Geschrieben von Irina André-Lang
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Besuch der Yes we care! e.V.-Patenkinder in Pitseng
am 11. und 12. November 2014


Kaum sind Peter und ich aus Deutschland nach Südafrika zurückgekehrt, sind wir auch schon wieder auf dem Weg nach Pitseng, um die Patenkinder besuchen. Auch dieses Mal sind wir nicht nur zu zweit unterwegs: Wir haben Romi Riedel und Sabrina Hengge dabei, zwei junge Frauen aus Lindau, die uns in Südafrika besuchen und sehr gespannt auf Lesotho sind. Es ist Frühling und dieses Jahr regnet es fast unaufhörlich. Das ist nicht so gut für unseren Besuch, aber ausgezeichnet für die Felder, die fleißig von den Basotho gepflügt werden:

 

Auch die Felder auf dem Schulgelände der Pisteng High School werden mit Kartoffeln und Kohl bepflanzt:

 

Wir freuen uns riesig, die Schulleiterin der Pitseng High School, Sister Alice Mputsoe, in einem wesentlich besseren Gesundheitszustand wieder zu sehen: Sie kann ohne Gehhilfe auf uns zulaufen und begrüßt uns mit ihrem wunderbaren Lachen, das ihre neuen Zähne offenbart. Ich kann es kaum glauben, wie weit sie sich nach ihrem fast tödlichen Autounfall im Dezember 2013 erholt hat. Später offenbart sie uns, dass ihr linker Arm immer noch teilweise gelähmt ist, aber sie hat gelernt, damit umzugehen, und Nichteingeweihten würde dies nicht auffallen.

Sabrina Hengge, Irina André-Lang, Sister Alice Mputsoe, Makabelo Tenane, Romi Riedel, Mpho Makhalanyane, Mojabeng Tau

 

Natürlich treffen wir auch Mojabeng Tau, die unsere Patenkinder an der Pitseng High School betreut, sowie die Lehrerinnen des Anti-Aids-Clubs, Mrs. Makabelo Tenane und Mrs. Mpho Makhalanyane.

Wir freuen uns sehr, die großen Kochtöpfe, die wir ein Jahr zuvor an die Schule gebracht haben, endlich in Aktion zu erleben:

 

Der durch Yes we care! e.V. finanzierte Wassertank hingegen ist während des letzten Schulhalbjahres vom Hausmeister der Schule nicht fachmännisch auf einem Gestell in der Nähe der Farmtiere installiert worden und daraufhin während der ersten Füllung mit Wasser leider zusammengebrochen:

 

Wir treffen fast alle der Patenkinder in der Bibliothek und verteilen die Briefe und Geschenke der PatInnen sowie jeweils ein kleines Päckchen mit Süßigkeiten für Weihnachten. Wie immer ist ihre Freude riesengroß! Leider sind die neuen Brillen für die betroffenen SchülerInnen in unserem Patenschaftsprogramm noch nicht in Maseru, der Hauptstadt Lesothos, abgeholt worden. Die SchülerInnen der 10. Klasse schreiben am nächsten Tag ihre Examen für das „Junior Certificate“, eine Art Realschulabschluss. Die SchülerInnen der zwölften Klasse haben in der Woche davor ihr Abitur geschrieben.

 

Dieses Jahr haben neun der Patenkinder ihr Abitur geschrieben: Wir erfahren, dass sie alle darauf hoffen, anschließend ein Stipendium für ein Studium erhalten zu können, ansonsten hätten sie kaum eine berufliche Zukunft und müssten sich durch Gelegenheitsjobs durchbringen. Der häufigste Berufswunsch bei den jungen Frauen ist Krankenschwester, bei den jungen Männern Ingenieur.

 

Sie werden alle versuchen, mit Yes we care! e.V. in Kontakt zu bleiben, damit wir erfahren können, wie ihre Abitur-Ergebnisse, die sie im Febrauar 2015 erwarten, ausgefallen sind und ob sie zu den Glücklichen gehören werden, die studieren können werden.
Wir sehen „unsere“ vier Milch-Kühe Pula (Regen), Kotso (Frieden), Nala (Wohlstand) und Hope (Hoffnung), die alle dieses Jahr ein gesundes Kälbchen zur Welt gebracht haben: drei weibliche namens Mabatho (Freude), Lerato (Liebe) und Thumelo (Zuversicht), und ein männliches namens Monate (Köstlich). Der vor zwei Jahren geborene Bulle Mango entwickelt sich weiterhin prächtig.

 

„Unseren“ Schweinen geht es ausgezeichnet, sie vermehren sich wie Kaninchen und infolgedessen gibt es inzwischen sehr häufig die bei den SchülerInnen so beliebten Fleischmahlzeiten und es können sogar Schweine verkauft werden.

Eine Sau hat in der Nacht vom 11. auf den 12.11.2014 ihre sieben Ferkelchen geworfen.

Die Bauarbeiten für das neue Internat für die Mädchen an der Pitseng High School sind fast abgeschlossen. Es bietet nicht nur bessere Schlafräume für weniger Mädchen pro Schlafsaal als bisher, sondern auch eine eigene Küche sowie Aufenthaltsräume. Es soll bei Schulbeginn im Januar 2015 in Betrieb genommen werden.

 

Das Toiletten-Biogas-System von Yes we care! e.V. ist nach dem Zusammenbruch im März 2014 völlig restauriert worden und im normalen Einsatz. Das entstehende Biogas wird sehr bald an einen „Herd“ angeschlossen werden, der zur Erwärmung des Waschwassers für die Mädchen eingesetzt werden wird. Dieser „Herd“ wird in diesem Hüttchen auf dem Gelände in der Nähe der Schlafräume untergebracht sein:

 

Wir haben Meetings mit der Schulleitung der Pitseng High School, der Schulleitung der Pontmain Primary School, mit Ms. Mojabeng Tau, Mr. Thabo Sebele, einem Bauunternehmer aus der Hauptstadt Maseru, sowie mit Shadrack Muthembei in Leribe, dem Vertreter der kanadischen Hilfsorganisation „Help Lesotho“, die unser jährliches Ferien-Camp durchführen.
Mit Mojabeng Tau sprechen wir über die Herausforderungen, denen sie sich in der Betreuung der Patenkinder gegenüber gestellt sieht. Sie sieht einen großen Bedarf an Beratung der Kinder, die ohne die Hilfe eines normalen Elternhauses sehr früh in ihrem Leben mit riesigen sozialen Problemen fertig werden müssen. Auch die Auswahlkriterien für unsere Patenkinder sind ein wichtiger Diskussionspunkt. Armut alleine ist nicht ausreichend, um bei Yes we care! e.V. auf die Warteliste zu kommen. Die Kinder müssen fleißig, intelligent und belastungsfähig sein. Die Entscheidungskriterien für eine zweite Chance bei Nichtbestehen einer Klasse werden ebenfalls besprochen.
Wir erfahren, dass von den 4 SchülerInnen, die 2014 ihr Abitur bestanden haben, eine bereits mit ihrem durch den Staat gefördeten Studium begonnen hat und drei weitere sich Chancen ausrechnen, Anfang 2015 ein Stipendium für ein Studium zu erhalten.
Im Gespräch mit der Schulleitung werden wir detaillierter über den Ausbruch einer schweren Erkrankung Ende August/Anfang September 2014 an der Pitseng High School unterrichtet. Viele SchülerInnen erkrankten in dieser Zeit an Durchfall, Erbrechen und Bauchkrämpfen sowie an psychologischen Auffälligkeiten. Über 130 von ihnen mussten im Hospital behandelt werden, 12 von ihnen wurden stationär aufgenommen. Das Gesundheitsministerium wurde eingeschaltet und die Schule für eine Woche geschlossen. Trotz intensiver Bemühungen wurde die genaue Ursache dieser Erkrankung nicht identifiziert. Nach Wiedereröffnung der Schule traten keine erneuten Fälle auf. Die Schulleitung der Pitseng High School befolgt jetzt die allgemeinen Vorschläge der Behörde zur Vorbeugung von Infektionserkrankungen.

Das Lustigste an unseren Treffen ist der Moment, als mitten in einer Sitzung zwei tiefgefrorene Schweine, die in einem Eisschrank im Nebenraum gelagert worden waren, durch das Sitzungszimmer getragen werden – ein Anblick, den man in Deutschland wohl nie erlebt!

 

Die Schule benötigt einen „Kaltraum“ in der Nähe der Küche, um die großen Nahrungsvorräte kühl lagern zu können und unnötige Wege zu vermeiden.

Das Wichtigste ist für uns ist jedoch die Weiterbringung unserer Pläne für den Bau eines Internatsgebäudes für die Jungen in unserem Patenschaftsprogramm sowie für weitere bedürftige Jungen an der Pitseng High School. Das Kuratorium der Schule hat bestätigt, dass Yes we care! e.V. den Baugrund im Schulgelände kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen wird. Daraufhin können wir gleich im Anschluss mit einem sehr kompetent wirkenden Bauunternehmer unsere Vorstellungen besprechen. Er wird Yes we care! e.V. einen Kostenvoranschlag unterbreiten, sobald er unsere Pläne erhalten hat.

Das für unser Jungen-Internatsgebäude vorgesehene Grundstück.

 

Ab Januar 2015 werden 68 Patenkinder über Yes we care! e.V. die Pitseng High School besuchen können – darauf können wir stolz sein! Da wir jedoch weitere Kinder auf unserer Warteliste haben, die ansonsten nicht in die Schule gehen können, suchen wir selbstverständlich auch weiterhin neue PatInnen!

Romi Riedel und Sabrina Hengge und die Patenkinder haben viel Spaß miteinander!

 

Allen unseren PatInnen ein riesiges Dankeschön!

Wir wünschen allen ein friedliches und frohes Weihnachtsfest
und einen guten Rutsch ins Jahr 2015!