Geschrieben von Eva-Maria John und Irina André-Lang
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Besuch ihres Patenkindes in Pitseng - geschrieben von Eva-Maria John


Mit einem vollgestopften Auto voller Hilfsgüter sind Irina André-Lang, Lilo Bartels, Susanne Walter und ich am 24.02.2014 nach Lesotho gereist. Der Weg führte uns über den Golden Gate National Park mit vielen Wildtieren nach Clarens. Dort haben wir uns abends mit Marianne und Heinz Nebiker aus der Schweiz, die in zwei Tagen von Kapstadt extra für ein Treffen mit ihrem Patenkind in Pitseng angereist sind, zum Essen getroffen. In einer gemütlichen Ferienwohnung übernachteten wir und sind morgens im Konvoi mit den Nebikers zur Grenze nach Caledonspoort gefahren. Dort ging alles gut, bereitwillig zeigte Irina dem Grenzer unsere Lebensmittel und Wasser, die wir zur Selbstversorgung dabei hatten.

In Pitseng angekommen, wurden wir freudig von der stellvertretenden Schulleiterin Makabelo Tenane sowie  Mpho Makhalanyane und Mojabeng Tau, die sich um unsere Patenkinder kümmert, empfangen. Nach einer warmherzigen Begrüßung wurden Geschenke übergeben. Lilos selbstgemaltes Ölgemälde für das schmucklose Büro wurde besonders bewundert.

 

Irina übergab handgefertigte Puzzle der Karte von Lesotho, die extra für die Grundschüler von hilfreichen Menschen in Südafrika angefertigt worden waren.

 

Wir schauten in einen Unterrichtssaal, in dem Frontal-Unterricht stattfand. 50 Schülerinnen und Schüler saßen dicht gedrängt und mucksmäuschenstill in dem Klassenraum.

 

Zum Mittagessen stellten sich 740 Jugendliche in langen Reihen auf, um in einem Plastikschüsselchen Maisbrei und Kohl zu erhalten. Weil wir zu Besuch waren, sind am Tag zuvor 4 Schweine geschlachtet worden! Es gab zwei kleine Stücke Fleisch für jedes Kind. Mit der linken Hand wurde das Essen im Stehen langsam gegessen. Anschließend wusch jeder das eigene Schälchen ab, um abends erneut Maisbrei zu erhalten!

 

Zum ersten Mal begegnete ich Mapaballo, meinem Patenkind. Sie ist mittlerweile 20 Jahre alt und ausgesprochen schüchtern. Sie antwortete kaum. Unsere Verständigung war etwas mühsam, denn auch ich spreche nur leidlich Englisch. Ich erfuhr, dass ihre Mutter in den Bergen wohnt. Mapaballo kann sie nur in den Ferien sie besuchen, denn die Busfahrt kostet Geld, das sie nicht hat. Sie macht sich Sorgen um ihre kranke Mutter. Ihre Schwester ist acht Jahre älter als Mapaballo und hat Mann und Kinder. Der Mann arbeitet nur zeitweise. Viel mehr habe ich nicht von Mapaballo erfahren können. Über mein Geschenk, einen warmen Anorak, hat sie sich sicher gefreut. So richtig zeigte sie dies jedoch nicht. In ihrer Kultur ist es üblich, zurückhaltend und respektvoll älteren Menschen gegenüber zu sein.

 

Am Nachmittag wurden wir über das Gelände und in die Schlafsäle geführt. Mich erinnerte es an meine Jugend in der Jugendherberge, große Schlafsäle mit Doppelstockbetten, Waschräume mit aufgereihten Waschbecken. Nirgends Privatsphäre. Selbst auf den stark riechenden Toiletten ist niemand allein!

Am Nachmittag hielten sich die jungen Leute vor den Schlafsälen auf und wuschen ihre Wäsche in Plastikschüsseln. Zum Trocknen lag die frisch gewaschene Kleidung auf der Erde und hing am Zaun oder Strauch.

 

Wertsachen, wie private Kleidung, werden in Boxen aufbewahrt. Die Boxen müssen extra gemietet werden.

Am nächsten Tag hat mich auch die Morgenandacht beeindruckt. 740 Jugendliche stehen dicht gedrängt vor den Klassenräumen und beten miteinander das Vaterunser. Drei Schülerinnen trugen etwas vor, dem alle konzentriert zuhörten. Einer der drei Schulchöre sang verschiedene Lieder. Es klang so harmonisch und kraftvoll, dass ich Gänsehaut  bekam.

Ich bekam nur einen kleinen Einblick in das Leben meines Patenkindes. Für Mapaballo hoffe ich, dass sie die Kraft hat, möglichst viele Erkenntnisse für ihr Leben zu sammeln, damit sie in ihrer Art ihr Leben meistern können wird. Sie möchte Krankenschwester werden, einer der wenigen Berufe, die in Lesotho Zukunft haben. Ich hoffe, dass sie, egal wie ihr Leben verlaufen wird, durch das Lernen in der Schule eine Kreativität entwickeln kann, die ihr ein erfülltes Leben in ihrer eigenen Kultur ermöglichen wird.

Eva-Maria John


Besuch von Sister Alice in Maseru am 26.02.2014 - geschrieben von Irina André-Lang


                      Sister Alice, Eva-Maria-John, Lilo Bartels, Susanne Walter

 

Am darauffolgenden Tag konnten wir fast zehn Wochen nach ihrem schweren Unfall am 22.12.2013 endlich Sister Alice in Maseru besuchen. Sie ist dort im Mutterhaus ihres Ordens „Sisters of Charity of Ottawa“ untergebracht und wird von ihren Mitschwestern aufopfernd gepflegt. Sie bringen sie regelmäßig zum nahe gelegenen Tsepong Hospital, wo sie Physiotherapie und Nachsorgen erhält.

Als wir kurz vor 11:00 Uhr in dem schönen Sandsteingebäude ankommen, ist Sister Alice auch noch nicht von ihrer letzten Physiotherapie zurück. Wir nehmen in einem Besucherraum Platz, der einen schönen Lesotho-Kalender an der Wand hängen hat: ein Bild der Königin 'Masenate Mohato Seeiso von Lesotho ist darauf abgebildet. Diese Königin möchten wir bitten, unsere Schirmherrin für Yes we care! e.V. zu werden. Auch dies ist ein Grund unseres Aufenthaltes in Maseru!

Wir haben unseren Kaffe noch nicht ausgetrunken, da kommt Sister Alice herein: noch schmaler als sie sonst schon ist und auf einen vierbeinigen Stock gestützt, aber mit einem großen Lächeln im Gesicht läuft sie langsam auf uns zu. Meine Freude, sie endlich in den Arm nehmen zu können, kann ich nicht in Worte fassen! Man kann sie nur ganz vorsichtig drücken, da ihre gesamte linke Körperhälfte bei dem Unfall schwer verletzt worden ist. Sie erzählt uns, was passiert und was alles verletzt ist: Ihr linker Oberschenkel war gebrochen, der linke Oberarm so sehr verletzt, dass auch der Radius-Nerv beschädigt wurde, was zu einer – hoffentlich vorrübergehenden – Lähmung ihres linken Armes geführt hat. Nur die Finger der linken Hand kann sie etwas bewegen. Die gesamte linke Gesichtshälfte wurde sehr in Mitleidenschaft gezogen: Ober- und Unterkiefer gebrochen, ca. die Hälfte ihrer Zähne verloren, die andere Hälfte ist so wackelig, dass Sorge besteht, auch diese zu verlieren. Das Gaumendach gebrochen, das linke Jochbein gebrochen,  schwere Schnittwunden im gesamten Gesichtsbereich, die auch den linken Trigeminus-Nerv beschädigten. Sie hat Gott sei Dank keine Gesichtslähmungen, aber Gefühlsstörungen der linken Gesichtshälfte. Sie streicht sich regelmäßig mit der rechten Hand über den Kopf und versucht, durch Massieren der betroffenen Bereiche das „Kribbeln“ zu beruhigen.

                                      Irina André-Lang und Sister Alice

 

Wir überreichen die vielen Geschenke, Karten, Fotos und Grüße, die wir selber und von anderen Menschen für sie mitgebracht haben. Sie freut sich sehr und bedankt sich von Herzen. Sie betont immer wieder, dass sie schneller als erwartet heilen würde und dass sie dies darauf zurückführt, dass so viele Menschen an sie denken und für sie beten! Sie ist eine Art „Celebrity“ (Berühmtheit) im Hospital und jetzt im Mutterhaus, weil aus der ganzen Welt Telefonate, Blumen, Grüße und BesucherInnen für sie eintreffen. Wir bemerken, dass Sister Alice keine Bilder anschauen kann, weil sie noch keine neue Brille erhalten hat – obwohl der Unfall schon so viele Wochen her ist. Susanne Walter schenkt ihr kurzerhand ihre Lesebrille, die sie dankbar annimmt und mit der sie nicht nur lesen, sondern auch etwas in der Ferne sehen kann.

Eva-Maria John bei der Behandlung von Sister Alice        Sister Alice mit ihrer neuen Lesebrille

 

Als Eva-Maria John, die eine Ausbildung in Akupunktmassage hat, erfährt, dass Sister Alice gerne eine Behandlung von ihr hätte, holt sie schnell ihre Nadel aus dem Auto und behandelt sie sofort. Sister Alice bekommt auch einige Hinweise von ihr, wo sie selber mit den Fingerkuppen Druck ausüben kann, um ihren Heilungsprozess zu beschleunigen.

Wir reden über unseren Besuch an der Pitseng High School am Vortag und versuchen, sie davon zu überzeugen, dass sie sich genügend Zeit für ihre Erholung lassen kann, da sie ein ausgezeichnetes Team an der Schule hat. Sie möchte ab 11.04.14 wieder in Pitseng ihre Funktion als Schulleiterin übernehmen können.

Nach zwei wunderbaren Stunden ist das Mittagessen bereit und wir verabschieden uns schweren Herzens von ihr. Sie strahlt und begleitet uns zur Tür, wo sie bis zu unserer Abfahrt steht und uns hinterher winkt. Wir sind so dankbar, dass sie diesen schrecklichen Unfall überlebt hat und wünschen ihr weiterhin gute Heilung!

Nach einem kurzen Einkauf im Touristen-Zentrum von Maseru, das aussieht wie ein Basotho-Hut, treffen wir uns mit dem deutschen Honorarkonsul in Lesotho, Herrn Heinz Fiebig, in einem netten Straßen-Café. Wir schildern unseren Wunsch, die Königin 'Masenate Mohato Seeiso von Lesotho als Schirmherrin für Yes we care! e.V. zu gewinnen und erbitten seine Unterstützung bei diesem Unterfangen. Inzwischen haben wir ihm, wie besprochen, eine offizielle Anfrage um seine Unterstützung mit einer kurzen Vereinsvorstellung in Englisch per E-Mail zugeschickt. Wir werden sehen, was sich daraus entwickeln wird!!

 

Wir danken allen, die an Sister Alice gedacht und für sie gebetet haben und freuen uns über weitere gute Gedanken und Gebete für sie!