarens, ein malerisches Städtchen kurz vor der Grenze zu Lesotho, sollte unser letzter Zwischenstopp sein. Ein letztes mal Kraft tanken für die kommenden Tage.

 

 

Dankbarkeit

 

Die Dankbarkeit in den Augen der Kinder war nicht zu übersehen – so erübrigt sich die Frage nach dem Warum für das Engagement von Irina, Peter und allen UnterstützerInnen von Yes we care! … Wir wussten warum.

 

 

Engagement

 

Engagement – ein gutes Stichwort. Wie viel Arbeit und Zeit in diesem Projekt steckt, wurde uns erst im Laufe der Reise klar. Wir als Urlauber waren froh, an Zahnbürste und Shampoo gedacht zu haben, was für ein Aufwand aber für den reibungslosen Ablauf des Transports betrieben wurde, kommt eher einem Vollzeitjob gleich als einer ehrenamtlichen Tätigkeit.

 

 

Fahrt

 

Die Fahrt war anstrengend, aber das fiel uns gar nicht weiter auf. Die Strecke, die Landschaft und alles drum herum ließen uns die Strapazen einer langen Autoreise vergessen. Die Aussicht im Golden Gate National Parkt, der Blick auf die gewaltigen Drakensberge, die so andersartigen Dörfer in Lesotho - wir konnten unseren Blick kaum von der Scheibe abwenden!

 

 

Gewitter

 

Tagsüber Sonnenschein, abends Gewitter, so ist das oft zu dieser Jahreszeit in Lesotho. Für uns war das ideal, wir konnten am Tag machen, was wir uns vorgenommen hatten, und nachts kühlte der Regen die heiße Luft ab.

 

HIV-Aids

 

Eine Realität, die für uns nicht ganz einfach zu verdauen ist, in Lesotho aber allgegenwärtig. Nicht nur Statistiken und Zahlen über die katastrophale Lage in Lesotho, vor allem der direkte Kontakt mit Aids-kranken Menschen, war uns erst ein mal fremd. Die Kinder, an die wir Süßigkeiten verteilt haben, haben oft mindestens ein Elternteil durch die Krankheit verloren oder waren sogar selber krank.

 

High School- und Grundschulkinder mit Süßigkeiten

 

Interesse

 

Das Interesse beruhte auf Gegenseitigkeit. Klar, für uns war alles neu, fremd und dadurch automatisch interessant, aber worüber wir uns wirklich gefreut haben, waren die vielen neugierigen Fragen über uns, wo wir herkommen und was uns nach Lesotho führt.

 

Maria Aumüller mit Kindern der Grundschule und im Gespräch mit SchülerInnen des Gymnasiums

 

Jahresplanung

 

Die SchülerInnen, die von Yes we care! unterstützt werden, bekommen Hygieneartikel, Schreibsachen, Schulkleidung und vieles mehr – für ein ganzes Jahr.
Das erfordert ein genaues Haushalten, unvorstellbar für uns. Wenn uns einmal die Seife ausgeht, wird eine neue Packung auf den Einkaufszettel der Familie geschrieben, am nächsten Tag ist sie da – ein doch sehr starker Unterschied zu dem Wunschzettel, den die Patenkinder der Pitseng High School einmal im Jahr ausfüllen.

 

Lehrerin Mpho und Eva-Maria John im Lagerraum des Gymnasiums mit Schulmaterialien und Toilettenartikeln, die für das ganze Schuljahr 2015 reichen müssen.

 

Katse Damm

 

Nach zwei Tagen in der Schule haben wir uns am Samstag mit einem Ausflug zum Katse Damm belohnt. Drei Stunden Fahrt, 234 Serpentinen, geschätzte 598 Fotos und unendlich viele Eindrücke später sind wir am wichtigsten Wirtschaftsprojekt Lesothos angekommen, dem Katse Damm – ein riesiger Stausee, aufgehalten von einer noch beeindruckenderen Mauer. Von hier aus wird Trinkwasser nach Südafrika und Fisch nach Japan exportiert. Und das ganze inmitten der wunderschönen Maluti Berge (Sesotho-Name für die Drakensberge).

 

Felix und Maria vor der beeindruckenden Staumauer des Katse-Stausees

 

Lachen

 

Schon auf der Straße zur Schule kamen uns die Kinder entgegengelaufen. Man merkte, dass sie sich schon lange auf unseren Besuch gefreut hatten. So viel Lachen und Begeisterung, wie wir in diesen Tagen gesehen haben, war für uns außergewöhnlich, gegeben die Umstände, aus denen die SchülerInnen kommen.

 

Die fröhliche Begrüßung trotz schlechten Wetters

 

Motivation

 

Als wir gehört haben, dass viele Kinder am Wochenende in die Schule kommen, um zu lernen, konnten wir es kaum glauben - zu nah war die Erinnerung an die eigene Faulheit in der Schulzeit. Aber genau diese Motivation ist, was die Kinder im Programm von Yes we care! benötigen, um die gegebene Chance ergreifen zu können.

 

Nachhaltigkeit

 

Dass die Schule selber Landwirtschaft betreibt, um das Essen der SchülerInnen abwechslungsreich zu gestalten, ist auch Verdienst der nachhaltigen Anschaffungen von Yes we care! - der Eindruck, der für uns bleibt, sind Bilder von Ferkeln, die auf dem Schulgelände aus ihrem Stall ausbüchsen und SchülerInnen, die nach dem Unterricht helfen, die Kühe zu betreuen.

 

 

Oh Je!

 

Wäre wohl der erste Aufschrei deutscher Autofahrer über die Straße zur Pitseng High School. Aber Irina und Peter haben uns samt Hänger immer sicher ans Ziel gebracht, trotz Schlaglöchern, die eher an Bombenkrater erinnern.

 

 

Pferde

 

Fast genauso oft wie auseinanderfallende Autos sieht man Basothos, die die Straßen zu Pferde nutzen. Pferde als Personentransport, Esel als Warentransport und Ochsen dienen dazu, schwer beladene Anhänger hinter sich her zu ziehen. Für uns ein wenig mittelalterlich, aber dafür bestimmt emissionsfrei und mit niedrigem Verbrauch.

 

 

Quasselstrippen

 

Obwohl das oberste Motto der Schule „Silence“ ist, sind die meisten Kinder ganz schöne Quasselstrippen – und das ist auch gut so!

 

Rundgang

 

Freitagmittag wurden wir von Lehrerinnen über das gesamte Schulgelände geführt. Von der Bibliothek über Klassenzimmer, die Küche, die Ställe, bis hin zu den Unterbringungen der Mädchen und Jungen. Das alles zu beschreiben, würde unseren Rahmen ein wenig sprengen. Am Besten, man schaut sich die Fotos an und schafft sich ein eigenes Bild.

 

Bibliothek der Pitseng High School                              Klassenzimmer mit 50 SchülerInnen

 

Die renovierte Küche                                                  Kuhställe

 

Jungenunterkunft                                                            Das neue Mädcheninternat

 

Schulleiterin Sister Alice

 

Sister Alice ist eine kleine zierliche Nonne, die uns herzlich begrüßt hat. Sie ist ein Sinnbild für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Yes we care! und der Pitseng High School. Eine beeindruckende Frau, die ihr Bestmöglichstest tut, um die Schule zu verbessern.

 

Sister Alice begrüßt Maria Aumüller

 

Tradition

 

Tradition ist in Lesotho an jeder Ecke zu entdecken und spielt eine große Rolle im alltäglichen Leben der Menschen. Traditionelle Kleidung wie die Lesotho-Hüte und -Decken (Maria hat die Gelegenheit genutzt, sich mit einer Lesotho-Decke für den bayrischen Winter zu wappnen), Häuser und Hütten, wie sie seit hunderten Jahren gebaut werden, und Bräuche, die immer noch wichtiger Bestandteil der Basotho-Kultur sind, waren für uns überall zu sehen – eine tolle Erfahrung für uns Kinder der Generation 2.0.

 

 

Unterbringung

 

Die SchülerInnen, die aus den verschiedensten Gründen nicht zu Hause wohnen können, haben die Möglichkeit, auf dem Schulgelände in sogenannten „Boarding Facilities“ zu leben. Für die Mädchen wurde von der Schwesternschaft, die neben der Schule angesiedelt ist, gerade ein neues Gebäude fertiggestellt. Die Räume sind nach Jahrgangsstufen aufgeteilt und für jeweils 50 Mädchen ausgelegt, die auf Stockbetten schlafen. Das neue Gebäude ist insgesamt schön gemacht und sicher eine Verbesserung für die Situation der Schülerinnen. Bei den Jungs war es nicht ganz so ansehnlich, ihre Gebäude sind in einem fürchterlichen Zustand – zerbrochene Schreiben und kaputte Betten schaffen bestimmt keine gute Lernatmosphäre und sind insgesamt eines Menschen nicht würdig.

 

Saubere Schlafzimmer im neuen Mädcheninternat  -    elende Bedingungen in der Jungenunterkunft

 

Verpflegung

 

Zum Mittagessen gibt es Pap, den landestypischen Maisbrei und dazu Kohl, manchmal mit Milch, Eiern und Fleisch der eigenen Tiere angereichert. Alle SchülerInnen bekommen einen Teller und stellen sich der Reihe nach auf, um sich ihre Portion abzuholen. Am Schultor werden zusätzlich Hühnerfüße verkauft für die, die es sich leisten können – ein kulturelles Erlebnis, das Maria doch nicht ganz so hautnah probieren wollte.

 

 

Waisen

 

Die meisten Kinder im Programm von Yes we care! sind Halb- oder Vollwaisen. Viele von ihnen haben uns erzählt, dass sie, oftmals von den Geschwistern getrennt, bei anderen Verwandten leben.

 

Die 80 Patenkinder von Yes we care! e.V.

 

X- Factor

 

Der Musiklehrer hat einen großartigen Chor auf die Beine gestellt, der bei unserer Vorstellung und auch bei der Morgenversammlung seine Lieder zum Besten gab – auf jeden Fall schöner anzuhören als der Gesang bei der Castingshow X- Factor.

 

Der alltägliche Morgenapell

 

Yes we care!

 

Yes we care! – the name says it all.

Wir sind dankbar, dass wir an diesem Transport teilnehmen konnten, es hat Spaß gemacht und wir haben Erfahrungen gesammelt, die wir im All-inclusive-Urlaub auf Mallorca mit Sicherheit so nicht gemacht hätten.

Danke, Yes we care!, und allen voran Irina und Peter – it was a pleasure!

 

Irina André-Lang, Peter Lang, Eva-Maria John und Felix Gläser

 

Zukunft

 

Wir wünschen Yes we care! e.V. und allen Beteiligten, vor allem aber natürlich den SchülerInnen der Pitseng High School für die Zukunft alles Gute!