Beiträge

 

Selbstbewusste Patenjungen im Bischof-Manfred-Müller-Jungeninternat

Nur drei Tage nach unserer Rückkehr aus Deutschland sind wir schon wieder nach Lesotho unterwegs. Zum ersten Mal sind wir auch ohne unsere großen Anhänger in offizieller Mission erkennbar: Magnetische Schilder an den Autotüren machen auf Yes we care! e.V. (YWC) aufmerksam und wir werden darauf auch oft angesprochen. Vielen Dank an Ulrich und Elke Karpinski aus Essen für die schönen Schilder!!!

Wir können die Grenze nach Lesotho ohne Schwierigkeiten passieren, was angesichts unseres bis zur Kapazitätsgrenze mit Mitbringseln für die Patenkinder beladenen Allradwagens nicht selbstverständlich ist.

Die Folgen der Jahrhundert-Dürre sind deutlich, aber es hat begonnen zu regnen und zartes Grün grüßt uns überall. Auf dem Weg nach Pitseng sehen wir viele Menschen am Pflügen und Beackern ihrer Felder. Hoffnung auf ein Ende der Hungersnot liegt in der Luft!

November 2015: der Bauplatz des Internats                           November 2016: jetzt leben hier die Patenjungen

Schon von der Straße aus können wir den Bau des Bischof-Manfred-Müller-Jungeninternats erspähen: Der erhöhte 10.000 Liter Wassertank ist von Weitem zu sehen. Das Haus hat einen schönen Anstrich bekommen. Und wir bringen ein wunderschönes Schild mit:

Peter, Mpho, Sister Alice und Makabelo                           Hier soll das Schild angebracht werden!          

Als Erstes treffen wir Mr. Thabiso Paku, den Betreuer der momentan 37 Patenjungen im Internat. Er hatte keinen leichten Start, da das Haus bei Schulbeginn am 01.08.2016 noch nicht ganz fertig und nur notdürftig möbliert war. Inzwischen ist es gut bewohnbar, auch wenn immer noch die Solarthermie-Anlage installiert werden muss, die bereits fünf Monate zuvor angezahlt und versprochen war.

Mangels der Solarthermie-Anlage wird jetzt noch hier das Wasser erwärmt.

Es stehen auch Reparaturen aus: Wenn es regnet, leckt das Dach, einige der Fenster schließen nicht ganz dicht, die Bettgestelle sind gefährlich instabil und manche der Matratzen zu dünn und weich.

Von 40 Betten waren 37 sofort belegt. Jeden Abend wird an den Tischen in den Schlafräumen fleißig gelernt.

Leider wurde auch der Kaminofen unsachgemäß eingebaut und kann nur bei geöffneter Tür benutzt werden. 

Im Wohnzimmer ist viel Platz für Fußballtische und weitere Möbel.

Mr. Paku macht einen sehr guten Eindruck auf uns und hat zusätzlich einige Verbesserungsvorschläge und Wünsche:

-          einen Zaun um das Haus zur Sicherung des Gebäudes

-          Pflasterung um aus Haus, um es besser sauber halten zu können

-          zusätzliche Batterien, um den Solarstrom besser ausnutzen zu können

-          Wäscheleinen und -Klammern (die wir mitbrachten)

-          weitere Möbel für die wachsende Zahl an Bewohnern

-          1 Anschlagtafel für Nachrichten und die Hausregeln

Im Studierzimmer muss es immer ruhig sein!

-          5 Schwarze Bretter für die allabendlichen Gruppenarbeiten

-          Gewichte, Springseile und andere Sportgeräte zum Fithalten

-          viele Bücher, 1 Fernseher, 1 DVD-Gerät, Spiele, z.B. Schach und Scrabble

-          2 Tischfußballtische

Alle diese Dinge werden hoffentlich in den nächsten Monaten verwirklicht werden können!

Während unseres Besuchs findet auch ein Treffen mit Vertretern der Baufirma Tsiamo Contsructions, Mr. Thabo Sebele und Alex, statt. Wir sind der Firma sehr dankbar für die unerwartet schnelle Durchführung des Baus. Die baulichen Mängel und Extra-Wünsche müssen natürlich dennoch klar angesprochen und diskutiert werden.

Mrs. Makabelo, Alex, Mr. Paku, Peter Lang und Mr. Thabo Sebele

Auch ein eigener Brunnen zur Sicherung des Zugangs zu Wasser in Dürre-Zeiten in der Nähe des Internats ist geplant, aber vor der Durchführung der Bohrung muss noch die richtige Stelle identifiziert werden.

Die Jungen im Internat können jedenfalls ihr Glück gar nicht fassen und sind wesentlich fröhlicher und selbstbewusster als früher, als sie noch in den „Ställen“ gewohnt haben.

2017 werden alle Patenjungen (mindestens 47) im Internat wohnen, das sind bereits 7 mehr als die momentan zur Verfügung stehende Kapazität, und extra Betten und Spinde werden in die Schlafzimmer gestellt werden.

Mr. Anadola Tsiu, Peter, Mrs. Makabelo und Mpho, mit 4 Abiturienten

Anschließend treffen wir Mr. Anadola Tsiu, unseren Solarspezialisten. Er erklärt die Gründe für die Verzögerung der Installation der Solarthermie-Anlage. Das Mädchen-Internat hat bereits eine Solar-Heißwasser-Anlage erhalten, nun soll es endlich auch in unserem Jungeninternat soweit sein! Zu Beginn des nächsten Jahres wird Mr. Paku und eine zweite Person von der Schule auch ein Training im Management der zwei Solar-Projekte erhalten.

Die Solarthermie-Anlage im Mädcheninternat / Das schöne Badezimmer ohne heißes Wasser im Jungeninternat

 

 

Danach treffen wir alle 132 Patenkinder:

Makabelo, Irina, 132 fröhliche Patenkinder und Mpho vor dem Jungeninternat

2016 unterstützen PatInnen 96 Patenkinder, 23 davon in der Abitur-Klasse, 36 sind auf unserer Warteliste. Die Gruppe wird jedes Jahr größer und wir freuen uns, dass immer mehr bedürftigen Kindern geholfen werden kann. Alle tragen stolz ihre Yes we care-T-Shirts! Auch dieses Jahr gibt es wieder Weihnachts-Süßigkeiten, die extra von PatInnen gespendet wurden; sowie viele bunte Armbänder, die erneut von einer jungen mongoloiden Frau aus Österreich mit großer Liebe und viel Arbeit angefertigt wurden und große Freude auslösen!! Vielen Dank an alle SpenderInnen!

Mrs. Makabelo beim Checken der Anwesenheitsliste

Die 23 AbiturientInnen sind bereits mit allen Prüfungen fertig und haben nur noch auf unseren Besuch gewartet, bevor sie sich endgültig von uns und der Pitseng High School (PHS) verabschieden. Wir werden ihren Werdegang so gut wie möglich weiterverfolgen.

Die 23 Yes we care! e.V.-AbiturientInnen des Schuljahres 2016

Auch dieses Jahr wurden alle Patenkinder, die über Augenprobleme klagten, entweder mit Augentropfen und Sonnenbrillen behandelt oder in die Hauptstadt Maseru transportiert, und 13 von ihnen wurden nach einer Untersuchung durch einen Optiker mit richtigen Brillen versorgt. Leider hat eines der Mädchen sofort seine nagelneue Brille verloren …

Die Patenkinder mit ihren Brillen

Makabelo und Mpho, oder M&M wie wir sie liebevoll nennen, kümmern sich ausgezeichnet um diese große Zahl von bedürftigen Kindern. Sie hatten und haben ein sehr hartes Jahr, da sie nicht nur die wachsende Anzahl von Kindern bewältigen müssen, sondern auch Mr. Paku, der neu als Betreuer im Jungeninternat begonnen hat, viel Unterstützung zukommen lassen. Wir sind ihnen sehr, sehr dankbar! Ohne sie wäre das Patenschafts-Programm bei Weitem nicht in dieser Weise durchführbar!! Sie übergeben hunderte von Briefen und Berichten der vielen Patenkinder an uns sowie alle Bestellungen für Schulkleidung, Schreibwaren, Toiletten-Artikel, Decken und Medikamente für den zehnten Hilfstransport im kommenden Jahr.

Am 15.11.2016 treffen wir uns mit der Schulleitung der Pitseng High School: mit der Schulleiterin Sister Alice sowie den Betreuerinnen des Patenschafts-Programms, Mrs. Makabelo Tenane und Mrs. Mpho Makhalanyane. Sister Helena, die zukünftig die Schulleitung der Pitseng High School übernehmen wird, ist auf einer Konferenz und kann diesmal nicht dabei sein.

Mrs. Makabelo Tenane, Sr. Alice Mputsoe, Mrs. Mpho Makhalanyane & Peter

In diesem Treffen wird viel über das neue Jungeninternat und wichtige Aspekte unseres Patenschaftsprogramms besprochen:

-          In unserem Beisein unterschreibt Mr. Paku seinen Vertrag mit der PHS (YWC ist nicht in Lesotho registriert und kann ihn deshalb nicht direkt anstellen).

-          Das wichtigste Gesprächs-Thema ist die geplante offizielle Eröffnung des Bischof-Manfred-Müller-Jungeninternats am 18. Februar 2017: Es wird das erste große, öffentliche, von YWC durchgeführte und finanzierte Fest in Pitseng. Es werden ca. 800 bis 1000 Gäste eingeladen. Der Chief (Bürgermeister) wird kommen, Vertreter von YWC, der Schule, aller beteiligten Bauunternehmen und der Polizei, alle SchülerInnen der PHS, alle YWC-Patenkinder, auch die Ehemaligen, Angehörige der Jungen im Jungeninternat sowie Gäste aus Deutschland und Österreich. Wir freuen uns besonders auf 12 VertreterInnen der Bischof-Manfred-Müller Schule aus Regensburg, der Schule, die ein Drittel der Finanzierung für diesen Bau gespendet hat und seit Jahren über 10 Patenkinder unterstützt!! Es wird ein kulturelles Fest mit landestypischer Unterhaltung und Essen (mehrere Kühe und Schweine werden frisch geschlachtet werden).

-          YWC ist freudig überrascht, als die Schulleitung bekannt gibt, dass für das erste Schulhalbjahr 2017 keine Erhöhungen der Schulgebühren zu erwarten sind. Die Examensgebühren könnten von der Regierung in Lesotho noch erhöht werden, aber grundsätzlich werden die Preise stabil bleiben. Das ist eine große Erleichterung für YWC, da die Erhöhungen des letzten Jahres nur halbwegs durch einen besonders günstigen Euro/Maloti-Umtausch abzufangen waren, der sich inzwischen weniger günstig für den Euro entwickelt hat … 

-          Ein YWC-Patenmädchen war während des Morgen Apells umgekippt und musste notfallmäßig in die nahe gelegene Ambulanz transportiert werden. Es besteht der Verdacht auf eine Tuberkulose-Infektion. Das Mädchen teilt sich das Schlafzimmer mit vielen anderen SchülerInnen, eine davon – ein weiteres YWC-Patenmädchen – wurde Anfang des Jahres mit TB diagnostiziert und befindet sich in entsprechender Behandlung. Wir hoffen sehr, dass sich nicht noch mehr Mädchen mit dieser gefährlichen Krankheit infiziert haben. Lesotho hat die höchste TB-Infektionsrate auf der ganzen Welt! Inzwischen ist uns auch bekannt, dass einige der Patenkinder in unserem Programm mit HIV infiziert sind. Sie werden jedoch alle regelmäßig mit den lebensnotwendigen antiretroviralen Medikamenten versorgt und haben gute Aussichten, ein langes und menschenwürdiges Leben zu leben.

-          Die Folgen der Dürre für unsere Farmtier-Projekte an der PHS bedeuteten, dass fast alle Farmtiere geschlachtet werden mussten. Es sollten jetzt neue Farmtiere angeschafft werden, damit den Kindern zumindest im Schuljahr 2017 wieder etwas Eiweiß mit der Ernährung angeboten werden kann. Sobald Kostenvoranschläge der Schule vorliegen werden, kann YWC diese Anschaffung finanziell unterstützen.

Beim anschließenden kurzen Rundgang über das Schulgelände können wir die Bepflanzung des Schulgartens beobachten: Hoffentlich wird es Anfang 2017 wieder Kohl und Mais aus eigenem Anbau geben!

Ein aufregendes Jahr liegt hinter uns: Der Bau des Jungeninternats war das bisher größte Projekt von Yes we care! e.V. und bedeutet einen guten Fortschritt in der Bereitstellung menschenwürdiger Lebensumstände für die Schüler, die sehr früh in ihrem Leben mit unvorstellbar schwierigen Lebensumständen fertig werden müssen. Das nächste Jahr wird mit der Feier der Eröffnung des Internats gleich wieder interessant weitergehen!

Es bleibt spannend und wir bedanken uns bei allen PatInnen für ihre Hilfe für bedürftige Kinder in Pitseng, Lesotho, und hoffen auf neue PatInnen für die vielen Kinder auf unserer Warteliste.

Einen guten Ausklang des Jahres 2016 und die besten Wünsche für das neue Jahr 2017!!

 

Zwei Patenkinder im Yes we care! e.V.-Patenschaftsprogramm

 

 Ute Bauer, Jochen Niklas, Kimberly Zelch, Pauline Volkmar, Hükümhan Sagiroglu

 

Man sollte es nicht meinen, aber es ist wirklich eine Menge zu organisieren, wenn fünf Leute gemeinsam nach Lesotho reisen, um endlich die Schule zu besuchen, die man inzwischen drei Jahre lang unterstützt und der man in einer Schulpartnerschaft verbunden ist. Jetzt waren es nur drei Schüler und zwei Lehrkräfte, die man dorthin und wieder zurückschaffen musste, doch trotzdem mussten Flüge und Auto gebucht, diverse Unterkünfte reserviert, Anträge geschrieben, übersetzt und verschickt, Termine festgelegt und Pläne gemacht werden. Nicht zuletzt musste eine Menge Geld investiert werden - und das vom jeweils eigenen Konto, denn eine Unterstützung von Seiten der Schule oder gar des Staates war keineswegs gesichert. Trotzdem scheuten wir keine Mühen, endlich unseren Traum wahr zu machen und die Pitseng High School kennen zu lernen.

 

Am Mittwoch, 11.05.2016, war es dann soweit - eine Menge Fragezeichen im Gepäck und ein paar tränenreiche Händedrücke später saßen wir im Flugzeug Richtung Zürich und von dort nach Johannesburg. Dass sogar unsere Koffer mit uns ankamen, hat mich als Afrikareisenden besonders beeindruckt, war doch keiner meiner bisherigen Flüge nach Tansania, Kenia oder Südafrika ohne Gepäckverlust verlaufen.

 

Wir waren alle gespannt auf das, was vor uns lag. Nachdem wir dann unser erstes südafrikanisches Klo besucht hatten, ging es auch schon zum Auto - wir hatten uns einen extra großen Bus gemietet, in den wir alle auch zweimal hätten reinpassen können. Aber gelohnt hat es sich später noch mehrmals, denn nur zu fünft sind wir selten gefahren. Zunächst einmal aber fuhren wir zu fünft nach Clarens in der Nähe der Grenze zu Lesotho und übernachteten dort.

 


Tag 1 – Freitag, 13.05.

 

Wir standen um 7 Uhr auf und machten uns auf den Weg, die letzten 60 km bis zur Grenze in Caledonspoort zu überwinden. Auch hier waren wir erstaunt, wie problemlos und organisiert alles ablief - wir glitten nahezu geräuschlos unter den offenen Schranken hindurch und waren im Königreich Lesotho. Und damit in einem völlig anderen Afrika.

 

Nicht, dass man das sofort merken würde: Die Straßen blieben erstmal ordentlich, die Leute aber waren zu nahezu 100% dunkelhäutig, die Fortbewegungsmittel eher tierisch und bald auch die Schlaglöcher tiefer. In Butha-Buthe tuckerten wir durch den Freitagsmarkt und rochen das erste Mal afrikanische Straßenküchen. Die Straßen wurden enger, aber da kaum einer auf ihnen fuhr, machte das kaum etwas aus.

 

In Pitseng fuhren wir dann erst einmal an der Ausfahrt vorbei, weil wir nicht glauben mochten, dass unsere Unterkunft, das Aloes Guesthouse, hier wirklich schon angeschrieben stand. Jedenfalls fanden wir Aloes Guesthouse bald nach dem Ortskern linker Hand am Rande unserer ersten Staubpiste.

 

Bald darauf gingen wir auf die Suche nach unserer Partnerschule. Das war schon ein ziemliches Stück Arbeit, denn das Straßenleitsystem in Pitseng war mitnichten durchsichtig und so fuhren wir so zwei, drei Mal durch die Ortschaft, bis wir an der Tankstelle eine etwas wirre, doch immerhin nahezu nachvollziehbare Beschreibung des Weges bekamen, mit der wir uns dann bis zur Abzweigung weiterfragen konnten. Tja, und da war sie dann, die Straße, wie wir die nächsten fünf Tage mindestens einmal am Tag rauf- und runterholpern mussten. Autofahren ist eben auch Survivaltraining - wobei, es ginge auch schlimmer, doch nach dem Regen der letzten Tage sah die Straße schon ziemlich übel aus und mehr als 10 km/h waren nicht drin.

 

 

Wir ließen Felder, alleinstehende Häuser, alleinstehende Ruinen und allein herumstehende Frauen an uns vorüberziehen, immer mit dem suchenden Blick: Wo ist denn nun die Schule? An mindestens drei imaginären Schulgebäuden waren wir schon vorbeigefahren und waren uns unsicher, ob wir denn nun nochmal umdrehen sollten, da endlich erblickten wir die uns von den Fotos bekannten Gebäude und endlich auch ein einladendes Schild zur Pitseng High School.

 

Wir kurvten also hinein, schon unbefangen beäugt von den ersten Schüleraugen, die auf dem Campus herumliefen. Wir parkten ganz unbefangen vor einem Gebäude, das uns irgendwie lehrerhaft erschien, weil ebenda ältere Menschen herumstanden und uns auch betrachteten. Und siehe da: Wir lagen richtig - und wurden mit wehenden Fahnen, besser: Plakaten begrüßt.

 

 

Mit von der Partie waren Mrs. Makabelo, Mrs Mpho und natürlich Sister Alice (Schulleiterin), in deren Armen wir sofort landeten, als wären wir Schiffe in Seenot und sie der rettende Hafen. Es gab ein großes Hallo und wechselseitiges Händeschütteln und Anlächeln, dass es eine wahre Freude war.

 

 

Erste Präsente wurden ausgetauscht und wir wurden sofort ins Lehrerzimmer eingeladen - ein gemütlicher Raum, in dem sich die Lehrer zum Quatschen und Vorbereiten treffen und der vollgestopft war mit Lehrutensilien, wobei (uns) nicht klar war, wem was gehörte. Schwesternlehrerinnen und nicht dem Konvent zugehörige Lehrerinnen und Lehrer hießen uns ähnlich überschwänglich willkommen und wir waren sofort Teil des Kollegiums. Auch unsere SchülerInnen wurden nicht distanziert betrachtet, sondern gleichberechtigt behandelt.

 

 

Die erste Bewährungsprobe kam schon bald nach Schulschluss um 13 Uhr - Sister Alice versammelte alle Schüler auf dem Schulhof und hielt eine spontane Begrüßungsrede für uns. Als sie uns dann bat, ebenfalls ein paar Worte auf Englisch zu sagen, war es nun an uns, nervös zu sein, denn vorbereitet waren wir mitnichten. So holperten und stolperten wir uns in unserem deutschen Englisch durch die Begrüßung und waren dabei beeindruckt von der Stille und Aufmerksamkeit, mit der wir empfangen wurden. Nie im Leben hätten es hunderte von deutschen Schülern geschafft, während der zehn Minuten, die wir sprachen, so ruhig dazustehen und aufmerksam zuzuhören. Wir waren begeistert!

 

 

Nach einer kurzen, ebenfalls spontanen Gesangseinlage betraten wir alle die Schulaula, wo wir eine Präsentation der Computergruppe der Schule zu sehen bekamen, die uns zeigen sollte, dass auch in Lesotho die Uhren nun schneller und moderner tickten. Und auch hier war es zu sehen, wie gehorsam, aufmerksam und auch höflich die SchülerInnen waren - nicht nur uns gegenüber, sondern auch gegenüber den Mitschülern und deren Leistungen.

Beim darauffolgenden Essenfassen stellten wir uns hinten an und bekamen unsere Maispapp-Kohl-Mischung in die Hand gedrückt, die wir dann im Schulhof zu uns nahmen - umringt und interessiert betrachtet von hunderten Schüleraugen. Das Essen schmeckte - ordentlich. Täglich - da waren wir uns einig - wollten wir das nicht essen. Dass das die meisten hier mussten, wurde uns aber bald deutlich gemacht.

 

Am Nachmittag fand dann eine ganz kurze Führung über das Schulgelände statt, wobei wir vor allem das Lehrerzimmer der Science-Teacher, die Werkstatt und den Computerraum besuchen durften. Das alles zeigte uns zwei Dinge: Zum einen machen die Schüler hier deutlich mehr mit der Hand und nicht nur mit dem Kopf, zum anderen ist die Ausstattung unserer gar nicht so unähnlich - der Computerraum jedenfalls sah erstaunlich modern aus und widersprach deutlich dem gängigen Klischee des rückständigen Afrika, mit dem so mancher sich gerne begnügt. Mit Sister Alice und Mrs. Makabelo besprachen wir dann das Programm der nächsten Tage und verabschiedeten uns mit dem Versprechen, uns am nächsten Tag beim Ausflug nach Katse wiederzusehen.

 

Tag 2 – Samstag, 14.05.16

 

Am Morgen standen wir mit deutscher Pünktlichkeit um 7 Uhr auf, geweckt von der afrikanischen Sonne. Warum wir dafür um sieben aufgestanden sind? Für heute war ein Trip an den Katsee-Staudamm geplant, bei dem uns einige Lehrer der Pitseng High School sowie unser Patenkind Mofo und zwei seiner Freunde begleiten wollten und so standen wir um 9 Uhr – wie abgesprochen – ausgerüstet mit Wanderschuhen und Kameras vor Aloes Guesthouse und erwarteten ihre Ankunft. Doch wie wir lernten, gehen die Uhren in Afrika wohl etwas anders und zwei Stunden später fuhr dann endlich der – wie wir ihn nannten – Party-Bus mit den Lehrern vor.


Es handelte sich um ein afrikanisches Taxi, wie man es sich wohl typischer nicht vorstellen kann. Die Frontscheibe war mehrfach gesprungen und mit Tesa geklebt. Um die Tür zu öffnen, musste man an einem Draht ziehen, und die Musik im Inneren hörte man schon, bevor der Bus überhaupt auf den Hof rollte. Die folgenden drei Stunden, die wir zum Staudamm brauchten, beschlossen wir (Kim, Hüki und Pauline) des „kulturellen Austauschs“ zuliebe im Party Bus zu verbringen. Und wir wurden nicht enttäuscht!

 

Mrs. Makabelo, Mofo und seine Freunde wechselten zu Jochen und Ute und wir stiegen zu sechs angeheiterten Lehrern, die uns gleich mit Flaschen begrüßten – ja, Lehrer! –, in den Bus und die Stimmung war ausgelassen.

 

Während sich der Bus die schmalen Serpentinen neben dem steilen Abgrund entlang in die Maloti Mountains schlängelte, wurde im Inneren gelacht, geredet und - viel wichtiger – zu den immer selben sieben Liedern gesungen und getanzt, dass der Bus bebte (der Busfahrer allerdings nicht - der blieb nüchtern und geduldig). Kim wechselte dann auch beim nächsten Stopp zurück in den etwas ruhigeren Dürer-Bus ;-).

 

 

Zum Mittagessen hatten die Lehrer Maisbrei, Chakalaka (afrikanische Würzsauce) und Hühnchen dabei, was wir dann mit Genuss am Straßenrand verzehrten. Auf diesen Stopp folgten noch unzählige weitere, und wir verstanden erstmals wirklich, wie das Land zu seinem Namen „Kingdom in the Sky“ gekommen ist.

Nach dreistündiger Fahrt, während der die Stimmung im Bus deutlich anstieg und wir die sieben Lieder so oft gehört hatten, dass wir sie zumindest mitmurmeln konnten, erreichten wir dann endlich den Katse-Staudamm.

 

 

Der Staudamm war beeindruckend, wie er da in den Bergen Lesothos lag. Er ist einer von dreien, mit denen ganz Lesotho und Teile Südafrikas mit Strom versorgt werden - nicht zu Unrecht sind die Basotho stolz auf ihren Damm! Natürlich wurden einige Erinnerungsbilder gemacht und versucht die Höhe der Staumauer zu berechnen.

 

 

Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten Ute, Hüki und Kim damit, mit Mofo und seinen Freunden mit unserem Dürer-Fußball (ein Mitbringsel für Mofo) zu kicken. Auch als Ute auf dem Basketballfeld gegenüber mitspielen wollte, wurde sie als „Fremde“ sofort aufgenommen.

 

Um 17 Uhr traten wir - nach dem Genuss gut durchgekokelter Hühnchenbeine - den Heimweg an (Hüki und Pauline wechselten etwas erleichtert und fertig zurück in den Dürer-Bus) und wie befürchtet fuhren wir in der Nacht und leider auch in Nebelschwaden den gesamten Weg zurück nach Pitseng – die unbeleuchteten Serpentinen entlang, vorbei an im Graben liegenden Unfallautos und nahezu unsichtbaren Schwarzafrikanern in Tarngrau. Aber bei den guten Fahrern ging natürlich alles gut.

 

Tag 3 – Sonntag, 15.05.2016

 

Während Studienfahrten in die Kirche zu gehen, ist durchaus nicht selten - einen Gottesdienst zu besuchen, fiele den meisten dann doch etwas schwerer. Einen Gottesdienst in Afrika zu besuchen, gilt aber durchaus als erleuchtendes Erlebnis - davon können wir inzwischen nicht nur ein Lied singen (wenn auch ohne Text!). Wir hatten uns fest vorgenommen, den auf dem Schulcampus stattfindenden sonntäglichen Gottesdienst zu besuchen - das gehört sich nicht nur aus kulturellem Interesse, sondern bei der Pitseng High School handelt es sich ja um eine christlich orientierte Schule unter Leitung eines katholischen Konvents. Es gehört also zum Schulalltag wie das allmorgendliche Gebet und das gemeinsame Essen.

 

Also fanden wir uns gegen 8 Uhr bei der schuleigenen Kirche ein und genossen noch ein wenig die Morgensonne, während draußen der Chor seine Einsätze übte. Als wir dann die Kirche betraten, war es natürlich klar, dass wir im Fokus standen - allerdings nur so lange, bis der eigentliche Gottesdienst begann, von dem wir natürlich kaum ein Wort verstanden, denn er wurde auf Sesotho gehalten. Bis auf ein paar durchaus heitere englische Einsprengsel kam uns das Ganze doch recht afrikanisch vor. Katholisch erzogene Gemüter wie beispielsweise Jochen dagegen konnten die liturgischen Riten dennoch erkennen: Kreuze schlagen, hinknien, den Leib Christi entgegennehmen - alles kein Problem. Beeindruckend war jedoch die Art des Gottesdienstes, der sich im Ablauf wahrscheinlich kaum von demjenigen in deutschen Kirchen unterschied: Zunächst einmal war die Kirche voll - deutsche Priester würden sich nach so einer Anzahl von Gläubigen die gesegneten Lippen lecken. Viel beeindruckender jedoch war der Gesang ... sicher, da gab es einen Chor, der vieles noch voluminöser klingen ließ, aber wurde gesungen, dann war das Haus noch voller: Töne und Melodien drangen in alle Ritzen des Gebäudes und als würde das nicht reichen, bewegten sich die Leute bei nahezu jedem Lied begeistert mit, klatschten in die Hände, wiegten sich zum Rhythmus in den Hüften. Man konnte fast gar nicht anders als mitschunkeln - und das taten wir dann auch. Beim Friedensgruß scharten sich wieder Trauben von Menschen und Händen um uns herum, um unsere Hände zu schütteln. Und natürlich wurden wir wieder - völlig unvorbereitet, wie schon gewohnt - nach vorne gebeten, um uns vorzustellen. Alle Augen mal wieder auf uns - da kann man schon mal ins Brabbeln kommen, was aber mit fröhlichem Gelächter kommentiert wurde.

 

Danach trafen wir auf Sister Alice, die wiederum spontan zwei Schüler herzitierte, die für uns eine Führung am Nachmittag arrangieren sollten, zur Pitseng-Höhle. Gehorsam fügten sich die Schüler dem auffordernden Zeigefinger - und so fanden wir uns am Nachmittag wieder bei der Schule ein, um unsere Führer zu treffen: diesmal allesamt Schülerinnen und Schüler der höheren Klassen, die sogleich loszuckelten und uns durch die nahe liegende Siedlung führten, in der auch der ein oder andere Lehrer lebte. Vorbei an Hühnern, Hunden und Hütejungen flanierten wir auf den lehmig-sandigen Wegen zwischen den Hütten hindurch, bewunderten Schüler beim Fußballspielen, schlugen bedauernd Einladungen in diverse Hütten aus und landeten schließlich am Rande eines Canyons, in den wir sogleich abstiegen.

 

 

Hierdurch gelangten wir in jene ominöse Pitseng Pit - eine Höhle, die vielen Jugendlichen als Treffpunkt dient, aber wohl auch einigen Ziegen oder Schafen, dem Geruch nach zu urteilen. Hier genossen wir die Zeit im Schatten, schossen einige witzige Fotos mit unseren jugendlichen Führern und wurden von einer Gruppe jüngerer Schülerinnen eingeholt, die sich sogleich auf Pauline und Kimberly stürzten und sie mit Fragen überschütteten, z.B. ob die Mädels nicht etwas von ihren Haaren abgeben könnten oder ob sie sich vorstellen könnten, Nonnen zu werden? Auf dem Weg zurück unterhielten wir uns über dies und das, geheime Freunde und Bestrafungen in der Schule und am Ende hatten wir nicht nur ein paar Facebook-Adressen ausgetauscht, sondern ein paar Freunde gefunden.


Tag 4 – Montag, 16.05.2016


Unser erster richtiger Schultag in Lesotho. Um 8.30 Uhr setzten wir uns in Bewegung und fuhren die nun schon altbekannte Rumpelpiste zur Pitseng High. Mrs. Makabelo und Mrs. Mpho empfingen uns wie gewohnt freundlich, nahezu überschwänglich am Lehrerzimmer. Es war geplant, die Schule genauer kennen zu lernen und so folgten wir unseren Führerinnen durch das nicht kleine Areal. Wir besichtigten den Computerraum mit den genauen Anweisungen für das richtige Verhalten in diesem Raum, die von allen Wänden herab mahnten. Wir defilierten vorbei an den Hühnerquartieren, die verdächtigt ruhig waren, bis wir gesagt bekamen, dass die Hühner nun allesamt den Weg alles Irdischen gegangen waren und in einer gut versteckten Kühltruhe nur darauf warteten verspeist zu werden. Die Vorbereitungen dazu wurden getroffen in der Küche, die wir als nächstes besuchten: Hier allerdings wurde der übliche Kohl und Maispapp vorbereitet, den die Schüler nahezu jeden Tag gereicht bekamen.

 

Danach bewegten wir uns ein wenig aus dem Schulbereich heraus und besuchten das angeschlossene Altenheim vor allem für Schwestern aus dem Konvent, die hier gepflegt und betreut wurden. Gleich daneben stehen die Gebäude der Konvent eigenen Bäckerei, wo wir uns auch gleich mit leckeren Rosinenbrötchen eindeckten und einiges über das Bäckerhandwerk lernten.

 

Kurz dahinter ging es in die Internatsquartiere der Mädchen, wo die Unterwäsche zum Trocknen auf der Leine hing, die eng aneinander stehenden Stockbetten einen durchaus engen Eindruck machten und vor allem die Toiletten für einen unangenehmen Geruch und einen noch unangenehmeren Eindruck sorgten, auch wenn das Auffangen der Faulgase aus dem Toilettenbereich zur Herstellung von Wärme durchaus als fortschrittlich zu bezeichnen ist.

 

Der Zeitplan an einigen der Internatsräume verschaffte uns einen eindringlichen Eindruck davon, wie gedrängt der Tagesablauf der Mädchen jeden Tag ist und wie streng reguliert und anstrengend ein Internatstag sein muss. Direkt hinter den Unterkünften durften wir die wenigen übrig gebliebenen Kühe der Schule beim Weiden betrachten - ein Teil der Herde hatte es nicht durch die Dürre geschafft, genauso war der eigentlich üppig blühende Garten der Schule eher trist und unfruchtbar. Das alles ist eine Folge der verheerenden Dürre, die vor allem Ostafrika in diesem Jahr getroffen hatte - dies wiederum eine Folge eines extremen El Nino-Ereignisses 2016.

 

Wir nahmen den Weg zurück durch die Schule, um die Baustelle des neuen Jungeninternats zu begutachten, von dem uns schon Irina André-Lang von Yes we care! e.V. berichtet hatte. Wir konnten sehen, dass die Arbeiten wirklich gut vorangingen und endlich Platz für Jungen in der ursprünglichen Mädchenschule geschaffen wurde. Es gibt zwar einige Jungen, die dort in Unterkünften leben, doch diese - in der Nähe des Schweinekobens - waren mickrig, zugig und sehr eng, sodass man von menschenwürdigen Unterkünften kaum reden kann. Dieser Internatsneubau ist ein riesiger Fortschritt für die Pitseng High School und wurde dank der Spenden zweier deutscher Schulen ermöglicht, die mit einem Spendenlauf einen enormen Betrag zusammengetragen hatten.

 

Kurz danach besuchten wir unseren ersten Unterricht bei Mrs. Makabelo in Geografie: Natürlich standen wir im Zentrum, aber das war gewollt, denn wir wollten ja, dass man uns Fragen stellte und neugierig auf uns war. Und so plauderten wir aus dem Nähkästchen über Deutschland, Nürnberg und die famosen Würstchen.

 

 

Das Mittagessen nahmen wir dann im Hof ein - natürlich unter Beobachtung, denn so mancher wollte wohl doch nicht glauben, dass wir wirklich das aßen, was alle anderen auch auf den Tellern hatten, und dass wir im Hof saßen und nicht bei den Lehrern in deren Zimmer.

 

Nach weiteren nachmittäglichen Unterrichtsbesuchen bei Mpho, wo deutlich wurde, wie unterschiedlich die Wertschätzung der Maispflanze in unseren Ländern doch ist (in Lesotho Hauptnahrungsmittel, in Deutschland teilweise verbrannt zu Stromerzeugung), durften wir am Nachmittag endlich unser Patenkind Mofo besuchen, der in Pitseng im Ortsteil "London" wohnt. Dieses Wohngebiet kommt ohne Tower Bridge, Buckingham Palace und London Eye aus, ist aber charmant übersichtlich und höchst afrikanisch: bucklige Pisten, vereinzelt stehende Hütten, teilweise Wellblech, viele fröhlich winkende Leute. Mofos Familie erwartete uns dann zurückhaltend vor den beiden Häusern, in denen seine Großmutter und die Geschwister mit ihm untergebracht sind. Viele kleine und süße Kinder wuselten herum, wir konnten bis zum Schluss nicht wirklich herausfinden, wer nun zu Mofos Familie gehörte und wer zu den Nachbarn.

 

 

Die Oma aber war dann aber doch deutlich auszumachen und wir schüttelten eifrig Hände, verteilten Gastgeschenke und staunten über die teilweise beengten Wohnverhältnisse. Zuletzt bekam dann auch Mofo, was wir ihm mitgebracht hatten: T-Shirts und Pullover mit dem Dürer-Logo, vielleicht noch etwas zu groß, aber unser Patenkind würde sicherlich reinwachsen. Bald schon sagten wir den Menschen und Hühnern "Auf Wiedersehen!", denn allzu aufdringlich wollten wir dann doch nicht sein. In jedem Fall war es toll, einmal zu sehen, wie Mofo so lebt und es war wichtig für uns zu merken, wie schwierig die Situation seiner Familie ist: Die Oma muss für alle Kinder sorgen, ab nächstem Jahr kommt Mofos Schwester in die höhere Schule und Mofo wird ins Jungeninternat ziehen. Vielleicht eine kleine Erleichterung für eine Frau, deren Lebensabend sicherlich leichter sein könnte, aber durch die Patenschaft ein wenig geruhsamer geworden ist.



Tag 5 – Dienstag, 17.05.16

*** Klassenbesuche ***

 

 

An diesem Tag wurden uns pro Unterrichtsstunde mehrere Klassen zur Auswahl gestellt, in die wir uns reinsetzen durften, um als Teil der Klasse im Hintergrund den Unterricht zu beobachten – mal mehr, mal weniger erfolgreich J

 

  • Religion (Pauline)

Dieses Fach wurde von einer der Nonnen unterrichtet und zu meiner Freude wurden das „Gleichnis des verlorenen Sohns“ und die Aufgabe von Gleichnissen in der Bibel behandelt. Warum zu meiner Freude? Ich hatte das Glück, wie eine Schülerin der Klasse behandelt zu werden (natürlich wurde immer etwas mehr getuschelt, wenn einer von uns in den Klassen saß und wir waren oft das Ziel neugieriger Blicke), und das hieß: Auch ich musste Fragen beantworten. Natürlich bin ich dafür – wie sich das gehört – immer von meinem Stuhl aufgestanden und war froh, dass ich in Deutschland in Reli aufgepasst habe. Es wurde viel aus der Bibel gelesen, direkt am Text gearbeitet und interpretiert. Zuletzt wurde ich doch noch nach vorne gebeten, um einige persönliche Fragen zu beantworten. Am nächsten Tag wurde ich spontan noch einmal von der Klasse mit in den Unterricht gebeten um mich weiter ausfragen zu lassen J

 

  • Englische Literatur (Kim & Pauline)

Für dieses Fach wurde ein verstaubter, alter Chemiesaal genutzt. Die Schüler arbeiteten gerade an einer Lektüre, die sie für uns gemeinsam mit dem Lehrer zusammenfassten. Es handelte sich um den Roman „City Kids“, welcher die Geschichte südafrikanischer Straßenkinder erzählt. Der Lehrer stellte Fragen zum Inhalt, die Schüler meldeten sich, wurden aufgerufen, standen von ihren Stühlen auf und beantworteten diese. Auch in dieser Klasse wurde der Unterricht etwas früher als sonst beendet und uns wurden einige Fragen zum Dürer-Gymnasium gestellt, viele auch vom sehr interessierten Lehrer.

  

  • Sesotho (Sprachunterricht und Kulturunterricht, Jochen)

 

 

Man sollte meinen, dass es völlig sinnlos ist, sich in einen Unterricht zu setzen, von dem man kein Wort versteht, weil er in einer Sprache gehalten wird, die nur die Einheimischen verstehen. Aber weit gefehlt: Die Lehrerin für "cultural studies" war eine energische, aber äußerst liebenswürdige und witzige Person, über deren Späße man sogar lachen musste, wenn man sie gar nicht verstand. Sie versprühte eine derartige Energie, dass sie ihre Schüler und mich ansteckte und wir einfach nicht anders konnten als mitzulachen. Und so verstand ich kein Wort und erlebte doch einen der witzigsten Unterrichte in meinem Leben, was vor allem daran lag, dass die Kinder hier darin unterrichtet wurden, wie die Brautwerbung vonstatten geht bei einer traditionellen Hochzeit. Es wurde gesungen, geklatscht und getanzt, wobei vor allem die Jungs sich beweisen mussten und wie von der Tarantel gestochen wild herumsprangen und wohl Komplimente an die angebeteten Damen vorsagen mussten. Alle Jungs machten mit und keinem war es zu doof, sich vor Publikum ein wenig zum Affen zu machen. Für sie war das ja gelebte Tradition - wie lange man wohl in Deutschland an Schüler ranreden müsste, damit nur einer mal etwas Ähnliches vor seiner Klasse vorführen würde?

 

 

Tag 6 – Mittwoch, 18.05.16

 

Und da war er auch schon, unser letzter Tag an der Pitseng High School… L

Um 9:30 Uhr sind wir an der Schule vorgefahren und diesmal standen keine Unterrichtsbesuche auf dem Plan - nein, wir haben den Unterricht gegeben! „German lessons for beginners“,  so to say (Deutsch für Anfänger).

 

 

Jochen versuchte dabei, die Grundredewendungen, die man bei einem ersten Gespräch brauchen würde, per Vor- und Nachsprechen zu erklären. Als wir merkten, dass die Schüler von sich aus ihre Hefte herausnahmen, weil sie mitschreiben wollten, begann Pauline auch an der Tafel das Wichtigste festzuhalten.

 

Am Ende sind wir mit jeder Klasse über die deutsche Begrüßung, Bitte und Danke sowie die Zahlen bis Zwanzig und eine einfache persönliche Vorstellung gegangen. Auf die Frage „Wie alt bist du?“ antworteten die Schüler auch bald sehr stolz. Am lustigsten und damit auch eingängigsten fanden die Schüler aller Klassen jedoch das Wort „Tschüss“, und als wir am Mittag zur Musik der Toten Hosen den obligatorischen Maisbrei mit Kohl austeilten, hörten wir des Öfteren auch ein „Danke“ oder „Tschüss“.

 

Am Vormittag waren wir auch in Mofos Klasse zu Besuch. Hier haben wir sogar ein Klassenfoto gemacht, welches wir natürlich mit ans Dürer bringen werden. Aber wir werden es auch der Klasse zuschicken, denn Klassenfotos werden hier nicht gemacht.

 

 

Nach dem Mittag wurden wir mit einer riesigen Abschiedsveranstaltung überrascht. 
Alle Schüler der Pitseng High School hatten sich im Halbkreis um etwas, das sich als Bühne herausstellen würde, versammelt. Für uns hatte man extra eine Art „Ehrentafel“ aufgebaut und die Lehrer saßen auch alle dabei.

 

Eröffnet wurde das Programm durch den Schulchor, dem wir im Verlauf der Woche schon öfter lauschen durften. Darauf folgte unter Leitung der Sesotho Lehrerin eine Präsentation traditioneller, teilweise altertümlicher Basotho-Gegenstände mit Erklärung. Vom veralteten Tierleder-Schild für den Kampf bis zu den typischen Basothohüten war alles dabei. Jetzt wurde uns auch klar, warum wir den ganzen Tag über schon viele Schüler und Lehrer in traditioneller Basotho-Kleidung oder auch Gesichtsbemalung gesehen hatten.

 

 

Zu Gesang und Klatschen wurde uns der typische Verlobungs-/Hochzeitstanz vorgeführt und eines der durch Yes we care! e. V. vermittelten Patenkinder hielt eine Rede darüber, wie dankbar sie den PatInnen und für das Programm ist.  Als nächstes sprach ein Schülervertreter, gefolgt von einer herzlichen, sehr bewegenden Rede des Library Lehrers John, in der er uns als „part of the Pitseng High School family“ (Teil der Pitseng High School Familie) bezeichnete. Daraufhin wurde für uns noch der Litolobonya aufgeführt. Es handelt sich hierbei um einen Tanz, der sich am besten unter dem Begriff „Gummistiefel-Schuhplattler“ beschrieben lässt. Zu einer Choreografie klatschten die ca. 15 Tänzer rhythmisch auf die Gummistiefel, die sie trugen – sehr beeindruckend!

 

Und weil wir noch nicht „geflasht“ genug waren, wurde gleich der nächste uns völlig neue Tanz draufgesetzt. Dabei knieten einige Mädchen in weiten, aufgeplusterten Kleidern auf dem Boden und bewegten zum Gesang eines Chores und dem Pfeifen einer der Tänzerinnen rhythmisch ihre Schultern/Oberkörper.

 

Danach wendete sich auch noch einmal Jochen an die Schüler und Lehrer und sprach für uns alle, als er sich für die Herzlichkeit und die offenen Arme bedankte, mit denen wir empfangen wurden. Wir hatten das große Glück, an der Schule mit den Schülern und Lehrern unheimlich viele Eindrücke zu sammeln und eine Kultur kennen zu lernen, mit der wir sonst keinerlei Berührungspunkte gehabt hätten, und wir durften unsere Kultur mit unheimlich interessierten Schülern dort teilen.

 

 

Damit war die große Feier – die zur Erinnerung nur für uns geschmissen wurde – beendet. Es kamen noch sehr viele Schüler auf uns zu und wollten Erinnerungsbilder machen und Kontakte austauschen und auch im Lehrerzimmer war die Stimmung ausgelassen. Wir wurden gefühlt von jedem Lehrer gedrückt und persönlich verabschiedet. Jochen verteilte noch die USB-Sticks, die er extra für die Lehrer mitgebracht hatte, und die Sesotho-Lehrerin machte uns traditionellen Reiseproviant bestehend aus Maispulver, Zucker und Salz, den sie uns für den Weg in eine Tüte füllte.

 

 

Und schon waren wir ein letztes Mal auf dem Holperweg, den wir in den letzten Tagen teilweise mehrmals zu Schule gefahren sind, doch im Gegensatz zu unserer ersten Fahrt um so viele Erfahrungen reicher … Nicht falsch verstehen, der Weg war immer noch eine Katastrophe, aber dass wir ihn ein letztes Mal gefahren sind, hat uns dann doch etwas sentimental gemacht.

 

Nach Deutschland zurück kamen und bleiben fünf schwer beeindruckte Reisende, über 2500 Bilder und viele positive Eindrücke von einem Land und Menschen, die es unendlich viel schwerer haben als wir in Deutschland und trotzdem unendlich viel glücklicher und unbeschwerter wirken als der Großteil von uns hier. Glück, so scheint es, hat wohl nichts mit dem Besitz des neuesten iPhones zu tun. Mit der Reise nach Lesotho endet natürlich nicht unser Engagement für unsere Partnerschule - in den nächsten Monaten wollen wir vor allem die Folgen der verheerenden Dürre dort mindern und dabei helfen, dass die Ernährungssituation sich wieder verbessert. Jede Spende dafür ist willkommen. Wir danken jetzt schon einmal für die Unterstützung, die nicht anonym irgendjemandem, sondern konkret unserer Partnerschule zukommen wird!

 

Spenden gehen an:

 

Yes we care! e.V.

Volksbank Regensburg

IBAN: DE 75 7509 0000 0100 6469 97

BIC/SWIFT: GENODEF1R01

Verwendungszweck: Kinder in Lesotho

 

Kea leboha! (Vielen Dank! - auf Sesotho, der Landessprache Lesothos)

 

 

Sechste Mitgliederversammlung des Vereins Yes we care! e.V.

am 17.07.2016

 

Ein Teil der Mitglieder mit dem Lesotho-Kalender 2017 von Yes we care! e.V.:

Hinten von links: Ulrike Völkmann, Rolf Bürgers, Elke Karpinski, Markus Fichtner, Anja Bischoff-Fichtner

Vorne von links: Stefan Cremer, Peter Lang, Irina André-Lang und Ulrich Karpinski

Am Sonntag, 17.07.16, fand in Wiesbaden unsere sechste Mitgliederversammlung statt. Von derzeit 21 ordentlichen Mitgliedern konnten 11 anwesend sein, ein Mitglied davon via Skype.

Viele Projekte an der Pitseng High School und Pontmain Primary School, die sich der Verein Yes we care! e.V. in der letzten Mitgliederversammlung vorgenommen hatte, wurden besprochen:

-          Das Biogas-Toiletten-Projekt ist inzwischen hundertprozentig funktionsfähig. Die Toiletten werden fleißig genutzt, das Management bzgl. der Sauberhaltung und Hygiene hat sich deutlich verbessert. Das entstandene Biogas ist an einen „Herd“ angeschlossen worden und wird zum Erwärmen des Waschwassers für die Mädchen verwendet.

 

-          Das Farmtier-Projekt war ja sehr erfolgreich und hat die Ernährung der ca. 600 SchülerInnen deutlich verbessert. Die „Jahrhundertdürre“ im südlichen Afrika, die Lesotho besonders schwer trifft, führt zu einer akuten Nahrungsmittelknappheit. Es wächst fast nichts und alle leiden sehr: die meisten unserer Farmtiere sind entweder geschlachtet worden oder eingegangen, alle Nahrungsmittel für die vielen SchülerInnen müssen für hohe Preise eingekauft werden.

 

Mageres Schweinchen

-          Mädchenschuluniformen wurden in Pitseng genäht und von uns bezahlt.

-          Das Schulbuch-Projekt kommt insbesondere unseren Patenkindern zugute, die diese kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen.

-          3 der 5 riesigen Küchentöpfe wurden in die Schulküche eingebaut und werden täglich für die Zubereitung der Mahlzeiten für 600 SchülerInnen benutzt. Ein weiterer Topf dient der Erwärmung von Wasser und der letzte wird als Ersatz gut aufbewahrt.

-          Ein 5000-Liter-Wassertank wurde leider bei der ersten Füllung zerstört, als er nach unzweckmäßiger Installation abstürzte. Ein weiterer 5000-Liter-Wassertank wurde angeschafft und diesmal fachgemäß installiert. Er dient der Wasserversorgung der Farmtiere sowie der an der Pitseng High School wohnenden Jungen.

 

-          Das Gehalt der „Life-Skills“-Lehrerin, Ms. Mapontso Nchee, wird erneut für das gesamte Schuljahr 2016 finanziert, da es der Schulleitung nicht gelungen war, ihr Gehalt durch das Ministerium für Bildung in Lesotho zu sichern. Ende 2014 hatte sie ein Kind bekommen und im Jahr 2015 mit dem Unterrichten ausgesetzt.

-          Der erste von Yes we care! e.V. durchgeführte „Mädchentag“ an der Pitseng High School war ein Erfolg: im Februar 2016 wurden alle Mädchen an der Schule über Menstruationshygiene aufgeklärt und 200 bedürftige Mädchen mit wiederverwendbaren Binden versorgt, die für ihre gesamte Schulzeit von fünf Jahren die Teilnahme am Unterricht auch während ihrer Periode sicherstellen.

 

-          Der 9. Hilfsgütertransport mit Tonnen von Hilfsgütern wurde im März 2016 durchgeführt. Drei Mitglieder begleiteten uns: unsere Schriftführerin Helga Ahlbach sowie Elke und Ulrich Karpinski. Neben Tonnen von Schulkleidung, Schulmaterialien, Toilettenartikeln, Medikamenten und Decken wurden auch wieder Schulranzen mitgebracht.

 

Helga Ahlbach, Elke und Ulrich Karpinski, Peter Lang

-          Das Patenschafts-Programm ist weitergewachsen, es wurden bereits für 92 Kinder PatInnen gefunden. Yes we care! e.V. hat neue Managerinnen vor Ort gefunden, nachdem die Betreuerin der Patenkinder, Ms. Mojabeng Tau, Ende 2015 aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden war: seit Januar 2016 kümmern sich die stellvertretende Schulleiterin der Pitseng High School, Mrs. Makabelo Tenane, und ihre Freundin und Lehrerkollegin, Mrs. Mpho Makhalanyane, ausgezeichnet um die vielen Pateninder.

 

Ungefähr die Hälfte aller Yes we care! e.V.-Patenkinder, die ihr Abitur geschafft haben, können anschließend studieren! Das ist ein unglaublicher Erfolg für junge Menschen, die meist ohne die Hilfe von Eltern viel zu früh ihr Leben alleine meistern müssen!

Die Patenschafts-Gebühren wurden seit 5 Jahren nie erhöht, obwohl die Kosten in diesem Zeitraum drastisch angestiegen sind, unter anderem wegen der hohen Kosten für die Ernährung der Patenkinder in der Zeit einer schrecklichen Dürre.

 

-          Das größte Projekt war die Verwirklichung des Baus eines Internatsgebäudes für die Jungen in unserem Patenschafts-Programm. Für Jungen gibt es viel zu wenig Unterbringungsmöglichkeiten an der Pitseng High School, die zudem menschenunwürdig sind. Das Bischof-Manfred-Müller-Jungeninternat für 40 Jungen wurde in kürzester Zeit in guter Qualität erstellt und mit zwei „State of the Art“-Solarprojekten versorgt, sodass Strom und Heißwasser durch Solarenergie zur Verfügung gestellt werden.

 

Am 01. August 2016, bei Beginn des zweiten Schulhalbjahres 2016 werden ca. 30 Jungen aus unserem Patenschafts-Programm das schöne, neue Haus beziehen können. Dort werden sie von Mr. Thabiso Paku, einem Lehrer, rund um die Uhr betreut werden. Sein Gehalt wird ebenfalls von Yes we care! e.V. finanziert.

 

Peter Lang und Mr. Thabiso Paku vor dem Jungeninternat

-          Der dritte Yes we care! e.V. Kalender für das Jahr 2016, der für Yes we care! e.V. kostenlos gedruckt worden war, war ein Erfolg und konnte Geld für unsere Projekte erwirtschaften. Deshalb gibt es natürlich einen Nachfolger: Der Lesotho-Kalender 2017 von Yes we care! e.V. ist noch schöner als der vorige und eignet sich gut als Geschenk! Wir freuen uns über viele Bestellungen!

 

Für das aktuelle Vereinsjahr planen wir wieder vielen bedürftigen Kindern zu helfen: wir erhöhen die Zahl der SchülerInnen auf der Warteliste für das Patenschafts-Programm. Außerdem wollen wir den Schulen helfen, neue Farmtiere für die Ernährung der vielen SchülerInnen anzuschaffen, wenn die Dürre zu Ende sein wird (wir hoffen sehr, dass dies bald sein wird!). Der jährliche Hilfsgütertransport ist wie jedes Jahr im März 2017 geplant.

 

Yes we care! e.V.-Patenkinder der Abiturklasse 2015

Wir werden weiterhin intensiv versuchen, weitere PatInnen für Kinder in Lesotho zu finden, die sonst nicht die Schule besuchen können! Dies ist unser wichtigstes Programm, und wir freuen uns über jede Unterstützung bei der Suche nach Menschen, die bereit sind, einem Kind in Lesotho die Chance auf eine Bildung zu geben!

Ganz herzlichen Dank an alle, die uns im vergangenen Jahr geholfen haben – ganz besonders an die fünf Schulen, die 2016 einen Spendenlauf für Yes we care! e.V. durchgeführt haben!!  Und ebenfalls an alle, die uns in diesem Vereinsjahr helfen werden, die Situation der Kinder in Lesotho weiter zu verbessern!

Kea leboha! Vielen Dank!

 

Mrs. Makabelo Tenane und Mrs. Mpho Makhalanyane

Geschrieben von Irina André-Lang
Drucken E-Mail-Adresse

"Geh voran: Erkenne, vermeide und melde sexuelle Gewalt!"

 

91 Patenkinder von Yes We Care! e.V. nahmen vom 23. bis 28. Juni 2016 an einem fünftägigen Feriencamp von Help Lesotho in Leribe teil.

Das Hauptziel des Camps war, diese gefährdeten Kinder mit lebensrettenden Informationen und Lebenskompetenzen bezüglich HIV / AIDS-Prävention und -Behandlung, sexueller Gesundheit, Geschlechtergerechtigkeit und gesunden Entscheidungsfähigkeiten auszustatten.

Das Thema des Camps war: "Geh voran: Erkenne, vermeide und melde sexuelle Gewalt!"

Sexuelle Gewalt in Lesotho

Mit der zweithöchsten Rate von HIV / AIDS weltweit sind Mädchen im ländlichen Lesotho besonders anfällig für Vernachlässigung, Vergewaltigung, Missbrauch, sexuelle Gewalt, frühe Heirat, Schwangerschaft und hohe Raten von HIV-Übertragung. Die traditionelle, patriarchalische Gesellschaft erschwert Bildung, Selbstwertgefühl und Gesundheit sowie Wissen über Sexualität.

Die Prävalenz von sexueller Gewalt:

• Im östlichen und südlichen Afrika berichtet eines von vier Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren, dass ihre erste sexuelle Erfahrung erzwungen war;

• Mädchen, die Gewalt erleben, sind bis zu 3-mal häufiger in Gefahr, sich mit HIV oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken;

• mindestens 60% der Frauen in Lesotho haben irgendeine Form von sexueller Gewalt erlebt.

Eine Generation von fähigen und sachkundigen Mädchen und Frauen zu schaffen, ist von entscheidender Bedeutung, um sexuelle Gewalt zu verhindern, indem mehr und mehr Mädchen und Frauen in der Lage sein werden, nein zu sagen, sich zu wehren und ihre Angreifer, wenn notwendig, zu melden. Eine Verringerung der sexuellen Übergriffe in Lesotho wird auch einen positiven Einfluss auf andere soziale Probleme haben: eine Reduzierung der HIV-Infektionsrate, die Verhinderung früher / ungewollter Schwangerschaften und die Reduktion der Belastung eines bereits angespannten Gesundheitssystems.

Mädchen und Frauen ihre Rechte zu erklären und Hilfen anzubieten, sich nach einem Angriff an das Rechtssystem zu wenden, wird dazu beitragen, die Zahl der Angriffe zu reduzieren.

Die Jugendlichen sollten nicht nur sexuelle Rechte diskutieren, sondern auch lernen, wie diese Rechte in das größere Bild ihres sozialen, physischen und emotionalen Wohlbefindens passen. Sie brauchen Hilfe, die Zusammenhänge zwischen Armut, Selbstwertgefühl, Ungleichgewicht der Geschlechter und sexueller Gewalt zu verstehen. Wenn sexuelle Gewalt in Bezug auf diese Lebenskompetenzen und Themen diskutiert wird, sind die Jugendlichen in der Lage, eine Verbindung zu ihrem eigenen Leben herzustellen und ihre eigenen persönlichen Risikofaktoren zu analysieren.

Erkenne, vermeide und melde sexuelle Gewalt!

Erkennen: Die TeilnehmerInnen lernten, dass sexuelle Gewalt viele Formen annehmen kann - dass Vergewaltigung nicht die einzige Definition von sexueller Gewalt ist. Ein wichtiger Faktor, der während der gesamten Zeit des Camps immer wieder bekräftigt wurde, ist das Alter der Menschen in einer intimen Beziehung und die Tatsache, dass intime Beziehungen zwischen Jugendlichen (männlich oder weiblich) und Erwachsenen immer eine Form von sexueller Gewalt darstellen.

Vermeiden: Die TeilnehmenrInnen lernten in Rollenspiel-Szenarien, wie Gruppendruck und unausgewogene Machtverhältnisse in einer Beziehung stark dazu beitragen können, Jugendliche zu riskantem Verhalten zu bringen.

 

Melden: Durch eine sichere Umgebung wurde den TeilnehmerInnen ermöglicht, persönliche Erfahrungen zu teilen und Hilfe und Unterstützung zur Überwindung ihrer Traumata zu suchen. Die TeilnehmerInnen wurden über rechtliche und medizinische Ressourcen informiert, die ihnen zur Verfügung stehen.

Beispiele

1. Während einer Sitzung über Gruppendruck hob eines der Mädchen die Hand und sagte: "Ich bin Opfer einer Beziehung mit einer älteren Person und habe eine Freundin, die in einer ähnlichen Situation schwanger wurde. Ich wusste einfach nicht, wie ich die Beziehung beenden soll, aber jetzt weiß ich, was ich tun muss. " Jeder im Raum konnte deutlich sehen, wie tief betroffen diese junge Frau wegen ihrer zerstörerischen Beziehung war. Sie zeigte ihre Hoffnung für die Zukunft, indem sie hinzufügte: "Mädchen, lasst uns alle aufstehen und unnütze Menschen vermeiden, die unsere Zukunft zerstören! Lasst uns sofort damit anfangen!"

2. In einer Diskussion nur für Jungen fühlten sich viele der Jungen sicher genug, um ihre Frustration über den Druck von ihren Familien zum Ausdruck zu bringen, eine "Initiation School" zu besuchen. Es gibt einen traditionellen Glauben in Lesotho, dass ein Junge nur durch den Besuch einer Initiations-Schule ein "richtiger Mann" wird. (Dieser Besuch ist ein Ausschlusskriterium an der Pitseng High School, weil die Jungen als Männer zurückkommen und sich anschließend nichts mehr von Lehrerinnen sagen lassen). Viele Jungen machten deutlich, dass sie lieber in der Schule bleiben wollten. Die Teilnehmer arbeiteten zusammen, um Wege und Strategien zu entwickeln, wie sie diesen Druck, den sie von ihren Familien fühlen, reduzieren können.

3. Die täglichen Frage & Antwort-Sitzungen zeigten, wie wenig Zugang die meisten TeilnehmerInnen zu Informationen im Zusammenhang mit sexueller Gewalt und reproduktiver Gesundheit[1] haben. Noch schlimmer ist, dass viele Mädchen von ihren Eltern / Erziehungsberechtigten, Kollegen und Jungen absichtlich falsch über sexuelle und reproduktive Gesundheit informiert werden, vermutlich um es den Mädchen zu erschweren, Entscheidungen in ihrem eigenen Interesse zu treffen. Die Mädchen konnten ihr Wissen klären und präzise Antworten auf wichtige Fragen erhalten (zum Beispiel: "Kann ich mich beim ersten Mal, wenn ich Sex habe, mit HIV anstecken?“).

 

4. Eine der lebendigsten Diskussionen beschäftigte sich mit der Verbindung zwischen "Liebe" und "Sex". Die TeilnehmerInnen wurden aufgefordert, eine Liste von Möglichkeiten zu nennen, wie jemand Liebe zeigen kann, ohne Geschlechtsverkehr zu haben. Am Ende der Gespräche hatten die SchülerInnen Folgendes verstanden und akzeptiert:

a. Geschlechtsverkehr ist nicht der einzige Weg, Liebe zwischen zwei Menschen zum Ausdruck zu bringen.

b. Auch in Beziehungen, in denen zwei Menschen sich gegenseitig lieben (oder es glauben), kann sexuelle Gewalt auftreten.

c. Es gibt "gesunde" und "ungesunde" Wege, Liebe zum Ausdruck zu bringen.

d. Geschlechtsverkehr zu haben, bedeutet nicht notwendigerweise, dass zwei Menschen sich gegenseitig lieben.

Camp Aktivitäten – Überblick

Die SchülerInnen nahmen an Diskussionen zu folgenden Themen teil:

• Gute Entscheidungen

• Selbstachtung

• Umgang mit Gefühlen

• Bin ich bereit für Sex?

• HIV / AIDS

• Folgen von Sex mit älteren Männern und Frauen

• "Ich will keinen Sex haben" (Nein-Sagen zu Sex)

• Folgen von Alkohol und Drogen

• Gleichberechtigung

• Die Möglichkeit, sich durch Kommunikation zu schützen

• [nur Jungen] Initiations-Schule und Freiwillige Beschneidung

• [nur Mädchen] Frühe Schwangerschaft und Zwangsheirat

Tägliche Aktivitäten:

Talente-Show: Alle TeilnehmerInnen wurden aufgefordert, sich mindestens einmal durch eine Kunstform wie Theater, Gesang oder die Lesung eines Gedichts auszudrücken.

 

Frage & Antwort-Sitzungen: Die TeilnehmerInnen konnten im Laufe jeden Tages anonym Fragen vorlegen; alle Fragen wurden beantwortet und während der täglichen eineinhalbstündigen Frage & Antwort-Sitzungen diskutiert.

• Frühstück, Mittagessen und Abendessen: Essenszeit ist immer ein Highlight!

 

Teambuilding-Aktivitäten: Durch Spiele, Sport, Kunst und Handwerk praktizierten die TeilnehmerInnen ihre Kommunikationsfähigkeiten und hatten viel Spaß dabei!

 

 

Fazit

Das Feriencamp 2016 war eine sehr positive Erfahrung für alle 91 TeilnehmerInnen. Jeder Junge und jedes Mädchen hatte während des Camps Möglichkeiten zu lernen, Fragen zu stellen, sich mit den anderen zu vernetzen und die wichtige Rolle zu verstehen, die sie bei der Verhinderung von sexueller Gewalt in ihren Schulen und Gemeinden spielen können.

 

Bei der Abschlussfeier hatten alle SchülerInnen gemischte Gefühle: Einerseits freuten sie sich über ihre Abschluss-Zertifikate und gratulierten sich gegenseitig für ihre großartige Beteiligung, während sie auch Tränen in den Augen hatten, als sie ihre Sachen zusammenpackten und den Weg nach Hause antraten.

 

Vielen Dank an alle, die das Feriencamp für 91 Patenkinder von YWC ermöglicht haben!



[1] Reproduktive Gesundheit (und reproduktive Rechte) steht für einen Rechtsansatz, Familienplanung als Menschenrecht zu verankern. Sie gehört seit der Weltbevölkerungskonferenz in Kairo 1994 offiziell zur internationalen Bevölkerungspolitik. Reproduktive Gesundheit wurde damals definiert als „Zustand des vollständigen seelischen, körperlichen und sozialen Wohlbefindens im Hinblick auf Sexualität und Fortpflanzung“.

 

 
Am 17. Juni 2016 wurden 14 der Patenkinder, die in ihren Berichten über Probleme mit ihren Augen geklagt hatten, in Begleitung der Betreuerinnen des Patenschafts-Programm von Yes we care! e.V. in die zwei Fahrtstunden entfernt gelegene Hauptstadt Lesothos, Maseru, transportiert.

 


Sie wurden dort von zwei Optikern untersucht und auf ihre Sehfähigkeit getestet. 13 von ihnen benötigen eine Brille, die von der Firma Spec Savers für Yes we care! e.V. kostenlos hergestellt werden.

 



Die SchülerInnen dürfen sich sogar die Brillengestelle frei aussuchen, unabhängig von den Kosten, was natürlich große Freude auslöst!
 
Diese Brillen werden hoffentlich nach den großen Winterferien, die am 16. Juni 2016 begonnen haben und am 31. Juli 2016 zu Ende sein werden, fertig gestellt sein und den betroffenen Patenkindern Hilfe leisten, im Unterricht und im Alltag besser zurecht zu kommen. Bei einer Schülerin wird eine schwere Erkrankung der Augen vermutet und sie wurde zur weiteren Abklärung in ein Krankenhaus überwiesen.

 


 
Yes we care! e.V. kann der Firma Spec Savers nicht genug danken! Diese Hilfe erspart große Kosten, die mit den Patenschafts-Gebühren allein nicht zu decken wären.