Beiträge

 

 

 11. Yes we care! e.V.-Hilfstransport nach Pitseng am 07. März 2018


Am 07. März 2018 war es wieder soweit – der 11. Hilfstransport des Vereins Yes We Care ! e.V. fand statt. Dieses Jahr wurden Irina und Peter Lang von Eva-Maria John und ihrem Lebenspartner Rolf Siems begleitet, die beide Mitglieder des Vereins sind und zusammen ein Patenkind sponsern (für Eva-Maria John bereits das vierte Patenkind).


Außerdem dabei waren Angelina Mertens, Fachanwältin für Steuerrecht und gute Freundin der dritten Vorsitzenden des Vereins, Ulrike Völkmann, und Kristina Schütz, Mutter eines Schülers der Bischof-Manfred-Müller Schule in Regensburg. Diese Schule finanziert 2018 insgesamt 19 Patenkinder. Mein Name ist Riccarda Riedel und im Folgenden werde ich schildern, wie ich meinen ersten Hilfstransport und die Zeit in Lesotho erlebt habe.


Die Vorbereitungen…
In den Tagen vor dem Hilfstransport liefen die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren – Süßigkeitenpäckchen und letzte Kisten wurden gepackt, Äpfel gekauft und Pullis abgeholt.


 

 Nachbarin Yvonne Le Brass (links) und Irina  André-Lang                        Jill Williams (links) strikt schon seit Jahren wunderschöne                                                                                                                                                                                 Wollpullis.

 

Als das Team für den Hilfstransport komplett war, blieb leider eine Erfahrung nicht aus, die mittlerweile bedauerlicherweise zum südafrikanischen Alltag gehört: Kristina und Angelina wurden mitten in der Nacht im Gästehaus auf Irinas und Peters Grundstück überfallen. Obwohl zum Glück niemand körperlich verletzt wurde, saß der Schock bei uns allen erst einmal tief, vor allem aber natürlich bei Kristina und Angelina. Nachdem wir uns einen Tag erholt hatten, viel geredet haben – auch mit Polizei und vielen Nachbarn – haben wir uns dazu entschlossen, das Programm wie geplant fortzuführen.


Am Tag vor der Abfahrt luden wir endlich alle Kisten, die sich im Haus von Irina und Peter befunden haben, auf die Hänger und fuhren zum Großhandel „Bargain Wholesalers“ in Port Shepstone. Dort war der Rest der Sachen – z.B. Schreib- und Schulsachen, Toilettenartikel, Decken u.v.m. – eingelagert und bereit, auf die Anhänger gepackt zu werden.


  

                Mitarbeiter von „Bargain Wholesalers“ und die             Bereit zur Abfahrt! (v. links: Angelina Mertens, Peter Lang, Kristina 

                         zwei fast fertig gepackten Anhänger.                                                        Schütz, Riccarda Riedel)



Die Fahrt…
Dann ging es endlich los! Die erste Etappe der Fahrt verlief völlig problemlos und wir konnten bei tollem Wetter die traumhaft schöne Landschaft bewundern. Unter anderem führte uns unser Weg durch den „Golden Gate Highlands National Park“, wo wir sogar ein paar Springböcke beobachten konnten.


            Die beiden Anhänger vor der schönen Kulisse -                                                        Vor dem „Golden Gate“. 
              auch große Pfützen waren kein Hindernis!                                                  (v. links: Irina, Angelina, Riccarda, Kristina)


 

In Clarens, einem kleinen Künstlerstädtchen kurz vor der Grenze zu Lesotho, wurde ein Nachtstopp eingelegt, damit wir am nächsten Tag gleich bei Grenzöffnung um 06:00 Uhr morgens nach Lesotho fahren konnten.

Am Abend war der Schreck dann aber groß, als wir bemerkten, dass einer der Anhänger einen platten Reifen hatte – so hätten wir auf keinen Fall weiterfahren können! Und ein Reifenwechsel bei dem vollbeladenen, ca. 3 – 4 Tonnen schweren Hänger war auch so gut wie unmöglich! Zum Glück sind wir gerade noch rechtzeitig zur Tankstelle in Clarens gefahren. Dort hatten die Mitarbeiter eigentlich schon Feierabend, haben sich dann aber sofort bereit erklärt, uns zu helfen und den Reifen zu flicken, als sie das „Yes We Care“-Logo gesehen haben. Das war wirklich wahnsinnig nett und hat unsere Weiterfahrt am nächsten Morgen gerettet!

 

    Unsere Retter beim Reifenflicken!


Am 07. März 2018 standen wir dann pünktlich um 06:00 Uhr morgens, leider bei strömendem Regen, an der Grenze. Nach kleineren Hindernissen, wie beispielsweise ein von den Beamten verlorener Schlüssel des Zollbüros bei der südafrikanischen Ausreise, haben wir es in nur knapp einer Stunde über die Grenze nach Lesotho geschafft – das war rekordverdächtig!

Von der Grenze aus fuhren wir ca. eine Stunde lang ins Landesinnere Richtung Pitseng. Die Szenen, die wir bereits auf dieser Strecke vom Auto aus beobachten konnten, waren sehr eindrucksvoll. Menschen, die trotz ihrer Armut eine unglaubliche Lebensfreude ausstrahlen, Kinder, die am Straßenrand entlang auf Eseln reiten, Frauen, die große Plastikkanister voll Wasser auf dem Kopf balancieren – trotz allen Widrigkeiten, strahlte alles eine große Friedlichkeit aus.

Dann wurde es nochmal kurz spannend für uns, als wir gesehen haben, in was für einem Zustand die ungefähr 5 km lange Zufahrtsstraße vom Ort aus zur Schule war. Der Regen hatte hier ganze Arbeit geleistet!!

Auch dieses Jahr wurden wir trotz des schlechten Wetters mit einem großen „Hallo“ begrüßt. Die Kinder sind uns schon weit vor der Schule mit vor Freude strahlenden Gesichtern entgegengelaufen und haben uns den Rest des Weges begleitet. Sogar selbst gebastelte Plakate haben sie mitgebracht und uns Kusshändchen zugeworfen.

Ich habe zwar schon öfter davon erzählt bekommen, dass die Kinder das ankommende Team so begrüßen, allerdings hätte ich mir nie vorstellen können, dass die Erzählungen nicht einmal ansatzweise das ausdrücken konnten, was ich in diesem Moment empfunden habe – einfach unbeschreiblich!!!

 



Unsere Zeit in Pitseng…

Das Ausladen der Hänger ging trotz des Regens ganz schnell. Die älteren Jungen haben eine Menschenkette gebildet und so wurden alle Kisten in die große Halle der Schule transportiert. Die freudige Erwartung der Kinder war überall zu spüren und hat uns natürlich angesteckt.


                                                          Peter Lang und einige der älteren Jungs beim Entladen der Hänger.


Nach dem Ausladen gab es erst einmal eine kurze Begrüßung von der Schulleiterin Mrs. Makabelo Tenane, die den Posten vor einem Jahr vorübergehend von Sister Alice übernommen hat, und eine kurze Ansprache von Irina, die von den Kindern mit tosendem Beifall begrüßt wurde.               

Danach kam einer der schönsten Teile: die Verteilung der Äpfel und der Süßigkeiten. Es war so schön zu beobachten, wie sehr sich die Kinder gefreut haben. Überall sah man Kinder, die sofort in einen Apfel bissen oder einen Lollipop im Mund hatten – und dabei natürlich die ganze Zeit gestrahlt haben.

   


Bei der Verteilung packt jeder mit an!

  

                                                                     Überall strahlende Gesichter!

 

 Damit die Allerkleinsten nicht so lange warten mussten, begann die Verteilung der Schulkleidung und Kuscheltiere bei den SchülerInnen der Pontmain Primary School.

 

 

Die Kids mit den wunderschönen Pullis, gestrickt von Jill Williams und Eva-Maria John und ihren Freundinnen.


Als nächstes stand die Verteilung der Schulkleidungspakete auf dem Programm. Die Lehrerinnen der Schule bestellen anhand von Listen, die sie von „Yes We Care! e.V.“ bekommen, bedarfsmäßig Schulkleidung für alle Kinder, die von Irina und einigen Helferinnen für jedes Kind individuell gepackt werden.

Nach einer kurzen Mittagspause standen für Irina Meetings mit den beiden Schulleiterinnen Mrs. Makabelo Tenane und Mrs. Mpho Makhalayane, Sister Helena, Zuständige für das Mädcheninternat, und mit Mr. Paku, dem Betreuer des von „Yes We Care! e.V.“ gebauten Jungenhauses an, zu denen ich sie begleitet habe. Es wurden Belange des Patenschaftsprogramms, der Pitseng High-School und des Jungeninternats besprochen.


    Meeting (v. links: Irina, Mpho, Makabelo, Sister   Helena).                  Irina und Mr. Paku, der Betreuer des Jungenhauses.

   

Leider hatte sich nur zwei Tage vor unserer Ankunft ein schlimmer Vorfall an der Schule ereignet, in den auch vier unserer Jungen aus dem Patenschaftsprogramm involviert waren. Als Folge ihrer Handlungen – sie hatten ein Mädchen geschlagen – mussten leider zwei Jungen aus dem Programm ausgeschlossen werden. Mit allen anderen Jungen wurde ausführlich gesprochen und auch im nächsten Help Lesotho Feriencamp wird das Verhalten zwischen Mädchen und Jungen erneut thematisiert werden.

 

 


Abends in unserer Unterkunft haben wir in der Gruppe natürlich viel über den Vorfall diskutiert, da es uns alle ziemlich beschäftigt hat.
Nachdem der Strom für längere Zeit ausgefallen war, fanden gleichzeitig die Abendbrotvorbereitungen bei Stirnlampenlicht statt
.

Am nächsten Tag in Pitseng haben wir alle Patenkinder aus dem „Yes We Care! e.V.“-Patenschaftsprogramm getroffen – mittlerweile 148!!!



Zunächst hielt Irina eine kurze Ansprache, in der sie nochmal dargelegt hat, wie wichtig Bildung und ein guter Schulabschluss sind. Die Kinder haben sehr andächtig zugehört. Anschließend bekamen die Kinder Briefe und Geschenke von ihren Paten ausgeteilt, worüber sie sich riesig gefreut haben.
    ‘
 

        Einige der Mädchen wollten unbedingt ein                                                       Große Freude über die Geschenke, die Paten

                 Foto mit Irina haben!                                                                                extra aus Deutschland geschickt haben!

 

Für uns war das ein besonderer Vormittag, da wir die Möglichkeit hatten, uns mit den Kindern zu unterhalten, was wirklich toll war. Sie haben ganz viele Fragen zu unserem Leben und unseren Berufen gestellt, und wie man in Deutschland zB. Ärztin/ Arzt oder Anwältin/ Anwalt wird. Man hat deutlich gemerkt, dass sie sich viele Gedanken über die eigene Zukunft machen und dankbar für jeden Tipp sind.  

 

 

    Stolz halten die Jungs ihre Briefe in die Kamera!                                  Eva-Maria John und Rolf Siems mit ihrem Patenkind.

  

   Kristina mit dem Patenkind der Schulklasse                                           Riccarda mit den beiden Patenkindern der Schule ihrer

                                                                                                                    Mutter, dem VHG Lindau (li.), und dem Patenkind
                                                                                                                    der Schule ihres Vaters, der Realschule Lindenberg 

 

Nachmittags standen für Irina nochmals Meetings auf dem Programm. Der Rest des Teams nutzte diese Zeit für einen kleinen Bummel durch Leribe, die nächstgrößere Stadt.

Da ich Grundschullehramt studiere, war das für mich die optimale Möglichkeit, um der Pontmain Grundschule einen Besuch abzustatten.
Die Kinder, die hier zur Schule gehen, kommen aus sehr armen Verhältnissen. Die Regierung übernimmt zwar die Schulgebühr, kommt aber nicht für Schulkleidung und Schuhe auf. „YWC“ unterstützt diese Kinder mit Schulkleidung und den Wollpullovern, da es in Lesotho im Winter bitterkalt werden kann.
Es war einerseits eine sehr erdrückende Erfahrung, zu sehen, unter welchen Bedingungen diese Kinder lernen und in was für einem Zustand ihre Kleidung war.
Andererseits war es auch sehr schön zu sehen, dass die Hilfe von „YWC“ genau dort ankommt, wo sie gebraucht wird, wie viel Freude die Kinder am Lernen haben und mit wie viel Engagement die Lehrerinnen versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.

  

       Im Pausenhof: stolz präsentiert dieses Mädchen den                                     Normalerweise besteht die erste Klasse aus 28
        Pulli, den sie am Vortag von ZWC bekommen hat.                                            Kindern, aber wegen des Regens haben es nur
                                                                                                                                      diese neun in die Schule geschafft.


An unserem dritten Tag an der Pitseng High School gab es ein erneutes Meeting – diesmal aber mit Mr. Tsiu, der für die Solaranlagen am ersten Jungeninternat zuständig ist. Hier gab es leider immer wieder Probleme mit der Stromversorgung und dem Wassermangel.
Allerdings war das Gespräch sehr erfolgreich und informativ und es besteht die Hoffnung, dass in Zukunft eine 24-Stunden-Stromversorgung für das gesamte Internat sichergestellt ist.

 


 Nach dem Gespräch gingen wir mit Mr. Tsiu und Mr. Paku zunächst durch das fertige Jungenhaus. Was wir besonders rührend fanden, waren die liebevoll auf die Kopfkissen drapierten Kuscheltiere der Jungen.


 


Anschließend ging die Führung über die Baustelle des zweiten Jungeninternats, für das YWC unter anderem finanzielle Hilfe von den „Sternstunden e.V.“ erhält. Es ist größer als das erste und wir konnten uns schon gut vorstellen, wie alles aussieht, wenn es voraussichtlich im August 2018 einzugsfertig sein wird.


        


 

Da wir gerade schon in Schwung waren, was Besichtigungen anging, haben wir gleich mit einer Besichtigung des Schulgeländes weitergemacht. Es war schön zu sehen, dass die Apfelbäumchen mittlerweile schon Früchte tragen und dass die Kühe und Schweine sehr gesund und wohlgenährt waren.


        

Von dem Geld, das „YWC“ für Farmtiere ausgegeben hat, wurden zusätzlich zu den 450 Hühnern noch zwei weitere Kühe angeschafft. Eine soll den Namen Monika tragen und den Namen für die zweite Kuh durfte ich mir überlegen: ich habe mich für „Lerato“ entschieden, was das Sesotho-Wort für „Liebe“ ist.
Von den restlichen Spendengeldern werden anschließend weitere Schweine gekauft werden.


 

 

 Was uns wirklich schockierte, war der Zustand der Jungenunterbringungen der Pitseng High School. Hier leben knapp 24 Jungen pro Hütte auf engstem Raum, ohne Strom und ohne Wasser – teilweise müssen sie sich eine Matratze teilen. Das hat uns nur einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Bau der beiden YWC-Jungeninternate ist!!!

Sister Helena führte uns auch durch das Mädcheninternat, das von den „Sisters of Charity of Ottawa“ geführt wird. Auch durch die Schulküche führte uns unser Weg und wir durften sogar probieren – wirklich lecker!


  Einige Mädchen beim Wäschewaschen. Für das von                                   Die Angestellten in der Schulküche sind Eltern von drei

   YWC gebaute Toiletten-Häuschen haben wir noch                                                                          Patenkindern.
       einmal 8 neue Toilettenbrillen mitgebracht.  


Am letzten Nachmittag konnten wir noch einmal etwas Zeit mit den Jungen aus dem Internat verbringen. Die Jungen suchten das Gespräch mit uns, einige wünschten sich sogar, dass wir nochmals Fotos von ihnen für ihre Paten machen. Ein Junge führte sogar einen Tanz auf, den wir filmen und an seinen Paten weiterleiten sollten.
Sie haben viele Fragen gestellt und haben alle beteuert, wie sehr sie es das Patenschaftsprogramm und die Arbeit von „YWC“ schätzen!
Diese gemeinsame Zeit mit den Jungen hat auch uns gut getan, nach den schwierigen Ereignissen.
Wir hatten alle viel Spaß zusammen und vor allem die Selfie-Funktion meines Handys löste große Begeisterung aus.


 

 

Abends bekamen wir in unserer Unterkunft noch Besuch von Thabiso Phusumane, einem ehemaligen Patenkind. Er hat im Dezember 2015 an der Pitseng High School sein Abitur gemacht und studiert mittlerweile Computer Technologie an der Nationalen Universität in Maseru. Als er hörte, dass „YWC“ wieder einen Hilfstransport nach Pitseng gefahren hat, ist er extra über das Wochenende nachhause gekommen, um Irina zu treffen. Es war so schön zu sehen, dass das „YWC“-Programm solche Früchte trägt!!
Als wir ihm von unserem Plan erzählten, am nächsten Tag an den Katse-Stausee zu fahren, um ein bisschen mehr von Lesotho zu sehen, hat er gefragt, ob er mitkommen dürfe, da er noch nie dort war – und das, obwohl er im von Katse nur 90 km entfernten Pitseng aufgewachsen ist. Mr. Paku, der Betreuer des Jungenhauses, schloss sich uns ebenfalls an, was sehr schön war, da wir ihn dadurch besser kennen lernen konnten.


Irina und Thabiso am Katse-Stausee.


Auf dem Weg durch die Berge und Pässe kamen wir an kleinen Dörfern vorbei. Aus genau solchen Dörfern stammen viele der Patenkinder.
Die Landschaft war überwältigend schön und die Leute, denen wir begegnet sind, waren unglaublich aufgeschlossen und freundlich! Ich verstehe nun, warum Lesotho auch das „Königreich im Himmel“ genannt wird.


 

 

Die Zeit in Lesotho war sehr eindrucksvoll und prägend für mich. Ich bin wirklich dankbar, dass ich diese Erfahrungen machen durfte!!!

Kea Leboha, Yes We Care! e.V.
Vielen Dank, Yes We Care! e.V.